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Fall 37: Der Kleinwagen hat ausgedient

Familie bekommt Unterstützung bei Mobilität - 21.12.2019 14:12 Uhr

Das geht nicht mehr lange gut: Philipp ist der Mutter schon jetzt zu schwer, wenn sie den Jungen in ihr Auto hieven muss. Der Junge, der noch wächst, benötigt außerdem einen größeren Rollstuhl. © Foto: privat


Philipp hat eine schwere körperliche wie geistige Behinderung. Die Probleme rühren – wie in ähnlichen, von "Freude für alle" schon geschilderten Fällen – vermutlich von einem Sauerstoffmangel vor oder bei der Geburt her, waren aber nicht erkennbar, als er einige Wochen vor dem regulären Termin zur Welt kam.

Sabine und Rudolf K. (Namen geändert) nahmen das Baby auf, als wäre es ihr eigenes. Obwohl sie auch leibliche Kinder haben, hatten sie sich als Pflegeeltern zur Verfügung gestellt. "Ich hatte mehrfach mitbekommen, wie es zugeht, wenn die leiblichen Eltern ausfallen", erläutert Sabine K. ihre Motivation, "da wollten wir einen Beitrag leisten, wenigstens einem Kind ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen." Dabei hatte das Paar in den Vorgesprächen mit dem zuständigen Jugendamt eigentlich ausgeschlossen, auch ein Kind mit einer Behinderung aufzunehmen. Nicht aus grundsätzlicher Ablehnung, sondern aus Respekt vor dieser schweren Aufgabe. "Wir dachten, das könnten wir einfach nicht leisten."

Und dann sollte es doch genau so kommen. Im Alter von vier bis fünf Monaten zeigten sich bei Philipp die ersten Entwicklungsverzögerungen. "Da hatten wir ihn aber schon so ins Herz geschlossen, dass wir ihn keinesfalls mehr abgeben wollten", versichert auch der Pflegevater. Die Untersuchungen und Diagnosen ließen keinen Zweifel, dass der Junge unter einer Cerebralparese leidet und entsprechend intensive Förderung und Betreuung benötigt.

Die ist, zum Glück, insgesamt auch gewährleistet. Dennoch ist es nicht möglich, ihn auch nur kurz ohne Betreuung oder Beaufsichtigung sich selbst zu überlassen. Die Mutter musste ihre Berufstätigkeit deshalb aufgeben, inzwischen versucht sie, stundenweise wieder arbeiten zu gehen. Schließlich besucht Philipp ein Förderzentrum. Dass er sich in seiner Klasse wohlfühlt, kann er mit einem herzlichen Lachen auch selbst gut zum Ausdruck bringen.

Spezialanschaffungen sprengen das Budget

Das wachsende Problem stellen die Fahrten dar. Bisher gelang es einigermaßen, den Jungen mit dem Wagen der Familie mitzunehmen. Nun aber ist er bald zu schwer – und sein Rollstuhl zu groß. "Er wird nie so mobil werden, dass er es selbständig schafft, in ein Auto ein- und auszusteigen", bestätigt die Fachdienst-Mitarbeiterin des zuständigen Jugendamts. Zudem benötige er einen speziellen Reha-Sitz sowie eine besondere Sicherung und könne erst im Fahrzeug selbst umgesetzt werden. "Auf einer Reha-Messe haben wir ein geeignetes Liftsystem gefunden", erzählen die Eltern.

Dabei geht es weniger um Spazierfahrten oder Ausflüge als um die regelmäßig anstehenden Touren zu Therapien und Arztbesuchen, außerdem natürlich darum, dass auch Philipp, wie andere Kinder, mal den Weihnachtsmarkt, ein Kino oder den Zoo besuchen können soll.


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All das gehört zur Inklusion, auf die Kinder wie Philipp ein Anrecht haben. Trotzdem übernehme der Bezirk als zuständiger Sozialhilfeträger nur den Umbau eines entsprechenden Fahrzeugs, berichten die Eltern. Die Anschaffung selbst muss die Familie aus eigener Kraft stemmen. Natürlich wird sie dafür ihren Wagen in Zahlung geben, etwas gespart hat sie auch.

Die verbleibende Summe übersteigt aber bei weitem ihre Kräfte – ein Problem, vor das sich regelmäßig Familien mit schwer behinderten Angehörigen gestellt sehen. Am Ende gelingt die Finanzierung meistens nur mit Beteiligung mehrerer Spender und Stiftungen. Wenn viele Leserinnen und Leser mithelfen, könnte das Ziel sogar noch in diesem Jahr erreicht werden.

Wolfgang Heilig-Achneck

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