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Fall 4: Auswandern bleibt ein Traum

Familie wollte sich Existenz in USA aufbauen - Rechtliche Hürden zu groß - 13.11.2019 17:05 Uhr

Die Kinder würden die neue Schule mit neuen Freunden besuchen, während Terrier Charly im Garten herum springen könnte. Stefanie K. (alle Namen geändert) und ihr langjähriger Lebensgefährte Frank M. wären in der Arbeit – sie als Haushaltshilfe, er als Installateur. Daneben gäbe es ihre Familie väterlicherseits, die gleich in der Nähe lebt. Eigentlich. Denn statt in der Kleinstadt im US-Bundesstaat Wisconsin sitzt das Paar mit seinen drei Kindern in einer ziemlich leeren Wohnung in Nürnberg.

Das Paar hatte den Traum von einem neuen Leben im Ausland. Doch während andere sich blind und ohne Planung in so ein Abenteuer stürzen, war es bei dieser Familie durchdacht und gut geplant. Auch flohen sie nicht vor schlechten Lebensbedingungen in Deutschland. Nein.

"Uns ging es gut, wir hatten ein stabiles und sicheres Leben", sagt die 39-jährige Mutter. Ihr 47-jähriger Partner hatte einen sicheren Job als Installateur, sie kümmerte sich um die sechs, zehn und zwölf Jahre alten Söhne, war zuhause. Auch weil der Zehnjährige mit einigen gesundheitlichen Problemen zwischen Asthma, ADHS und Neurodermitis zu kämpfen hat und immer wieder stationär behandelt werden muss.

Neue Jobs in Aussicht

Es war vielmehr die Sehnsucht nach einem Stück Heimat, welche die Familie Richtung USA trieb. Stefanie K. ist die Tochter einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters. In Deutschland geboren, wuchs sie später bis zu ihrem elften Lebensjahr in den Staaten auf. Da war die Beziehung der Eltern aber längst zerbrochen. Sie kehrte mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder schließlich nach Deutschland zurück.

Geblieben war die Erinnerung an gute Zeiten. Und nach einem Besuch bei Stefanie K.s Vater vor zwei Jahren war klar: Hier soll die neue Heimat der Familie sein. Es wurde alles organisiert, ein Haus gemietet und mit Hilfe ihres Vaters vor Ort eingerichtet, neue Jobs waren in Aussicht. Also kündigte Frank M. seinen sicheren Job und die Wohnung. Alles war für den Neustart verkauft und in den USA investiert worden.

Doch der Traum platzte innerhalb von nur wenigen Wochen. Der Grund: die Geburtsurkunde von Stefanie K. Denn ihr Vater hatte erst viele Jahre nach der vorgeschriebenen Frist die Vaterschaft für die uneheliche Tochter anerkannt, sie war also nicht automatisch US-Staatsbürgerin. "Das mit der Frist ist uns nicht klar gewesen", sagt sie.

Auf dem Sofa schlafen

Um sich nicht illegal im Land aufzuhalten, vor allem aber um den Kindern nicht eine unkalkulierbare Zukunft zuzumuten, kehrte die Familie im vergangenen September nur sechs Wochen nach ihrer Auswanderung wieder zurück – mit nichts außer ein paar Koffern mit Sommerkleidung. Über Freunde bekamen sie einen Mietvertrag für eine renovierungsbedürftige Wohnung, was sie wenigstens vor einem Obdachlosenasyl bewahrte. Inzwischen gehen die Kinder auf eine neue Schule. "Dort fühlen sie sich zum Glück wohl", wie Stefanie K. sagt.

Das Paar legt die Hände nicht in den Schoß. Frank M. wird wohl wieder an seine frühere Arbeitsstelle zurückkehren können. Doch die Familie fängt bei Null an. In den schmucklosen und leeren Kinderzimmern stehen lediglich Betten. Das Paar schläft auf dem Sofa. Weil Schränke fehlen, türmen sich Wäscheberge, zum Teil auf Estrich statt einem Bodenbelag.

Vorübergehend steht der Familie zwar Hartz IV zu. Doch das reicht nicht für Möbel und Winterkleidung. "Wir sind dankbar, dass man in Deutschland nicht komplett ins Leere fällt. Aber wir wollen aus dieser Situation wieder raus", sagt Frank M. Dann wäre da noch Terrier Charly, der in den USA zurück bleiben musste. Ihn vermisst vor allem der älteste Sohn ganz besonders. Aber auch hier bleibt die Familie bescheiden: "Wir haben es unserem Sohn erklärt. Die Ausreise ist teuer, die momentane Situation lässt es einfach nicht zu, den Hund zu holen", sagt Frank M.

Auf Antrag der zuständigen Sozialarbeiterin beim Jugendamt möchte die Weihnachtsaktion die Familie bei ihrem Neustart unterstützen. Aus organisatorischen Gründen ist die Annahme oder Vermittlung von Sachspenden leider nicht möglich.

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