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Fall 5: Die Tafel als Rettung

51-jährige Frau steht vor der Privatinsolvenz - 14.11.2019 09:43 Uhr

Nur dank des Einsatzes der "Tafel" kommen viele Menschen überhaupt gerade so über die Runden. © Philipp Rothenbacher


Ohne die "Tafel" hätte sie tagelang buchstäblich nichts zu essen gehabt. Und um ansonsten zu überleben, blieb der 51-Jährigen gar nichts anderes übrig, als sich zu verschulden, zum Beispiel bei einer Tante und bei mitleidigen Gläubigen einer Freikirche. "Ich habe jetzt nur noch Panik vor all den Mahnschreiben, die wohl kommen", meint die Frau, die einst hoffnungsvoll ein selbst finanziertes Studium begonnen hatte, dann aber abbrechen und auf miserabel bezahlte Tätigkeiten in Callcentern umsatteln musste.

"Damals habe ich noch einen Nebenjob angenommen, um irgendwie über die Runden zu kommen, ich kam locker auf zwölf Arbeitsstunden am Tag", erzählt sie. Als der Mindestlohn eingeführt wurde, war sie ihren Job los, denn das Callcenter ("wir arbeiteten für Marktführer") verlagerte die Billigbeschäftigung ins Ausland. "Dennoch hatte ich immer mein Leben im Griff und versucht, es allein zu schaffen, aber jetzt entgleitet mir alles." Zumal sie noch eine ganze Reihe von Raten aus früheren Verpflichtungen abzustottern hat.

Auf die hatte sie sich eingelassen, als sie noch arbeiten gehen konnte. "Da gab es zum Beispiel Gutscheine als Ersatz für Weihnachtsgeld, mit denen wir aus dem Sortiment etwas bestellen konnten. Natürlich nur, wenn wir ordentlich was drauflegten. Aber ohne das hätte ich heute nicht mal ein Bett." Inzwischen ist die Alleinstehende in verschiedener Hinsicht gesundheitlich angeschlagen. Und mit den Nerven am Ende: Einer drohenden Privatinsolvenz sieht sie mit neuen Ängsten entgegen. Und wenn auf 300 Bewerbungen in drei Monaten nichts als Absagen eingehen, "geht das auch nicht spurlos an einem vorbei".

woh

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