Fall Morchutt: Wo ist die Luxusuhr der toten Seniorin?

28.4.2016, 17:24 Uhr
Nodar D. steht seit Dienstag vor dem Nürnberger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge. Vor dem Prozess besprach der Georgier sich mit seinem Anwalt Ilja Hecht. Eine Dolmetscherin übersetzte.

Nodar D. steht seit Dienstag vor dem Nürnberger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge. Vor dem Prozess besprach der Georgier sich mit seinem Anwalt Ilja Hecht. Eine Dolmetscherin übersetzte. © Michael Matejka

Haben die Einbrecher, die im Juni 2013 in die Wohnung der 85-Jährigen einstiegen, wirklich die Rolex von Anneliese Morchutt mitgenommen? Oder versetzte die Seniorin die Armbanduhr im Pfandleihhaus? Dazu wurde auf Antrag von Verteidiger Ilja Hecht am Donnerstag die Ex-Schwiegertochter des Mordopfers gehört.

Die 57-Jährige berichtete, dass ihre Schwiegermutter die Uhr häufig und gerne trug. Etwa ein halbes Jahr vor der Tat sei jedoch ein Zeiger beschädigt gewesen und sie habe das Schmuckstück daraufhin nicht mehr am Arm der 85-Jährigen gesehen. Die Zeugin erinnerte sich, dass die 85-Jährige überlegte, Schmuck zu versetzen, um eine Tierarzt-Behandlung für ihren Mischlingshund bezahlen zu können. Ob sie tatsächlich Schmuck oder gar die Rolex-Uhr belieh, wusste die Zeugin nicht.

Hund kauerte neben der Toten

Der Vierbeiner spielt nach Aussagen der Ex-Schwiegertochter aber noch eine weitere Rolle in dem Fall: "Die Balkontüre war immer offen, damit der Hund rauskam", sagte sie. Über genau diese offene Balkontüre stiegen auch die Einbrecher in die Wohnung im Hochparterre in der Nürnberger Südstadt ein. Dort überwältigten sie laut Staatsanwaltschaft die 85-Jährige, knebelten und fesselten sie. Dann legten sie Decken und einen Teppich über die Frau und flüchteten mit dem Diebesgut, so die Anklage. Die 85-Jährige erstickte - wie mehrfach berichtet - qualvoll. Ihr Hund kauerte neben der toten Frau, als die Polizei sie am 24. Juni 2013 auf dem Boden ihres Schlafzimmers fand.

Einer der Räuber soll der 38-jährige Nodar D. sein. Er muss sich seit vergangener Woche wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Bislang schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen. Die DNA des Georgiers und Genmaterial eines noch flüchtigen Landsmannes wurden auf Kabeln gefunden, mit denen das Mordopfer gefesselt worden war. Auf Decken und Teppichen fanden die Ermittler jedoch keine Spuren. Nun forderte Verteidiger Hecht eine molekulargenetisches Gutachten. Das Gericht lehnte den Beweisantrag als nicht entscheidungsrelevant ab. Sollten keine weiteren Anträge mehr gestellt werden, tragen am kommenden Dienstag Staatsanwältin, Nebenklagevertreter und Verteidiger ihre Schlussplädoyers vor.