Donnerstag, 20.02.2020

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Fernsehserie "Kadim Dostum" in Nürnberg gedreht

Deutsch-türkische Seifenoper im Klinikum und am Flughafen aufgenommen - 25.06.2014 05:58 Uhr

Warten und noch mal warten, das gehört zum Film-Alltag. Bei den Dreharbeiten für die deutsch-türkische Fernsehserie „Kadim Dostum“ (Mein bester Freund) war das nicht anders. Ganz rechts: Autor und Komparse Horst Mayer. © Frey


Ich gehöre zu 40 Komparsen und Kleindarstellern, die bei den Dreharbeiten in Nürnberg und Fürth eingesetzt werden. Im Nordklinikum wird im Haus 12 gedreht, das gerade nicht in Betrieb ist - bis 4 Uhr früh. Für die Statisten heißt es warten und wieder warten.

Leider hat keiner von uns ein Kartenspiel dabei, also quasseln wir über die Fußball-WM. Endlich, ich darf im weißen Kittel als Pfleger vor die Kamera. Eine entscheidende Szene wird nachts vor Haus 37 gedreht: Hauptdarstellerin Hanna streitet mit ihrer Mutter. Dann heißt es wieder warten.

Die Quote entscheidet

Stationen des Drehs sind neben dem Klinikum der Flughafen, eine Dönerbude am Plärrer und ein Bürogebäude in der Witschelstraße. Zuvor hat das Team in Fürth gefilmt. Hauptfigur der Seifenoper ist Hanna (23). Im Krankenhaus erfährt sie von ihrer Mutter, dass ihr im Sterben liegender Vater ihr Adoptivvater ist. Der leibliche Vater ist Türke und stammt aus der Stadt Mardin in Südostanatolien.

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Nicht zuletzt die Wahl als Schauplatz des Franken-Tatorts zeigt: Die Filmwelt hat Nürnberg nach langer Drehpause wieder im Fokus. Es ist eine Rückkehr. Denn die Noris hat eine lange Geschichte als Filmkulisse.


Schnitt: Hier ist die Handlung vorerst zu Ende. Laut Zehra Karakas, Koordinatorin in der Produktion, werden 13 abgedrehte Folgen bereits Anfang September auf dem türkischen Kanal Fox TV zu sehen sein.

Wie es mit Hanna weitergeht, weiß niemand. Über ihr Schicksal entscheidet die Quote: Die Fernsehzuschauer sollen entscheiden, ob „Kadim Dostum“ Flop oder Renner wird. Karakas glaubt jedoch an das Geschäftsmodell, weil sich dafür zwei Produktionsfirmen starkmachen, die in der Showbranche keine Unbekannten sind: Die „Medfon“ aus der Türkei und „Boyut Film“ aus Deutschland. Auch sein Name hat einen guten Klang: Mahsun Kirmizigül, Sänger, Schauspieler und Regisseur, fungiert bei „Kadim Dostum“ als künstlerischer Direktor.

Während in Deutschland die leichte Fernsehunterhaltung wegen mieser Quoten ins Schlingern gerät, wittern türkische Produktionen mit Seifenopern ein lukratives Geschäft. Die menschelnde Geschichte um die 23-jährige Hanna mit großen Gefühlen, dramatischen (Familien-)Konflikten und einer Prise Humor soll goldene Vorabendquoten sichern.

Gedreht wurde auch in Fürth (im Friedhof an der Erlanger Straße). © Frey


Bei so viel Zuckerguss darf eine Prise deutscher Panorama-Romantik nicht fehlen: Von Nürnberg aus ist die Crew nach Füssen gereist, wo Luftaufnahmen von Schloss Neuschwanstein gedreht wurden. Einwurf eines deutschen Mitarbeiters: „Neuschwanstein kennt doch jeder.“ Antwort eines türkischen Mitproduzenten: „Aber die türkischen TV-Zuschauer nicht.“

Endlich, gegen Mitternacht, gibt es Hähnchen mit Pommes und Gemüse. Peter Petrich, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im Klinikum, ist als Berater am Set. „Ich musste  einiges geraderücken, die Crew hatte eigenartige Ansichten über den Betrieb eines deutschen Krankenhauses“, berichtet er. Eine in der Cafeteria geplante Szene etwa konnte nicht gedreht werden, weil die  Kantine des Nordklinikums nachts geschlossen ist.

Nach Auskunft von Petrich sind deutsche Krankenhäuser begehrte Drehorte. Das Klinikum bekomme pro Jahr drei bis vier Anfragen seriöser Produktionen. „Meistens lehnen wir ab, denn durch die Filmerei wird der Betrieb empfindlich gestört.“ In erster Linie müsse man für die Kranken da sein. Finanziell lohne sich das Filmgeschäft schon gar nicht.

Warten auf den Einsatz

Auf dem Fürther Friedhof an der Erlanger Straße warten wir Komparsen in schwarzer Kleidung auf unseren Einsatz. Trotz gespielter Trauer kommt es zu Heiterkeitsausbrüchen — wegen diverser  Sprachschwierigkeiten. Ein Statist meint: „Das ist die erste Beerdigung, bei der ich lachen kann.“ Eine türkische Mitarbeiterin spricht von „Frischfleisch“, während sie die  Situation erklärt, die gespielt werden soll: Die Trauergäste sollen langsam vom Grab weggehen und in bereitstehende Autos steigen, weil die Beerdigung „gerade frisch vorbei ist“. 

Verspätet trifft Pfarrer Volker Zuber ein, er kommt gerade von einer Hochzeit. Zuber soll den Trauerzug anführen, die Mitarbeiterin begrüßt ihn mit „Jetzt kommt der Papst“. Das allgemeine Gelächter geht unter in dem von der Komparsen-Runde begeistert aufgenommenen Aufruf zum Catering; es gibt Döner mit Zwiebeln und ein Getränk.

Die Rolle der Hanna spielt die medizinische Fachangestellte Nergiz Damla Aslanalp,  Siegerin beim Wettbewerb „Schönste Deutsch-Türkin 2013“. Die Mutter ist die deutsch-polnische Schauspielerin Isabella Magdalena Szendzielorz. Sie hatte 2009 am Nürnberger Staatstheater die Rolle der Klytämnestra in einer Inszenierung von Georg Schmiedleitner.

HORST MAYER (Nürnberger Nachrichten)

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