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Festakt zum Menschenrechtspreis: Mundaca will kein Held sein

Der Preisträger bedankte sich mit einer kämpferischen Rede - 22.09.2019 15:03 Uhr

Der Chilene Rodrigo Mundaca wird mit dem Menschenrechtspreis 2019 der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Zu den Rednern gehört auch Oberbürgermeister Ulrich Maly (hier auf einem Archivbild). © Stadt Nürnberg/Giulia Iannicelli


Dieser Mann will kein Held sein. Aber für die Menschen, die an diesem Vormittag zum Festakt ins Opernhaus gekommen sind und die rund um die Straße der Menschenrechte an der Friedenstafel sitzen, ist er einer. Weil er sich von Drohungen und Angriffen auf sein Leben nicht davon abhalten lässt, für Gerechtigkeit zu kämpfen: für den freien Zugang zu Wasser für alle Menschen in seiner Heimat Chile.

Das südamerikanische Land ist das einzige der Welt, in dem die Wasserrechte in privater Hand liegen. Große Konzerne haben die Macht über das lebensnotwendige Gut. In Rodrigo Mundacas Heimatregion Petorca wird das Wasser in großem Stil für die Avocado-Produktion verwendet. Kanäle und Flüsse sind ausgetrocknet, die Landbevölkerung wird mit Wassertankwagen spärlich versorgt.

Nürnberger Menschenrechtspreis: Mundaca und der Kampf ums Wasser

"Wir sind Kämpfer!", ruft Rodrigo Mundaca in seiner Dankesrede dem Publikum im Opernhaus zu. "Aber wir brauchen auch eure Hilfe." Die Menschen erheben sich von den Sitzen, spenden lang anhaltenden Applaus. Sie signalisieren ihre Solidarität mit den Menschen, die Tausende von Kilometer von hier entfernt leben, aber die vom Konsumverhalten der Europäer direkt betroffen sind – denn deren Nachfrage nach der "Superfrucht" Avocado steigt stetig.

Die Staatsphilharmonie Nürnberg unter der Leitung von Joana Mallwitz umrahmt den Festakt mit Musik von Mozart, Pachelbel und dem Mexikaner Arturo Marquez. Seine Dankesrede beginnt Mundaca mit der Erinnerung an die Menschenrechtsaktivisten, die im Kampf für eine gerechte Wasserverteilung gestorben sind oder im Gefängnis sitzen. Er erzählt von der Landbevölkerung, die auf ausgedörrter Erde leben muss, die ihr Vieh verloren haben, deren Gesundheit bedroht ist. Dann prangert er das Gebaren der Politik und der großen Agrarunternehmen an. "Wir sind es leid, dass uns das kostbarste Gut, das Wasser, genommen wird. Wir wollen keine Privilegien, wir wollen, dass das Wasser wieder entprivatisiert wird. Der Raub des Wassers zerstört die Umwelt und die Identität unserer Landbevölkerung."

Umweltsünde Avocado: Darf man die grüne Frucht noch essen?

Zu den Rednern beim Festakt gehören neben Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und dem Jurymitglied Anne Brasseur auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck. Er würdigt den Preisträger als einen Menschen, der die Angst besiegt hat und Verantwortung übernimmt, trotz Verfolgung und Androhung von Gewalt. "Wir brauchen diese besonderen Vorbilder", sagt Gauck. "Denn ein Leben in Würde und Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit." Und auch der Stadt und ihren Bürger zollt der ehemalige Bundespräsident Respekt. "Es bewegt mich, dass in dieser Stadt so viele Menschen sind, die Gefühle der Nächstenliebe und der Toleranz in sich tragen."

Gabi Eisenack

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