Sonntag, 15.12.2019

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Feuerwehr alarmiert: Falschparker behindern Einsätze

Besonders in der Innenstadt sind Straßen häufig durch Autos zugestellt - 23.08.2018 05:56 Uhr

Wenn ein Auto ungünstig in der Kurve parkt, kommt das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr kaum vorbei.


Es ist eng in der Köhnstraße. Die Fahrer der Berufsfeuerwehr Nürnberg tasten sich mit der 2,50 Meter breiten Drehleiter an den parkenden Autos vorbei. Der Fahrbahnquerschnitt ist knapp bemessen. Kein Wunder: Als der Stadtteil Glockenhof ab dem 16. Jahrhundert entstand, konnten die Baumeister noch nicht ahnen, dass es einmal motorisierte Fahrzeuge geben wird, die entsprechend Platz brauchen. So schnell die Löschzüge im Ernstfall auf den Hauptverkehrsachsen auch unterwegs sind - in den Quartieren müssen sie oft im Schritttempo zum Einsatzort fahren und bleiben nicht selten stecken.

In der Köhnstraße demonstriert Horst Gillmeier, Leiter der Feuerwache 3, auf welche Schwierigkeiten die Einsatzkräfte stoßen können, wenn es um Leib und Leben geht. Am Ende der Köhnstraße, wo sie auf die Regensburger Straße stößt, ist Schluss. Kein Durchkommen. Eine Baustelle hat die Fahrbahn in eine Sackgasse verwandelt. "Das ist aber nicht das Problem", sagt Gillmeier. Denn der nötige Abstand zu den Wohnblocks, um das "Anleitern" zu ermöglichen, ist da. Gefährlich kann es werden, wenn sich Autofahrer nicht ans absolute Halteverbot mit dem Zusatz "Feuerwehranfahrtszone" halten. So wie der rote Toyota, der gerade direkt vor dem Baustellenzaun parkt.

In der Falle

Die Feuerwehrleute stabilisieren die Drehleiter und fahren den Korb in Richtung Fassade aus. Deutlich wird: Die 22 Meter reichen nicht aus, um damit an die obere Wohnung des Eckhauses zu kommen. Es fehlen die entscheidenden Meter, die der geparkte Toyota unten wegnimmt. Im Ernstfall kann das fatale Folgen haben. Der sanierte Altbau mit seinen drei Stockwerken verfügt nur über einen Fluchtweg: das Treppenhaus. Fressen sich Flammen durch die unteren Etagen und macht dichter Qualm eine Rettung über die Treppen unmöglich, ist der zweite Fluchtweg über die Drehleiter die letzte Chance. Klafft aber zwischen Korb und Fassade eine Riesenlücke, scheitert eine Rettung auch da. Die Menschen in der Wohnung sitzen in der Falle.

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"Gerade am Wochenende denken viele, auf der Baustelle wird nicht gearbeitet, und stellen ihr Fahrzeug einfach vor dem Bauzaun ab. Macht einer den Anfang, ist die Hemmschwelle für andere schon etwas kleiner. Sie denken nicht daran, dass die Feuerwehr im Brandfall hier dringend ran muss", klagt der Wachleiter.

Mindestens einmal pro Woche riesiger Zeitverlust

Die Feuerwache 3 hat mit Engstellen im Stadtgebiet die größte Erfahrung von allen fünf Nürnberger Wachen. Denn der Zuständigkeitsbereich der ehemaligen Feuerwache Mitte ist das Zentrum und somit der älteste Kern der Stadt. "Wird Alarm in der Altstadt ausgelöst, rücken vorsorglich immer zwei Löschzüge aus, die aus verschiedenen Richtungen kommen", erklärt Gillmeier. Die Einsatzkräfte müssen immer damit rechnen, dass sie mit ihren Fahrzeugen irgendwo hängen bleiben. Der zweite Löschzug ist dann schneller am Brandort. "Mindestens einmal pro Woche kommt ein Kollege zu mir und erzählt, dass er bei der Anfahrt zum Einsatzort einen riesigen Zeitverlust hatte", sagt er. Entweder weil zu eng geparkt wurde oder weil jemand seinen Wagen zu weit an der Kreuzung abgestellt hat. "Mit einem Golf kommt man da vielleicht noch um die Kurve. Mit unserer zwölf Meter langen Drehleiter haben wir keine Chance."

Wird das absolute Halteverbot in der Feuerwehranfahrtszone nicht beachtet, reicht die Drehleiter womöglich nicht bis zur obersten Etage.


In solchen Situationen nehmen Einsatzfahrzeuge immer wieder Außenspiegel mit oder verpassen dem Lack eines abgestellten Autos Kratzer, weil es einfach pressiert. Wer den Sachschaden bezahlt? Den muss die Stadt begleichen. "Nach dem Buchstaben des Gesetzes müssten wir sogar so lange am beschädigten Fahrzeug stehen bleiben, bis die Polizei da ist und den Schaden aufnimmt. Es wäre ja sonst Fahrerflucht." Doch wenn es um Menschenleben geht — und das kann man am Anfang eines Einsatzes nie ausschließen —, bleiben die Fahrzeuge selbstverständlich nicht stehen. Es gibt ein Einvernehmen mit der Polizei, dass der Schaden in so einem Fall nach dem Feuerwehreinsatz aufgenommen werden kann.

Nur Verwarnungen möglich

Sicher: Steht ein Auto in einer Feuerwehrzufahrt und der Löschzug kommt nicht an den Brandort heran, wird der Übeltäter zur Rechenschaft gezogen — sofern durch ihn der Einsatz tatsächlich behindert wurde, der Sachschaden größer ist, als er hätte sein müssen, und vor allem dann, wenn Menschen zu Schaden kommen.

Doch die Mittel der Verkehrsüberwacher sind bei Falschparkern begrenzt. "Wir können nur Verwarnungen in Höhe von 35 Euro ausstellen. Mehr Vollzugsmöglichkeiten haben wir nicht", heißt es beim Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung. Die Kontrolleure sind allerdings angehalten, bei Rettungswegen und Feuerwehranfahrtszonen öfter hinzugucken und konsequent zu verwarnen.

Bis die Polizei aber abschleppt, werden aus Gründen der Verhältnismäßigkeit erst einmal alle anderen Register gezogen, um den Fahrer zu erreichen - sofern wegen eines akuten Einsatzes nicht Gefahr im Verzug besteht. Die Halter werden über die Kennzeichen ausfindig gemacht.

Der Nürnberger Feuerwehrführung bereitet aber auch die derzeitige Großbaustelle auf dem Nelson-Mandela-Platz Kopfzerbrechen. Hier rechnen die Planer während der Bauphase mit Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg. Rund um den Hauptbahnhof haben die Alliierten damals besonders viele Bomben abgeworfen. "Die Pläne für Evakuierungsmaßnahmen und Absperrungen liegen schon in der Schublade", so Horst Gillmeier. Die Berufsfeuerwehr bat die Verwaltung, am Straßenrand Platz für Einsatzfahrzeuge zu schaffen. "Als die Baustellenabsperrungen dafür aber versetzt wurden, standen schon die ersten Autos drauf — und der Sinn der Aktion war dahin", so der Wachleiter. Wenig später wurden die Bauzäune wieder an ihren ursprünglichen Platz gerückt.

Alexander Brock

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