Donnerstag, 12.12.2019

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Film ab für die Ohmrolle

Studenten zeigen beim Festival im CinecittÀ ihre Semesterarbeiten vor Publikum und Talentsuchern. - 12.11.2019 14:55 Uhr

In stundenlanger Handarbeit haben die Studentinnen Philomena Panzer und Yvonne Edenharter „Purri’s Diner“ gefertigt. Die Brüstungen sind aus Strohhalmen, die Teller in der Mülltonne aus Kronkorken. © Foto: Ohmrolle/Puri‘s Diner


Matthias Wallisch, Felix Friedlein und Remi Kalisz sind für ihren Film durch Oberbayern getourt und haben sich in die Tradition des Maibaum-Stehlens eingearbeitet. "Die Leute waren sehr offen und wir haben viel gelernt", erklärt Wallisch. "Jedes Dorf hat seine eigenen, etwas anderen Regeln." Aus den Erfahrungen ist ihr 25-minütiger Abschlussfilm "Stadt, Land, Baum" entstanden. "Keiner von uns kommt vom Land, aber das Thema hat uns interessiert", sagt der Student. Zwei Jahre haben sie in ihr Projekt investiert mit 17 Drehtagen am Chiemsee. "Wir wollten unsere Traditionsversion fürs Kino frisch und neu erzählen wie die Hollywood-Gaunerkomödie Ocean’s Eleven."

Sophias Bruder (2. v. r.) ist der Maibaum gestohlen worden. Deshalb eilt die große Schwester aus der Großstadt zurück in die Heimat, um ihm zu helfen. © Foto: Ohmrolle/Liebe deinen Nächsten


Die Regeln sind die gleichen, aber ganz so dramatisch wie im Film geht es in Oberbayern doch nicht zu: Sophias kleinem Bruder und seinen Freunden wird der Maibaum gestohlen. Deshalb entschließt sich Sophia aus der Großstadt Berlin in ihre verhasste Heimat zurückzukehren, um den Buben zu helfen.

Den Abschlussfilm nun auf der Kinoleinwand bei der Ohmrolle zu sehen, bereitet Wallisch gemischte Gefühle: "Da ist einerseits der Abschiedsschmerz nach fünf Jahren Studium, andererseits sind wir auch froh, dass dieses Projekt jetzt vorbei ist." Nach dem Studium will er sich nun als Kameramann selbstständig machen.

Im Film "15 Jahre später" geht es um die ganz alltäglichen Probleme einer alleinerziehenden Mutter. Die 15-jährige Tochter lässt sich ein Piercing stechen – der getrennt lebende Vater hat es erlaubt. Unterhalt zahlt er aber nicht. "Eine Frau muss in der heutigen Zeit alles gleichzeitig sein, Hausfrau, beruflich erfolgreich, gute Mutter und Partnerin", sagt Laura Fuchs, die selbst mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist. "Meine Mutter musste all ihre beruflichen Ziele aufgeben und hatte teilweise drei Jobs gleichzeitig, um uns zu versorgen", erzählt sie. "Unser Film soll einen Einblick geben – ohne erhobenen Zeigefinger."

Fuchs hat Regie geführt und zusammen mit Kim Mauer das Drehbuch geschrieben. "Alleinerziehende werden oft nicht als Familie wahrgenommen und das finde ich sehr traurig, so nach dem Motto: Pech gehabt", erklärt die 25-Jährige. Ihrer Mutter hat sie den Film schon gezeigt: "Sie hat sich in vielem wiedererkannt." Fuchs will nach ihrem Abschluss als Regisseurin in Berlin arbeiten. Zur Ohmrolle kommt sie nach Nürnberg: "Ich liebe es, im Publikum zu sitzen und die Reaktionen der Leute auf den Film zu erleben, das mag ich total gerne."

Das tragische Ende einer Beziehung

Von einer Beziehung handelt auch das Drama "Vom Schwimmen". Josef gesteht seiner langjährigen Freundin, dass er auch auf Männer steht. Daraus entwickelt sich ein Gespräch über all die Dinge, die Jahre lang ungesagt geblieben sind. "Der Zuschauer soll sich fragen: Was passiert da eigentlich gerade?", erklärt Boris Gavrilović, der die Regie des Film übernommen hat.

Ein erstes Zeichen für den Umbruch sind die Goldfische, die Josef eines Tages mit nach Hause bringt und durch die vieles ins Schwimmen gerät. Kameramann Johannes Zenk und Gavrilović haben das Drehbuch geschrieben und Kommilitonin Eva-Maria Amm war für Ausstattung und Kostüme zuständig. Gedreht haben sie vier Tage lang in der Wohnung einer Freundin. "Wir sind ihr sehr dankbar, dass sie unser 15-köpfiges Team bei sich einfallen hat lassen." Die Fische haben sie anschließend weiter verschenkt.

"Purri’s Diner" läuft schlecht. Das Essen schmeckt mittelmäßig. Die Gäste motzen. Die Toilette ist verstopft. Da hilft nur noch der Griff zum Alien-Super-Putzmittel. Doch Purri übertreibt und erzeugt ein Schwarzes Loch in der Kloschüssel. "Wir wollten etwas mit Humor machen", sagt Philomena Panzer, die die Idee zum Film hatte.

Zwei Jahre haben sie und ihre Kommilitonin Yvonne Edenharter an ihrem Abschlussprojekt gearbeitet. Besonders viel Zeit hat die Animation beansprucht. Ihr Weltraum- Restaurant haben die beiden in Handarbeit aus Karton, Strohhalmen und Bierdeckeln gebastelt, geschraubt und geklebt und mit Chromspray verfeinert. Alle Kulissen sind real, die Figuren anschließend am Computer zweidimensional hinzugefügt. "Im Studium können wir verschiedene Techniken ausprobieren, wir haben alle Möglichkeiten und das wollten wir auch nutzen."

Die Nachwuchsfilmemacher Luca Gruber, Joshua Perlbach, Alexandra Seppel, Maja Winkelmann und Simone Bartoschek haben sich für ihren Film im vierten Semester das deutsche Spießbürgertum vorgeknöpft. Witwer Wittig lebt zurückgezogen bis er durch einen neuen Nachbarn und dessen Hund in seiner Ruhe gestört wird. "Wir haben unsere Erfahrungen aufgegriffen und die Geschichte kreativ ausgeschmückt", erzählt Gruber. "Wir wollten lustig und übertrieben zeigen, wohin ein Nachbarschaftsstreit führen kann und die Zuschauer zum Nachdenken über ihr eigenes Handeln anregen."

Gedreht hat das Team sechs Tage lang im Ort Glashütten, im Landkreis Bayreuth. "Dank der wunderbaren Unterstützung meiner Oma und ihrer Nachbarin konnten wir unsere Idee des Rentner-Kriegs wie geplant umsetzen", erzählt Gruber. "Außerdem wohnen sie in einer Sackgasse, das hat das Filmen erleichtert."

InfoDas Studentenfilmfestival "Ohmrolle" läuft am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr in drei Kinosälen im Cinecittà. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

CHRISTINA MERKEL

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