Dienstag, 20.04.2021

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Flaschen-Sammler wollen keine Pfandringe in Nürnberg

Sör-Werkausschuss spricht sich bei Sitzung gegen Sammelbehälter aus - 29.07.2014 06:00 Uhr

Das Sammeln von Pfandflaschen und Dosen könnte mit speziellen Halterungen wie Bierkästen und Pfandringen erleichtert werden. In Nürnberg lehnen die Betroffenen das ab, um keine Konkurrenz anzulocken. Das System funktioniere auch so.

23.01.2014 © Stadt Bamberg


Im Werkausschuss des Servicebetriebs öffentlicher Raum (Sör) wurde aber die Aufrüstung der vorhandenen Mülleimer mit Halterungen für Pfandflaschen abgelehnt. Mit dem Verweis auf Bamberg, die Oberfranken führen derzeit ein Pilotprojekt durch, hatte die CSU im Juni den Antrag gestellt, Flaschenhalter an den Mülleimern in der Innenstadt zu befestigen: Die Stahlhalterungen für mehrere leere Pfandflasche und Dosen sollen dafür sorgen, dass Sammler nicht mehr im Müll oder Unrat suchen müssen.

Der Kölner Design-Student Paul Ketz hatte dafür eigens einen sogenannten Pfandring aus Stahl in gelber Farbe entwickelt, den die Bamberger an zwei Mülleimern angeschraubt haben. Aufgrund von privaten Initiativen wurden in Nürnberg zwei Pfandflaschenkisten im öffentlichen Raum angebracht, um das Sammeln zu erleichtern.

Bürgermeister Christian Vogel machte am Montag den Stadträten deutlich, dass die Anschaffung solcher Ringe nicht geplant sind. Zum einen seien sie mit 500 Euro pro Stück relativ teuer und die Kosten könnten nicht auf die Müllgebühren-Zahler umgelegt werden. Hinzu kämen noch höher Kosten beim Entleeren der Papierkörbe mit Pfandringen. Außerdem sprächen Sicherheitsaspekte dagegen: Die Pfandringe könnten Kinder verletzen, da sie in Kopfhöhe angebracht werden. Auch müsste es eine neue Entleerungssystematik geben. Die CSU-Stadträte Andreas Krieglstein und Marcus König wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und verwiesen dabei, dass das „Wühlen im Müll menschenunwürdig“ sei.

Vogel verteidigte seine Ablehnung des Mülleimerumbaus damit, dass auch die Flaschen- und Dosensammler selbst, keinen Wert auf solche Vorrichtungen legen würden. Der Bürgermeister berief sich dabei auf ein Gespräch mit Mitarbeitern des Fachdiensts vom Sozialamt. „Die Vorstellung, dass das Flaschensammeln menschenunwürdig ist, teilen die Betroffenen nicht“, so Vogel. Offenbar sei der Flaschensammlermarkt gut aufgeteilt und die Akteure würden sich gegenseitig keine Konkurrenz machen, weil es abgesprochene Bereiche gibt. „Da geht es nicht um die Würde. Wir würden ihnen die Grundlagen des Geschäfts entziehen“, sagte Vogel.

Da greifen selbst Anzugträger zu

Durch die Einführung von Pfandringen befürchten die Pfandsammler, dass es mehr Konkurrenz gibt, weil die Entnahmemöglichkeit der Pfandflaschen leichter wird. Vogel konnte die Einschätzung in einem Selbstversuch bestätigen: „Sie glauben doch gar nicht, wer alles Pfandflaschen mitnimmt, wenn sie nicht im Papierkorb stecken.“ Da würden selbst Anzugträger zugreifen. Von oben herab möchte er deshalb keine Pfandringe anordnen.

„Ich möchte nicht gegen die Betroffen, die keine Pfandringe wollen, agieren“, sagte Vogel. Der Grüne-Fraktionsvorsitzende Achim Mletzko staunte jedenfalls über die Akribie der Sör-Mitarbeiter, mit der sie auflisteten, warum etwas nicht geht. „Wir wollen etwas Gutes tun, greifen dabei in ein soziales System ein, das funktioniert. Es kommen die Pfandflaschen aus dem Müll heraus und einige Menschen haben ein paar Euro mehr“, sagte Mletzko. Mit unserer guten Absicht würden wir das Gegenteil erreichen. „Mit Pfandringen macht man keine Sozialpolitik“, sagte der Pirat Michael Bengl.

Am Ende einigten sich die Stadträte darauf, dass bei der Anschaffung neuer Mülleimer für die Innenstadt das Problem noch einmal angegangen wird. „Vielleicht gibt es dann neue Lösungen“, sagte SPD-Stadträtin Ilka Soldner. Die Sör-Mitarbeiter sollen jedenfalls die Augen offenhalten, was sich zu diesem Thema in anderen Städten tut. Das Problem, ob das Sammeln von Pfandflaschen im Müll menschenunwürdig ist, lässt aber nicht in anderen Städten abschauen. Vielleicht muss man es einfach hinnehmen.

André Fischer (Nürnberger Zeitung)

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