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Flockes Geschwister kommen erst im März raus

Der junge Eisbärennachwuchs in Nürnberg soll ohne Medien-Hype aufwachsen - 19.01.2011 11:59 Uhr

"Flocke war ja eher eine Mutter-Kind-Tragödie", sagt die Pressesprecherin der Stadt Nürnberg, Alexandra Foghammar. Schließlich wurde die kleine Eisbärin im Alter von vier Wochen von ihrer Mutter Vera aus der Wurfhöhle getragen und musste anschließend mit der Flasche von Pflegern großgezogen werden. Ein Schicksal, das Menschen auf der ganzen Welt berührte und ein großes internationales Medieninteresse hervorrief.

Vor vier Jahren brachte Vera die kleine Flocke zu Welt. Später wurde das Jungtier mit der Hand aufgezogen. © dpa


Kaum Stoff für großes Kino

Bis heute hat sich diese Begeisterung nicht ganz gelegt, und noch immer gibt es Flocke-Fanclubs, die die mittlerweile drei Jahre alte Eisbärin in ihrem neuen Zuhause im französischen Antibes an der Côte d' Azur besuchen und Videos und Bilder davon in ihre Internetblogs stellen. Doch der neue Eisbären-Nachwuchs bietet bisher kaum Stoff für großes Kino: Nachdem Flockes Mutter Vera vor zwei Jahre erneut Pech mit der eigenen Aufzucht hatte und ihr damaliger Wurf im Alter von zweieinhalb und drei Wochen an einem Parasitenbefall starb, scheint diesmal endlich alles gut zu laufen: Die Eisbären, deren Geschlecht noch nicht bekannt ist, werden von Mutter Vera gut versorgt und scheinen prächtig zu gedeihen

"Wir sind sehr daran interessiert, dass die Tiere ihren Nachwuchs selbst großziehen", sagt Tiergarten-Sprecherin Nicola Mögel. Dass der dritte Versuch nun so wunderbar klappe, sei vor allem für Vera eine Bereicherung und erhöhe ihre Lebensqualität. Und schließlich sei es das, was sich ein Tiergarten für seine Tiere wirklich wünsche. Entsprechend lässt es der Zoo ruhig angehen: Die Geburt der kleinen Eisbären wurde bisher nur über Pressemitteilungen kommuniziert.

Zwei neue Klimabotschafter?

Auf Pressekonferenzen mit kaum zu erkennenden Live-Bildern der Kamera in der Wurfhöhle wird diesmal ganz verzichtet. Und erst wenn Vera ihre Jungtiere ins Freie lässt, will sie der Zoo auch Medien und Öffentlichkeit vorstellen. Und das dürfte bis mindestens März dauern. "Das Interesse an Eisbären kann nicht groß genug sein", fasst der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau zusammen. Insofern begrüße er den Nachwuchs natürlich und freue sich, dass bisher alles gut ging. Auf einen neuen Rummel wie bei Flocke könne er indes gut verzichten. "Ich hab da rückblickend gemischte Gefühle", erzählt er.

So sei es zwar schön gewesen, dass so viele Besucher extra wegen Flocke in den Zoo gekommen seien. Gleichwohl hätten sich die Menschen aber leider vor allem für das putzige Äußere des weißen Wollknäuels interessiert und nicht für die Lebensumstände und Nöte der Eisbären. "Flockes Bilder wurden so häufig heruntergeladen, darüber würden sich Heidi Klum und Angela Merkel freuen", scherzt er. Informationen zum Thema Klimaschutz oder zur Biologie von Eisbären seien indes so gut wie gar nicht abgefragt worden. "Damit habe ich meine liebe Not", gibt Mägdefrau zu. Auch der für den Tiergarten zuständige zweite Bürgermeister von Nürnberg, Horst Förther, zieht eine gemischte Bilanz des Flocke-Hypes: "Der finanzielle Nutzen war gut für uns", erzählt er.

Das Drumherum habe aber bisweilen viele Nerven gekostet. Nicht nur deshalb hoffe er, dass der neue Nachwuchs unter natürlichen Umständen aufwachsen dürfe. Zudem sei er enttäuscht darüber, dass Flocke nicht wie geplant als Botschafterin für den Klimaschutz wahrgenommen wurde. "Das wurde einfach nicht angenommen", kritisiert er. "Aber vielleicht haben wir ja jetzt bald zwei neue Klimabotschafter."

Brigitte Caspary

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