Montag, 30.03.2020

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Folge des Klimawandels? Nürnberger Weiher trocknet aus

Spaziergänger schlagen Alarm - Bei Sör läuft bereits eine Untersuchung - 15.01.2020 05:15 Uhr

An eine große Pfütze erinnert der Rest des östlichen Teils des Marienbergweihers – nebenan breiten sich Gräser und kleinere Gehölze aus. © Foto: Jo Seuß


Es war immer wieder ein Auf und Ab beim Wasserstand des Marienbergweihers. Da das Gewässer keinen Zufluss hat und folglich nur von Grundwasser und Niederschlägen gespeist wird, schrumpfte es nach längeren Trockenperioden regelmäßig zusammen. Im Spätherbst war der Weiher aber spätestens wieder voll – und nach Frostperioden flitzten Wintersportler gern auf dem Eis herum.


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Um 1998 gab es erstmals SOS-Rufe, als der Bau der U-Bahnröhre zum Flughafen in Verbindung mit einer Absenkung des Grundwasserspiegels den Marienbergweiher austrocknen ließ. Nach der Beendigung der Arbeiten füllte er sich im Frühjahr 1999 wieder – alles schien im Lot.

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Doch gut 20 Jahre später reiben sich immer mehr Spaziergänger und Anwohner des Volksparks Marienberg die Augen. Vergeblich haben sie im Herbst darauf gewartet, dass sich der Weiher mit Wasser füllt. Werner Stark beobachtet das Austrocknen ebenso mit Sorge wie Sandra Dörner, die den Weiher "ganzjährig als sozialen Treffpunkt" sehr schätzt.

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In Dörners Augen ist das Gewässer schon seit längerem "in einem ungepflegten und trostlosen Zustand", nun würde es aber "zusehends verlanden und seiner eigentlichen Funktion nicht mehr gerecht werden".


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Unübersehbar ist inzwischen das Ufer an vielen Stellen zugewuchert, während sich Gräser an den matschigen Stellen breitgemacht haben. "Dringenden Handlungsbedarf" sehen Dörner und ihre Unterstützer(innen), die bereits Unterschriften gesammelt haben. Listen mit 300 Namen wurden vor kurzem an Bürgermeister Christian Vogel übergeben.

Zuerst Grundlagen ermitteln

"Der Marienbergweiher wird in unseren Überlegungen für die Zukunft eine wichtige Rolle spielen", sagt Vogel auf Anfrage des Stadtanzeigers. Der Sör-Werkleiter, der in Ziegelstein wohnt, hat die Veränderungen selbst bei Spaziergängen beobachtet. Im vergangenen Jahr habe er bereits seine Behörde beauftragt, "für diesen Bereich perspektivisch ein mögliches Entwicklungsprogramm zu erarbeiten". Da dies nicht von heute auf morgen gehe, sei als erster Schritt eine Grundlagenermittlung erforderlich. Im Anschluss könne erst eine "Ziel-Formulierung" folgen.

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Nach den bisherigen Erkenntnissen steht für Vogel fest: Da der Weiher im Marienbergpark ein "Himmelsweiher" ist, liege es "in der Natur der Sache, dass bei längeren Hitze- und Trockenperioden der Wasserstand zurückgeht. Durch die extrem heißen und trockenen Sommer in den letzten Jahren und die darauf folgenden niederschlagsarmen Winter hat sich die Situation leider verschärft."


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Nach den vom Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern vermeldeten Daten weist die Grundwassermessstelle an der Pegnitz in Nürnberg aktuell "einen neuen Niedrigstwert" auf. Daraus sei zu schließen, dass die Lage beim Marienberg ähnlich prekär ist.

Kurzfristige Gegenmaßnahmen in der Form, dass der Weiher mit Wasser aufgefüllt wird, seien nicht möglich, "da das zugeführte Wasser aufgrund des niedrigen Grundwasserstands wieder sofort versickern würde". Vogel. "Es wäre wie bei der Badewanne – man kann zwar Wasser nachlaufen lassen, aber wenn der Stöpsel nicht drin ist, bleibt die Wanne nicht voll."

Klar ist, dass Sör die Lage weiter beobachten wird. "Sollte sich die Entwicklung verstetigen, wird man über weitere Maßnahmen nachdenken müssen", so Vogel. Vorab seien aber Grundlagen wie Bodenbeschaffenheit, Grundwasser und eventuell vorhandene Drainagen vor Ort zu ermitteln.

Wie um die Ecke bei den Biotopen, ist auch die Tierwelt von den Veränderungen betroffen: Karpfen und andere Fische, die in den Vorjahren zahlreich im Weiher waren, gibt es laut Vogel nicht mehr. "Sör-Mitarbeiter hatten im Hitzesommer vor zwei Jahren die restlichen Karpfen zusammen mit dem Fischereiverband abgefischt und in einem anderen Gewässer ausgesetzt."

 
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