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Frankenschnellweg: Gegner des Ausbaus machen mobil

Sie wittern eine "Kostenexplosion" - und machen konkrete Vorschläge - 01.03.2020 05:47 Uhr

Die Kritik an dem Großprojekt reißt nicht ab. Die Verzögerungen spielen den Kritikern in die Hände. © Oliver Acker/www.digitale-luftbilder.de


"Wie setzen sich die prognostizierten Kosten zusammen?" "Wie sind die überaus hohen Kostensteigerungen zu erklären?" "Wie viel Geld wurde bereits ausgegeben?" Zum Pressegespräch hatte Hans Luntz vom Nürnberger VCD etliche Fragen mitgebracht, deren Beantwortung die Stadt aus seiner Sicht bislang schuldig bleibt. In der Öffentlichkeit werde stets nur eine Gesamtsumme genannt, zudem gebe es keine plausible Begründung für die "weit über der allgemeinen Preissteigerung liegende Kostenexplosion": War zu Beginn der Planung im Jahr 2005 noch von 143 Millionen Euro die Rede, soll der geplante Ausbau jetzt mit 658 Millionen Euro zu Buche schlagen. Auf Nachfrage habe die Stadt die Kostensteigerungen mit nötigen Planänderungen und neuen Richtlinien begründet, so Luntz. "Es gibt aber keinerlei Auskunft über die Zusammensetzung der Kalkulation."

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Die allerersten Überlegungen für den Bau des Frankenschnellwegs reichen zurück bis Anfang der 1920er Jahre. Doch bis die Autobahn 73 zwischen Suhl und Nürnberg durchgängig befahrbar war, sollte es noch über 80 Jahre dauern - auch, weil der Weiterbau durch Proteste und Klagen immer wieder ins Stocken geriet.


Zudem gehen die Gegner davon aus, dass es bei der aktuellen Summe nicht bleiben wird. Der geplante "grüne Deckel" sei in den Berechnungen noch nicht enthalten, sagt ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger. Die Preissteigerungen der kommenden Jahre mit eingerechnet, geht er sogar von Gesamtkosten in Höhe von einer Milliarde Euro aus. "Selbst mit einem Zuschuss des Freistaates von 85 Prozent kann die Stadt das nicht bezahlen."

"Das lässt sich auch nicht wegrechnen"

Und dabei ist laut Verena Osgyan noch nicht einmal sicher, dass es einen solchen Zuschuss geben wird. Sie habe das als Landtagsabgeordnete noch einmal abgefragt, betont die OB-Kandidatin der Grünen. "Die Antwort war ernüchternd." Laut bayerischem Bauministerium habe die Stadt bisher keinen Förderantrag gestellt, auch eine aktuelle Kostenberechnung liege nicht vor. Bisher gebe es im Haushalt lediglich sogenannte "Verpflichtungsermächtigungen" in Höhe von 340 Millionen Euro. Sprich: Die Deckungslücke für die Stadt liege bei 318 Millionen Euro. "Das lässt sich auch nicht wegrechnen", betont Osgyan. Es gebe keine Zusage für eine dynamische, prozentuale Finanzierung.

Ein Modell auch für Nürnberg? In Mailand stehen die preisgekrönten grünen Hochhaustürme "Bosco Verticale". Die "Guten" wollen den Frankenschnellweg nach diesem Vorbild überbauen. © Foto: Philipp Brandstädter/dpa


Aus Sicht der Gegner ist deshalb klar: Der Ausbau muss gestoppt werden, das Geld sollte in andere Projekte fließen, etwa in die Sanierung maroder U-Bahnhöfe und Brücken. Auch für den Frankenschnellweg gibt es aus Sicht der Beteiligten genügend alternative Ideen. Luntz erinnerte noch einmal an die Pläne der Technischen Hochschule Nürnberg für einen "Frankenboulevard". Bei diesem Konzept kommen die Autos mit weniger Fläche als bisher aus, der zusätzliche Raum könnte von anderen Verkehrsteilnehmern genutzt werden oder wäre frei für Wohnungen, Gewerbe und Parkanlagen.


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Noch einen Schritt weiter gehen die "Guten", die den Frankenschnellweg nach Mailänder Vorbild mit begrünten Hochhäusern überbauen wollen. Auf den Balkonen des vom Architekten Stefano Boeri entworfenen "Bosco Verticale" wachsen 900 Bäume – das wäre dann, meint Stadtratskandidat Willi Reichel, gleich noch eine "wirkungsvolle Maßnahme gegen die Hitze in der Südstadt". Der Verkehr könne unter
den Häusern hindurchfließen. Billig wäre auch dieses Konzept nicht, doch wären dabei private Investoren gefragt. "Der Verkauf des Baugrunds würde sogar noch Geld in die städtischen Kassen bringen", so Reichel.

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