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Frühlingswetter: Sollte man FFP2-Masken auch im Freien tragen?

In vollen Parks ist es schwer, den nötigen Abstand zu halten - 26.02.2021 05:55 Uhr

Auch am Wöhrder See genossen viele Nürnberger die ersten frühlingshaften Momente.

20.02.2021 © Eduard Weigert


Der Februar hat es in diesem Jahr in sich - und mobilisiert die Massen. Vor knapp zwei Wochen noch sah man zahlreiche Langläufer im Marienbergpark. Unzählige Kinder - und manch hochmotivierte Eltern - sausten mit ihren Schlitten die Hänge hinunter. Am vergangenen Wochenende nun zeigte sich bereits der Frühling von seiner besten Seite. Von Schnee keine Spur mehr. Dafür eroberten Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer den Park. Familien machten es sich am Spielplatz gemütlich.


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Die frühlingshaften Temperaturen lassen den einen oder anderen schnell vergessen, dass wir uns noch immer inmitten einer Pandemie befinden und Abstand zu den Mitmenschen zu den obersten Geboten zählt. Andere wiederum tragen als Vorsichtsmaßnahme auch im Freien eine FFP2-Maske, was in den meisten Fällen gar nicht verordnet ist.

Klar ist: Experten sind sich schon lange einig, dass die Gefahr einer Corona-Infektion in Innenräumen deutlich höher ist als an der frischen Luft. Manche ziehen sich aber auch dort ihre FFP2-Maske über Mund und Nase, wohl aus Angst, in eine sogenannte Aerosol-Wolke zu geraten. Diese bildet sich durch das Ausatmen vor dem Mund und kann bei Infizierten Coronaviren enthalten.

Teilchen in der Luft

Wenn Menschen miteinander reden, werden Aerosole - eine feines Gemisch aus flüssigen und festen Teilchen in einer Größe von weniger als fünf Tausendstel Millimetern - dem Gesprächspartner sozusagen ins Gesicht gepustet. In ungelüfteten Zimmern können sich Viren sammeln, im Freien wird die ausgeatmete Luft aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln mitteilt.

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Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, hält eine kurze Begegnung mit Menschen an der frischen Luft für ungefährlich. Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus, sagte der Berater der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA jüngst dem Deutschlandfunk Kultur: "Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich."

Vorsicht in Gruppen

Auch die GAeF gibt in ihrem Positionspapier Entwarnung: "Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt." Vorsicht sei allerdings in Gruppen geboten, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden – zum Beispiel bei längeren Unterhaltungen. Für das Robert Koch-Institut (RKI) gelten Menschen, die auch im Freien ohne jeglichen Schutz länger als 15 Minuten und mit weniger als 1,5 Meter Abstand mit einem Infizierten zusammenstehen, bisher als Kontaktpersonen mit "höherem Infektionsrisiko".

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Sollte man im Freien also doch eine Mund-Nase-Bedeckung aufsetzen? "In Bereichen mit vielen Menschen auf eher engerem Raum mit wenig Bewegung - zum Beispiel sitzende Eltern am Spielplatzrand - sowie in Fußgängerzonen in Innenstädten ist das Tragen von Masken sinnvoll", rät Britta Walthelm. Gleichzeitig verweist Nürnbergs Gesundheitsreferentin darauf, dass die derzeit verbreiteten FFP2-Masken ohne Ausatemventil laut Empfehlung maximal 75 Minuten getragen werden sollen, bevor eine Erholungsdauer von 30 Minuten nötig sei. Das liege daran, "dass die FFP2-Masken ziemlich dicht sind - dadurch entsteht ja die Schutzwirkung - und einen gewissen Atemwiderstand ausüben".

Masken werden zu selten gewechselt

Viele Menschen, so ist nicht nur Walthelms Eindruck, tragen die Masken im Alltag oft mehrfach, sogar an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen. Verwendet man den Mund-Nase-Schutz zu lange, vermindert die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken. Die GAeF warnt daher, dass das Material seine elektrische Ladung mit der Zeit verliert. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden."


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Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern besteht zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Grundsätzlich sollten FFP2-Masken aus Sicht der Hersteller nicht wiederverwendet werden. Laut Experten der Fachhochschule Münster, die seit Monaten diese Modelle untersuchen, lassen sich aber auch durch Atemluft durchfeuchtete Masken bis zu fünf Mal aufbereiten, indem man sie etwa mindestens eine Woche lang an der Luft trocknet.

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