Für Willy Brandt stand schon halb Nürnberg Schlange

13.12.2013, 12:32 Uhr
Am 13. August 1961 begannen DDR-Arbeiter mit dem Bau der Berliner Mauer. Der Regierende  Bürgermeister der Stadt und SPD-Kanzlerkandidat befand sich an diesem Tag in  Nürnberg beim Deutschlandtreffen der SPD. Die  Nürnberger bereiteten Willy Brandt einen begeisterten Empfang: "Kaum konnten die  Ordner dem Regierenden Bürgermeister nach seiner Rede eine Gasse durch die  Menschenmenge bahnen. Viele jubeln ihm zu: 'Willy, Willy!', und zahlreiche  Hände streckten sich ihm entgegen, und die Kameraverschlüsse der Amateure  klickten ununterbrochen. Hinter Willy Brandt, selbst in die Kette der  schützenden Hände eingeordnet, Stadtrat Albert Bleistein, der für die  Organisation des Treffens verantwortlich war", schrieben die Nürnberger  Nachrichten unter dieses Bild.
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1961: Am Tag des Mauerbaus in Nürnberg

© Friedl Ulrich

Der Blick aus der Totale zeigte: Der Hauptmarkt war so voll wie bei keiner  politischen Kundgebung in der Nachkriegszeit. Während der Rede von  Willy Brandt füllten 5500 Nürnberger den weiten Platz.
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1961: 5500 Menschen auf dem Hauptmarkt

© Friedl Ulrich

Tumultartige Szenen spielten sich auch am Abend im Goldenen Saal des Kulturvereins ab:  "Unter dem Andrang von mehr als 400 Frauen, die „Kaffeestunde bei Willy Brandt“  halten wollten. Kaum aber hatte sich der prominente Gast niedergelassen, da  stürmten auch schon seine autogrammwütigen Anhängerinnen von allen Seiten in so  beängstigendem Gedränge auf ihn zu, daß Käte Strobel schließlich durchs  Mikrophon beschwichtigen mußte: „Kinder, seid doch vernünftig! Macht doch den  Mann nicht völlig kaputt!“, hieß es in den Nürnberger Nachrichten.
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1961: 400 Frauen bedrängen Willy Brandt

© Eva Slevogt

Bei der Bundestagswahl am 3. Oktober 1965 hatte die SPD noch einmal deutlich an  Stimmen gewonnen. Rund einen Monat später, am 7. November 1965, besuchte Spitzenkandidat Willy Brandt Nürnberg. Er sprach im Kulturverein vor dem  Bezirksvorstand der SPD. Unser Bild  zeigt ihn mit Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter (links) und Bürgermeister Franz Haas in angeregter Unterhaltung.
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1965: Plausch im Kulturverein

© Horst Eißner

Zum Parteitag der SPD 1968 in Nürnberg reiste Brandt als Außenminister der  Bundesrepublik Deutschland an. Ein roter Staatsbesucher im schwarzen Bayern,  gewissermaßen. Hier begrüßt Ministerpräsident Alfons Goppel (links) die  sozaldemokrischen Minister Brandt und Wirtschaftsminister Prof. Karl Schiller  (rechts) auf der Kaiserburg. Der weitere Verlauf des Tages war allerdings weniger  harmonisch...
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1968: Empfang auf der Kaiserburg

© Gertrud Gerardi

Der linke Flügel der Sozialdemokraten machte seinem Unmut über die Große  Koalition Luft. Vor der Meistersingerhalle demonstrierten Jusos gegen  Notstandsgesetze und Vietnamkrieg, für Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und  mehr Mitbestimmung.
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1968: Die SPD-Linke rebelliert

© Archiv der Nürnberger Nachrichten

Willy Brandt bahnte sich den Weg durch die Menge, in dem wüsten Geschubse traf  ihn ein Regenschirm. Im Laufe des Parteitags pokerten Helmut  Schmidt und Herbert Wehner zu hoch, als sie nachträglich den Eintritt der SPD  in die Große Koalition mit der Union absegnen lassen wollten. Ein Jahr später  war das Bündnis mit der Union Geschichte.
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1968: Ein Parteitag macht Geschichte

© Archiv der Nürnberger Nachrichten

Bei seinem Nürnberger Aufenthalt im Oktober 1971 besuchte der Bundeskanzler die  Redaktion der Nürnberger Nachrichten. Herausgeber Joseph E. Drexel begrüßt hier Willy Brandt, der sich offenbar sehr über ein Gastgeschenk freut.
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1971: Der Bundeskanzler bei den NN

© Friedl Ulrich

Im Wahlkampf 1982 zog Willy Brandt noch immer. Vor 8000 Menschen auf dem  Hauptmarkt attackierte SPD-Chef den "unsozialen Kurs der neuen  Rechtskoalition", die durch den Wechsel der FDP zur Union Helmut Kohls an die Macht gekommen war.
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1982: Wahlkampf gegen Helmut Kohl

© Wilhelm Bauer

Die 1980er Jahre standen im Zeichen der Friedensbewegung. Der Protest gegen die  sogenannte Nato-Nachrüstung spaltete die Bundesrepublik. Beim Friedensforum in  der Frankenhalle traten Willy Brandt und der Musiker Udo Lindenberg gemeinsam  auf die Bühne.
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1985: Mit Udo L. gegen Pershings

© Herbert Voll

Auch heute lieben viele Nürnberger "ihren Willy". Ganz und gar nicht  in staatstragender Pose, sondern als ein Mensch unter Menschen  sitzt er in Bronze auf dem Willy-Brandt-Platz. Mit einer Zigarrette in der Hand  schaut er in den Himmel, hat manchmal ein Blume hinter dem Ohr, einen  Regenschirm im Arm oder einen roten Strickpulli an.
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Heute: Entspannt mit Zigarrette

© Michael Matejka