Fürths Entree auf dem Abstellgleis

30.3.2008, 00:00 Uhr
Fürth hat sich als Zielstation der ersten deutschen Zugverbindung in die Eisenbahngeschichte eingetragen. Schon mit Rücksicht auf diese Historie verdient die Stadt einen besonders sensiblen Umgang mit dem Kapitel Bahn. Davon kann allerdings keine Rede sein...

Fürth hat sich als Zielstation der ersten deutschen Zugverbindung in die Eisenbahngeschichte eingetragen. Schon mit Rücksicht auf diese Historie verdient die Stadt einen besonders sensiblen Umgang mit dem Kapitel Bahn. Davon kann allerdings keine Rede sein...

Vielmehr wurden die Fürther beim Ausbau des Schienenverkehrs immer wieder geschnitten. Auch das jüngste Kapitel fügt sich nahtlos in diese Tradition. Die Bahn, die bereits zahllose kleinere Stationsgebäude auf dem flachen Land abgestoßen hat,  sucht nun auch für das historische Fürther Hauptbahnhofsgebäude einen Investor. Seit zwei Jahrzehnten ist das 145 Jahre alte Gemäuer nicht mehr renoviert worden. Entsprechend heruntergekommen sieht es aus. Obendrein  soll das Ensemble bei Ausbau der S-Bahn amputiert werden: Der breite Hausbahnsteig soll dem S-Bahn-Gleis weichen.

Damit und mit der geplanten Nutzungsänderung des Gebäudes würde der Charakter des Hauptbahnhofs gravierend verändert. In der Denkmalstadt Fürth müssten eigentlich die Alarmglocken schrillen, doch nichts dergleichen passiert. Im Rathaus herrscht das Prinzip Hoffnung, obwohl kein Grund dafür vorhanden ist.

 Schon wie die Bahn mit ihrem ältesten Baudenkmal umgeht, dem historischen Lokschuppen hinter dem U-Bahnhof Stadtgrenze, lässt vermuten, dass auch  auf den Hauptbahnhof  keine Rücksicht genommen wird. Trotz wiederholter Aufforderung  wird nicht einmal das desolate Dach des Lokschuppens notdürftig abgedichtet. Dieser skandalöse Umgang mit einem ausgewiesenen Kulturgut ist ein Trauerspiel. Nur: Während der abgelegene Lokschuppen den Blicken der Passanten entzogen ist, bildet der Hauptbahnhof ein regelrechtes Entree.

 Die Kommune muss im eigenen Interesse alle Energien darauf verwenden, dass der Hauptbahnhof einer sinnvollen Nutzung zugeführt und  sorgsam instand gehalten wird. Der Abriss des historischen Ludwigsbahnhofs für ein Aufmarschgelände (Fürther Freiheit) sollte  ebenso eine Lehre sein wie auch Fürths Abkopplung beim Ausbau der überregionalen Bahnverbindung. Das Streichen von ICE-Stops passt in dieses Schema, aber auch der Umstand, dass bei der Streckenführung der S-Bahn auf Fürther Wünsche keine Rücksicht genommen wird.

Wertvolle Argumentationshilfe hat die Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland mit einem Alternativvorschlag für den S-Bahn-Bau geliefert, der ab Fürth Hauptbahnhof ohne zusätzliche Gleise auskommt. Eine Menge Konfliktpotenzial ließe sich so aus der Welt schaffen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Bau des längst geplanten Güterzugtunnels zwischen Kronach und Nürnberg in Angriff genommen wird, damit die Frachtzüge Platz machen können. Das Bahnhofsgebäude wiederum empfiehlt sich auch als kulturelles Aushängeschild - war eine museale Nutzung doch schon zum Stadtjubiläum 2007 im Gespräch. Im Juni kann es bei der Kunstaktion containART fürth zeigen, was in ihm steckt. Die Stadt darf die Entwicklung dieser prominenten Adresse nicht dem Zufall überlassen. VOLKER DITTMAR