Samstag, 14.12.2019

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Fürths neues Vorzeigeprojekt

Einkaufszentrum an der Rudolf-Breitscheid-Straße soll der Innenstadt Leben einhauchen - 26.02.2011 19:43 Uhr

An Stelle des markanten Park-Hotels und angrenzender Areale soll ein Einkaufszentrum entstehen. © Winckler


Man mag das kaum glauben, denn jahrelang ging es bergab, verpufften alle Bemühungen, den Trend umzukehren, mehr Angebot und mehr Attraktivität zwischen Rathaus und Fürther Freiheit zu schaffen. Zuletzt war das ehrgeizige Vorhaben des portugiesischen Investors Sonae Sierra gescheitert, eine moderne Shopping Mall ins Zentrum der Stadt zu implantieren.

Doch genau an diesem Punkt setzt die Kommune nun neu an; denn ein Gutes hatten die Sonae-Sierra-Pläne: Sie öffneten erst die Augen dafür, dass an dieser prominenten Stelle, links und rechts der Rudolf-Breitscheid-Straße, überhaupt ein Einkaufsschwerpunkt geschaffen werden kann.

Der Plan: Das im Herbst geschlossene Park-Hotel, vis-à-vis der Freiheit gelegen, das angrenzende, seit Jahren leerstehende Modehaus Fiedler und das gegenüberliegende, frühere Areal einer Großbäckerei werden als zusammenhängender Komplex entwickelt, in den etliche dringend benötigte Geschäfte einziehen können – auf großzügige Flächen, an denen es bis dato eklatant mangelte.

Ein ohnehin kühnes Unterfangen, das noch kühner wird, weil die Stadt selbst das Kommando übernimmt: Alle drei fraglichen Grundstücke hat sie inzwischen erworben, in den nächsten drei Monaten wird ein passender Investor ausgewählt, an den man weiterverkauft und der den Traum von neuer Einkaufsqualität in die Tat umsetzen soll. Die Resonanz einschlägiger Firmen auf die Ausschreibung war beachtlich, denn Fürth gilt als Markt mit gehörigem Kundenpotenzial, das bis dato aber notgedrungen in Nachbarstädte ausweicht.

Präzise Vorgaben

Die Kleeblattstadt hat bei der Planung alle Trümpfe in der Hand, macht präzise Vorgaben hinsichtlich Verkaufsfläche (maximal 15000 Quadratmeter), Inhalten (mindestens 50 Prozent aus dem Sektor Bekleidung/Schuhe) und baulicher Gestaltung, die sich an den Proportionen der Innenstadt orientieren muss.

All das ist clever eingefädelt und wird abgerundet durch ein taktisch geschicktes Manöver: Die Stadtspitze nahm eine Bürgerinitiative, die sich vor zwei Jahren vehement gegen die in ihren Augen monströsen Pläne von Sonae Sierra gewandt hatte, mit ins Boot; die meisten der – sinnvollen — Forderungen aus den Reihen der BI wurden ins Anforderungsprofil für den Bauherren übernommen.

Ein Projekt mit Vorbildcharakter ist auf diese Weise in greifbare Nähe gerückt: ein „demokratisches“ Einkaufszentrum mitten in der Stadt, weitgehend gesteuert durch Kommune und Bürgerwillen – und doch bezahlt und betrieben von privater Hand. Fürth, so viel dürfte feststehen, kann damit Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus erregen.

WOLFGANG HÄNDEL

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