Donnerstag, 17.10.2019

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Gängelei und Lärm: Braucht Nürnberg einen Nacht-Manager?

Stadt wünscht sich Ansprechpartner aus der Club-Szene - 28.09.2018 05:49 Uhr

Wenn die Nürnberger Party machen, geht das nicht immer ohne Ärger über die Bühne. Nun wird diskutiert, ob ein Nacht-Manager sich den den Belangen von Anwohnern und Gastronomen annehmen soll? © Giulia Iannicelli


Es ist schon etwas her, da schlugen die Wellen hoch: Nachdem die Polizei den Club "Waschsalon" stundenlang mit einer Drogenrazzia lahmgelegt hatte, brach sich der Ärger Bahn. Club-Betreiber, vor allem aus der Techno- und Elektroszene, klagten über Kriminalisierung und Gängelung durchs Ordnungsamt. Das wehrte sich mit der Aussage, wo Straftaten passierten, müsse man einschreiten.

Das war vor eineinhalb Jahren — im Alltag ringen Gastronomen und Verwaltung oft um die Lösung kleinerer Probleme. Die Lockerung der Sperrzeit, das Rauchverbot in Gaststätten und die Folgen von zu viel Alkohol hätten die Konflikte zum Teil verschärft, so Ordnungsamtschefin Katrin Kurr in einem Bericht für die Stadträte im Rechts- und Wirtschaftsausschuss. Immer wieder kollidieren die Interessen von Nachtschwärmern mit dem Ruhebedürfnis der Anwohner – zum Beispiel im Klingenhof-Areal oder in der Klaragasse in der Altstadt, wohin sich das Nachtleben in den vergangenen Jahren verlagert hat.

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Kurr betonte, dass die Stadt seit langem und quasi pausenlos versuche, einen "einvernehmlichen Dialog" zu führen, um alle Interessen einigermaßen unter einen Hut zu bekommen. Gottlob habe man bisher verhindern können, dass es einzelnen Anwohnern gelungen sei, eine ganze Gastro-Szene zu stürzen, fuhr sie fort. Sie erinnerte auch an den runden Tisch "Nachtbar und Nachbar", an dem (wenige) Club-Betreiber, Verwaltung und Anwohner zusammenkommen. Kurr: "Aber das reicht aus unserer Sicht nicht."

Die Stadtverwaltung wünscht sich einen Ansprechpartner, "der große Teile der Gastronomie vertritt". Einen Ansprechpartner analog der "Clubcommission" in Berlin, die dort als Interessenvertretung für die Berliner Club- und Partyszene auftritt. "Das wäre aus unserer Sicht wünschenswert", sagte auch Christine Schüßler, Chefin des Bürgermeisteramts. In der Verwaltung selbst denkt man derweil über eine Art City-Manager fürs Nachtleben nach. "Es wäre gut, wenn es so etwas für die Nachtökonomie gäbe", so Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU).

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Denn das Nachtleben ist unbestritten "ein Wirtschaftsfaktor in der Stadt", wie Thorsten Brehm einwarf, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Die Datenlage dazu scheint allerdings dünn zu sein. Jedenfalls finden sich kaum Zahlen im Bericht zur Nachtökonomie für die Stadträte.

Die SPD hat den jetzt präsentierten Bericht schon vor zweieinhalb Jahren beantragt. Britta Walthelm, Vizechefin der grünen Stadtratsfraktion, reagierte enttäuscht. "Die Vorlage hat lange gedauert und beschreibt nur den Ist-Zustand. Ich hätte mir mehr erwartet."

Sabine Stoll E-Mail

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