Gänse am Wöhrder See: Abschuss-Pläne sorgen für Entsetzen

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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26.7.2018, 15:47 Uhr
Es sind Bilder wie diese, die die Stadt zu drastischen Maßnahmen treiben.

© Eduard Weigert Es sind Bilder wie diese, die die Stadt zu drastischen Maßnahmen treiben.

Sie sind ein Ärgernis, keine Frage. Seit Jahren kämpft die Stadt Nürnberg gegen den Gänsekot am Wöhrder See. An schlechten Tagen ist die Norikusbucht gepflastert mit Tretminen, erst vor gut zwei Jahren wurde das Areal für viel Geld aufgehübscht. Urlaubsgefühle kommen, das sagen viele Nürnberger, aber wegen des Kots selten auf. 

Jetzt packt die Stadt Nürnberg die Keule - oder vielmehr: das Gewehr - aus. "Die eine oder andere Gans", werde zum Abschuss freigegeben, sagte Christian Vogel (SPD) erst kürzlich. "Das wird keine Massensache", beteuert der Bürgermeister und gibt die Verantwortung in die Hände der zuständigen Jäger. Sie alleine sollen entscheiden, wie viele Gänse getötet werden. Den Abschuss freigegeben hat die sogenannte "Task Force" Gänsekot. In ihr sitzen Vertreter des Servicebetriebs Öffentlicher Raum sowie des Ordnungs-, Umwelt- und staatlichen Wasserwirtschaftsamtes. 

Petition hat bereits 2000 Unterstützer

Doch es regt sich Kritik. Eine Petition auf der Plattform change.org, die von der Tierliebhaberin Jasmin Scholz vor drei Wochen gestartet wurde, hat bereits jetzt fast 2000 Unterstützer. Jetzt meldet sich auch der Nürnberger Tierschutzverein zu Wort. Von den Plänen, das betonen die Verantwortlichen, habe man erst über den Artikel in den Nürnberger Nachrichten erfahren. "Mit Entsetzen", heißt es in einer Stellungnahme, habe man das zu Kenntnis genommen. 

"Es kann nicht sein, das mal wieder Tiere darunter leiden müssen und die Gänse zum Abschuss freigegeben werden, ohne dass man andere Möglichkeit ausprobiert hat", sagt Marcus König, der Vorstand des Tierschutzvereins. Er sitzt auch für die CSU im Nürnberger Stadtrat. "Das Problem ist wie so oft der Mensch - ein Fütterungsverbot und das Anbieten einer alternativen Futterstelle wird die Gänse vermutlich dazu bewegen, sich einen anderen Platz am Wöhrder See zu suchen." 

"Schnelle Lösung ist die schlechteste" 

Eine drastische Maßnahme wie der eben jetzt geplante Abschuss sei nicht notwendig, zumindest müsse die Stadt erst auf Alternativen bauen, sagt der Tierschutzverein, der auch das Nürnberger Tierheim betreibt. "Die vermeintlich schnelle Lösung ist die schlechteste Lösung!", sagt König. Der Abschuss, sind sich die Experten sicher, bewirke gar nichts. Deshalb müsse Bürgermeister Christian Vogel seine Entscheidung revidieren. "Fangen Sie an, das Fütterungsverbot durchzusetzen", so der klare Appell an die Stadtspitze. 

Auch der Stadtjäger Gert Hügel ist skeptisch. Er glaubt nicht an einen Erfolg der Aktion. "Es werden nicht die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte er in den Nürnberger Nachrichten. Auch Hügel ist für ein striktes Fütterungsverbot und dichte Kontrollen der Stadt. Den Vögeln gehe es dort prächtig, auch weil sie in Massen gefüttert werden - "da können auch Jäger keine Wunder bewirken".

Vogel selbst begründet die Entscheidung für den Abschuss auch mit gesundheitlichen Bedenken. Ihm liege das Wohl der Tiere am Herzen, betont er, "aber wichtiger ist das Menschenwohl." Die Stadt ließ in einem Erlanger Labor den Kot untersuchen. Experten dort stellten fest: Bakterien seien natürlich vorhanden - aber eben keine, die für den Menschen wirklich gefährlich sind. "Es gibt keine Notwendigkeit, die Gänse wegen einer gesundheitlichen Gefährdung für den Menschen abzuschießen", sagt Vogel. Dennoch entscheidet sich die "Task Force" jetzt für den Teilabschuss der rund 100 Gänse, die allein am Unteren Wöhrder See leben. 

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