Selbstverteidigung

Gehörlose Frauen kämpfen im Nürnberger Film "Macho Man 3"

12.9.2021, 08:29 Uhr
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In "Macho Man 3" wird eine Selbstverteidigungsszene mit gehörlosen Frauen gezeigt. Regisseur Davide Grisolia (links vorne) mit Filmteam und Schauspielerinnen (vorne), Gebärden-Dolmetscherin Judith Nothdurft (2. Reihe, 3. v.li.) und den gehörlosen Frauen. © Althof

Toughe Frauen bei "Macho Man 3": In der zweiten Fortsetzung des Nürnberger Trash-Streifens aus den 80ern mit Peter Althof wird auch ein Selbstverteidigungskurs mit gehörlosen Frauen gezeigt. Gedreht wurde kürzlich im Boxstudio des Nürnberger Bodyguards. Mit Judith Nothdurft, Dozentin und Beraterin für die Kommunikation mit Gehörlosen oder Schwerhörenden, führt er seit 2014 regelmäßig Selbstverteidigungskurse durch.

Die Stimme trainieren

Nothdurft, die selbst einen gehörlosen und einen schwerhörigen Sohn hat, erklärt, was die besondere Schwierigkeit bei einem Angriff für gehörlose Frauen ist. "Zum einen merkt man nicht, wenn man verfolgt wird. Man kann schwerer zuordnen, aus welcher Richtung der Angreifer kommt." Und kann dementsprechend erst später reagieren.


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Um Hilfe zu rufen ist außerdem ein Problem: "Denn die Stimmer ist ja meistens nicht im Einsatz. Was ist laut für einen Gehörlosen?" In den Kursen, die einmal im Jahr stattfinden, lernen die Frauen deshalb erst einmal das laute Schreien. Für Gehörlose wie Hörende gilt dabei übrigens: Statt "Hilfe" sollte man besser "Feuer" rufen. Das führt zu mehr Aufmerksamkeit, erklärt Nothdurft.

In den Trainings, die wegen Corona dieses und letztes Jahr pausieren mussten, üben die Frauen auch, kräftige Faustschläge rechts und links zu setzen. Ein Accessoire, das immer helfen kann, etwa auf dem Nachhauseweg, ist der Schlüsselbund: Die einzelnen Schlüssel zwischen die Finger geklemmt, kann er eine gute Notwehrwaffe sein. Beim Pfefferspray ist dagegen Vorsicht geboten. Denn das kann der Angreifer sprichwörtlich im Handumdrehen auch gegen einen selbst einsetzen. "Grundsätzlich sollte man selbstbewusst auftreten und sich nicht wie ein Mäuschen zusammenrollen", sagt Nothdurft.


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Zwei gehörlose Frauen und eine sogenannte "Coda" (Abk. für: Children of deaf adults), eine Hörende, die mit gehörlosen Eltern aufgewachsen ist, waren beim Film dabei. Zwischen ihnen und dem Filmteam dolmetschte Nothdurft in Gebärdensprache. "Es war sehr aufregend für uns alle", sagt sie. Bis zu zehn Mal wurde manche Szene wiederholt, gedreht wurde im Keller des Boxstudios. Sie freut sich schon, wenn der Film unter der Regie des 27-Jährigen Davide Grisolia im Kino zu sehen sein wird. Wenn alles nach Plan läuft, wird er 2022 im Cinecittà Premiere feiern.

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