Gelbe Pferde und ein Plastik-Haus: Die Erfindungen der "iENA"

4.11.2019, 06:00 Uhr
Erfinderin Mariam Vollmar zeigt den

Erfinderin Mariam Vollmar zeigt den "Lucky Loop": einen Buggy, dessen Sitzfläche der eines Pferderückens nachempfunden ist. Die passionierte Reiterin ist überzeugt, dass die Bewegungen nicht nur körperlich gut tun, sondern auch glücklich machen. © Foto: Michael Matejka

Nach neun Tagen ist am Sonntag im Messezentrum Nürnberg die diesjährige Consumenta zu Ende gegangen: Bayerns größte Publikumsmesse lockte in diesem Jahr 169.000 Besucher an, die sowohl die Wochentage als auch das Wochenende nutzen, um die vielfältigen Stände zu erkunden.

Wer sich in den letzten zwei Tagen aus dem Getümmel der Verbrauchermesse nach nebenan verwirrte, der hatte die Gelegenheit, brandneue Erfindungen aus aller Welt anzuschauen: Denn parallel zur Consumenta fand hier die internationale Erfindermesse "iENA" statt.

Bei einem Rundgang zwischen den Ständen ist man umgeben von innovativen Produkten und begeisterten Erfinderköpfen, die ihre Ideen erklären – und warum die Welt genau darauf gewartet hat. Manches mag auf den ersten Blick eher amüsant wirken, zum Beispiel die "Brötchenrutsche", die der Schüler Linus Baur aus dem baden-württembergischen Ertingen vorstellt. Wenn der Bäcker seine Backwaren darauf ablegt, sollen sie ganz von alleine in die mitgebrachte Stofftasche der Kunden gleiten: das Ziel ist es, Papiertüten einzusparen. Warum der Bäcker den Stoffbeutel des Kunden nicht einfach in die Hand nimmt und selbst befüllt? Ganz einfach, das sei aus hygienischen Gründen nicht erlaubt, sagt Linus. Die Brötchenrutsche könnte also Abhilfe schaffen und helfen, Müll zu reduzieren.

Zu 98 Prozent aus Plastikmüll

Den Themen Umweltschutz und Recycling widmen sich viele der ausgestellten Erfindungen. So schlendert der Besucher unter anderem an einem Ferienhaus von einem Erfinder aus dem diesjährigen Messe-Partnerland Kroatien vorbei: Es besteht nur 98 Prozent aus nicht mehr verwertbaren Plastikresten.

Ein wenig weiter den Gang runter steht ein lebensgroßes gelbes Pferd, das die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zieht. Hier stellt Mariam Vollmar ihre Erfindung, den "Lucky Loop", vor. Das Konzept ist einfach erklärt: Sie hat die Bewegungen eines Pferderückens auf eine Sitzfläche übertragen. Warum? Weil die Bewegungen, die Reiter auf ihrem Tier mitmachen, denen es menschlichen Gehens ähnlich seien, erklärt sie. Durch die "liegende Acht" die man beim Reiten mit der Hüfte vollzieht, werde die Wirbelsäule entlastet, eine aufrechte Haltung gefördert und der Rumpf gekräftigt.

Gekommen sei ihr die Idee bei einem Reit-Urlaub mit ihren eigenen Kindern, berichtet Vollmar. "Ich konnte kaum glauben, dass die beiden nach acht Stunden auf dem Pferd jeden Abend so fit und gut drauf waren, wo sie doch sonst nach 15 Minuten stillsitzen auf jedem Stuhl anfangen herumzurutschen." Seit acht Jahren beschäftigt sie sich mit der Idee, auf der "iENA" präsentiert sie nun erstmals einen Prototypen ihres Kinderbuggys. Einige Eltern hätten bereits ihren Nachwuchs probesitzen lassen, erzählt sie zufrieden, ein kleines Mädchen habe gar nicht mehr aufstehen wollen vom simulierten Pferderücken. Nicht nur Kinder sollen jedoch von der Innovation profitieren, sondern auch Erwachsene: ein erstes Modell für einen Bürostuhl mit motorbetriebener Sitzfläche steht ebenso am Stand.

Im Notfall wird geblinkt

Ebenfalls eine Idee, von der möglichst viele Menschen profitieren könnten, findet sich einen Gang weiter in Form der "Smarten Straßenlaterne". Einfallen lassen haben sich diese die Schüler Georgi Parkov und Noah Lindner, beide gerade einmal 15 Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem Technik-Lehrer Stefan Weigele, der die den Erfindergeister seiner Schüler unterstützt, sind sie aus Kressbronn am Bodensee gekommen, um ihre Idee in Nürnberg vorzustellen.

Bei einer Podiumsdiskussion in ihrer Heimatgemeinde sei den Schülern klargeworden, dass sich viele Menschen, vor allem Frauen, nachts auf den Straßen unsicher fühlen. Ihre Idee dagegen: eine per App steuerbare Straßenbeleuchtung, die jeder nach seinen Bedürfnissen anpassen kann. Wenn ich mich unwohl fühle, schalte ich das Licht heller, wenn es neblig ist, gebe ich ihm einen bläulichen Ton. Besonders gut sei auf der Messe ein weiterer Aspekt angekommen: Die Idee, die Straßenlaternen rot aufblinken zu lassen, wenn man in eine Notsituation gerät, um so Autofahrer oder andere Passanten auf sich aufmerksam zu machen.

In Zeiten, in denen nicht nur über Sicherheit, sondern auch über Naturschutz, zum Beispiel in Sachen Lichtverschmutzung, diskutiert wird, scheint die Innovation der beiden Schüler jedenfalls genau zur rechten Zeit zu kommen.

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