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Gelbe Tonnen in Nürnberg: Ärger, Lob und ein Verbot

Die Abfallbehälter dürfen nicht dauerhaft auf öffentlichem Grund stehen - 06.12.2019 12:02 Uhr

Gelbe Säcke in Gelben Tonnen? Das ist auch nicht ganz im Sinne des Erfinders. © Foto: Ute Möller


"Das wird nicht genehmigt werden", so Bürgermeister Christian Vogel (SPD) im für Abfallwirtschaft zuständigen Stadtratsausschuss. Vor allem in der Altstadt stehen in manchen Straßen reihenweise Gelbe Tonnen auf den Gehsteigen, weil in den Häusern oder Hinterhöfen kein Platz ist für eine weitere Mülltonne. Aktuell greift die Stadt aber noch nicht ein. Sie will damit bis ins neue Jahr warten und hofft, dass sich dann alles eingespielt hat.

Reinhard Arndt, der Werkleiter des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs ASN, geht davon aus, dass "wir bis Mitte Januar ein klares Bild haben, was zu viel da ist". Tonnen, die dann noch auf öffentlichem Grund stehen, müssen von der Entsorgungsfirma Hofmann abgeholt werden.

Auch die Mitarbeiter des Kommunalen Außendienstes sollen Hinweise auf Gelbe Tonnen auf öffentlichem Grund liefern. "Auf Gehwegen wird das Abstellen von Mülltonnen nicht dauerhaft genehmigt", stellte Bürgermeister Vogel im Ausschuss klar. In Einzelfällen müsse man aber versuchen, individuelle Lösungen zu finden, ergänzte Umweltreferent Peter Pluschke (Grüne). "Es ist nicht für jeden Haushalt einfach, Gelbe Tonnen unterzubringen." Er nannte als Beispiel den Münzplatz in der Altstadt. Dort gebe es generell ein Platzproblem in Sachen Mülltonnen.

Wo Tonnen gar nicht unterzubringen sind, könne man sich mit den Nachbarn abstimmen, fuhr Pluschke fort. Alternativ könne man den Verpackungsmüll in eigenen Behältern sammeln und selbst zum Wertstoffhof bringen, schlug er vor. Der dort gesammelte Müll geht dann an das Duale System.

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Insgesamt müssen bis Jahresende 80 000 Gelbe Tonnen im Stadtgebiet verteilt sein. Diese lösen den Gelben Sack ab. Dieser hatte immer wieder für Ärger gesorgt, weil er zu früh auf die Straße gestellt wurde und oft gerissen ist, woraufhin sich der Müll verteilt hat (wir berichteten).

Dem ersten Eindruck nach wirken die Gelben Tonnen offenbar schon jetzt wie erhofft. In der Altstadt, wo sie bereits geleert werden (in anderen Stadtteilen ist das erst ab Januar 2020 der Fall), falle weniger Dreck und Müll an, findet Pluschke. Auch Vogel glaubt, dass die Tonnen der richtige Weg sind.

Kritik an Informationspolitik

Das sehen auch die Stadträte so. Sie kritisierten allerdings die Firma Hofmann, die die Tonnen anfangs kommentarlos vor den Häusern abgestellt hat, ohne dass die Anwohner informiert worden wären (wir berichteten). "Das war ein bisschen ruppig", so Otto Heimbucher, umweltpolitischer Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion. Er sprach von "Startschwierigkeiten". Gerhard Groh von der SPD-Fraktion wurde deutlicher: Dass die Firma Hofmann am Anfang, womöglich aus ökonomischen Gründen, das Anschreiben erst einmal weggelassen habe, sei nicht der richtige Weg gewesen. "Ich halte es für eine Frechheit, diese Kosten einzusparen." Denn am Ende bleibe das an der Stadt Nürnberg hängen, sagte er sinngemäß. Die Bürgerinnen und Bürger würden doch denken, die Stadt sei zu doof gewesen, Info-Briefe rauszuschicken.

Quiz: Welcher Müll gehört in welche Tonne?

Frage 1/10:

In welchen Müll gehört ein gebrauchter Pizzakarton?

Die Erklärung: Benutzten Pizzakartons haften in der Regel noch Essensreste und damit auch Fett an. Damit kann der Karton nicht mehr über das Altpapier recycelt werden und muss in den Restmüll.

Frage 2/10:

In welchen Müll gehören Spraydosen mit dem grünen Punkt?

Der Grüne Punkt ist ein geschütztes Zeichen, das für die Teilnahme des Verpackungsherstellers an dualen Sammel- und Verwertungssystemen steht. Hat eine Spraydose das Symbol nicht, dann wäre sie ein Fall für den Sondermüll.

© Manuela Meyer

© Manuela Meyer

Frage 3/10:

In welchen Müll gehört ein benutztes Papiertaschentuch?

Benutzte Papiertaschentücher können nicht mehr recycelt werden, darum scheidet das Altpapier aus. Im Biomüll sollten sie nicht landen, da Krankheitserreger daran haften könnten. Damit bleibt noch der Restmüll.

Frage 4/10:

In welchen Container gehört blaues Glas?

Blaue und übrigens auch rote Flaschen gehören in den Container mit Grünglas, denn Grünglas kann den größten Anteil an Fremdfarben aufnehmen. Generell ist die Farbtrennung beim Glas sehr wichtig, denn nur so lässt sich Glas einer bestimmten Farbe wiederherstellen.

Frage 5/10:

In welchen Müll gehört Tierkot?

Asche, Tierkot, Staubsaugerbeutel oder behandelte Hölzer gehören grundsätzlich in den Restmüll.

Frage 6/10:

Wohin mit CDs?

CDs bestehen wie DVDs zu großen Teilen aus Polycarbonat, das gut recycelbar ist. Einige Wertstoffhöfe, aber auch Elektromärkte sammeln alte CDs und DVDs. Zur Not kann die CD auch über den Restmüll entsorgt werden.

Frage 7/10:

Wohin mit Konservendosen?

Metallverpackungen wie auch Alufolie gehören in den gelben Sack oder in die gelbe Tonne.

Frage 8/10:

In welchen Müll gehört Backpapier?

Es heißt zwar Papier, muss aber in den Restmüll. Denn es ist mit einem Material beschichtet, das wasserabweisend ist - und somit nicht recyclebar.

© S. Schmid

© S. Schmid

Frage 9/10:

Wo sollte ein Kassenbon landen?

Kassenbons bestehen aus sogenanntem Thermopapier, das mit der Chemikalie Bisphenol A beschichtet ist. Sie sollten nie ins Altpapier gelangen, sondern über den Restmüll entsorgt werden.

Frage 10/10:

Wo gehören Kaffeefilter hin?

Kaffeefilter gehören in den Biomüll. Sie sind klassischer Bioabfall.

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

Auch Britta Walthelm, Vize-Fraktionschefin der Grünen, kritisierte die Informationspolitik des Unternehmens. "Das war ein großes Ärgernis." Walthelm erinnerte aber auch daran, dass mit den Gelben Tonnen letztlich nur die Symptome bekämpft werden. "Wir leiden unter einer Verpackungsflut." Es seien noch viele Schritte nötig in Richtung einer echten Kreislaufwirtschaft.

Gelbe Tonnen sind nicht verpflichtend und können zurückgegeben werden. Von dieser Möglichkeit haben bislang laut Stadt nur rund zwei Prozent der Hauseigentümer im Stadtgebiet Gebrauch gemacht. Aus Sicht der Kommune ist diese geringe Rücklaufquote ein Zeichen dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger die Tonnen akzeptieren.

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