Montag, 19.04.2021

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Gewalt im Bahnhof: Nürnberg liegt ganz weit vorne

Insgesamt sind die Zahlen aber rückläufig - 03.02.2021 17:20 Uhr

In der Gewaltstatistik liegt der Nürnberger Hauptbahnhof im deutschen Vergleich weit Vorne.

06.05.2020 © Michael Schmelzer/vifogra/dpa


Unrühmlicher Spitzenplatz für Nürnberg: Bei den Gewalttaten im Bahnhofsbereich rangiert die Stadt bundesweit auf Platz 3, nach den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Frankfurt. Im zweiten Halbjahr 2020 registrierte das Bundesinnenministerium 189 Gewaltdelikte, trotz Alkoholverbot und starker Polizeipräsenz. Hamburg bringt es auf 300 Fälle, in Frankfurt wurden 238 Gewalttaten gezählt.

Vermutlich liege das daran, dass der Nürnberger Bahnhof ein zentraler Anlaufpunkt in der Stadt ist, sagt Bernhard Turba, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Nürnberg, die für den Bahnhof zuständig ist. "Hier konzentriert sich alles auf den Hauptbahnhof."

In anderen Großstädten verteile sich die Szene teilweise stärker. Zudem rückt Turba die aktuellen Zahlen, die das Ministerium auf eine Anfrage der AfD herausgegeben hatte, ein wenig zurecht. "Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gewaltdelikte 2020 um 25 Prozent zurückgegangen."

Zahl der Straftaten sinkt

Auch im Bereich der Eigentums- und Drogendelikte sei die Zahl gesunken. Der Sprecher führt das auf die Auswirkungen der Pandemie zurück. Geschlossene Discos, Ausgangsbeschränkungen - da habe die bahnhofsspezifische Klientel gefehlt. In den Jahren zuvor sei die Zahl der Gewalttaten dagegen leicht gestiegen.

Anders ist die Entwicklung im Umfeld des Bahnhofs, hier sind die Straftaten nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelfranken schon seit Jahren rückläufig. 2019 registrierte die Polizei in der Königstorpassage und in deren erweitertem Umfeld 1375 Straftaten, drei Jahre zuvor waren es noch über 2200 gewesen.

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Damals waren darunter 570 Körperverletzungen, 2019 zählte die Polizei 366 dieser Delikte. Und an dieser Entwicklung hat sich seitdem nichts geändert. "Aus unserer Sicht ist das Geschehen dort derzeit nicht auffällig", sagt Katrin Kurr, die Leiterin des Nürnberger Ordnungsamtes.

Sie sitzt regelmäßig mit Vertretern von Polizei, Sozialreferat und anderen städtischen Dienststellen an einem Tisch, um die Entwicklung an möglichen Brennpunkten in der Stadt zu bewerten. Jahrelang hatte das Geschehen rund ums Königstor alle Beteiligten beschäftigt, mit der Kriminalität im Bahnhofsbereich hatte sich sogar ein separater Runder Tisch befasst.


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Damals war die Zahl der Straftaten insbesondere in der Königstorpassage massiv angestiegen, neben Drogendelikten hatten auch Körperverletzungen zugenommen. Passanten fühlten sich vor allem abends unwohl beim Durchqueren des schmuddeligen Areals.

Alkoholverbot wirkt

Stadt und Polizei schnürten deshalb ein ganzes Maßnahmenpaket, um die Situation zu verbessern. Dazu gehörte ein Alkoholverbot rund um den Bahnhof und in der Passage, das erst kürzlich vom Stadtrat verlängert wurde. Auch im Bahnhof ist der Alkoholkonsum verboten. Zudem wurde die Polizeipräsenz kräftig erhöht, die eigens gegründete "Besondere Aufbauorganisation Köpa" geht regelmäßig in dem Areal auf Streife.

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Ein verdächtiger Gegenstand hat am Freitag rund um den Hauptbahnhof für Chaos gesorgt. Ein Passant hatte im Stadtgraben neben der Königstorpassage ein verdächtiges Metallstück entdeckt und den Fund der Polizei gemeldet. Die sperrte das Gebiet weiträumig ab, Bahnhofsvorplatz und Königstraße waren ebenso betroffen wie Teile der Bahnhofstraße.


Die Stadt investierte außerdem in das Erscheinungsbild der Passage. So ist die Unterführung mittlerweile dank 100 zusätzlich installierter LED-Strahler deutlich besser beleuchtet, ein Metalltor im hinteren Bereich versperrt den direkten Weg in den Frauentorgraben - zuvor war die etwas abseits gelegene Ecke ein beliebter Treffpunkt von Dealern. Um die Szene nicht, wie Kritiker bemängelten, einfach nur zu vertreiben, sind auch Streetworker eingebunden.

Aus Sicht von Stadt und Polizei hat sich das Konzept bewährt. "Wir sehen dort keine besorgniserregende Entwicklung", betont Kurr. Auch Polizeisprecherin Elke Schönwald bewertet die Situation positiv. "Die Zahlen sind kontinuierlich rückläufig, die Maßnahmen zeigen Wirkung."

Der Artikel wurde am 3. Februar um 17.19 Uhr aktualisiert.

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