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Graffitikünstler verschönern Westbad-Fassade

Interview mit dem Artist Kid Crow zum kommenden Mural Art Weekend in der Noris - 14.05.2013 17:51 Uhr

WOW123 wird auch am Start sein beim Mural Art Nbg. © PR


Hinter dem Festival stehen Sabine Limmer von der Desi und die Style Scouts Carlos Lorente und Pablo Fontagnier, die wohl eher unter den Künstlernamen Kid Crow und Hombre SUK bekannt sind. Nicht nur setzen sich beide Künstler für den Austausch und die Nachwuchsarbeit in Sachen Graffiti ein, sondern sind auch international tätig. Wir sprachen mit dem Nürnberger Kid Crow, a.k.a. Carlos Lorente, über das Mural Art Weekend, die Style Scouts und welche Stellen in Nürnberg mal dringend etwas mehr Farbe vertragen würden.

Kannst Du kurz die Idee hinter Mural Art skizzieren?

Carlos Lorente: Die Idee hinter dem Mural Art Weekend ist relativ simpel. In Nürnberg gibt es sehr wenige Flächen im öffentlichen Raum, auf denen man aufwändige Murals (Wandgemälde) sieht. Das liegt zum einen an der ziemlich strikten Politik gegenüber Graffiti, mit Sicherheit aber auch daran, dass viele Häuser in der City denkmalgeschützt sind und deswegen sowieso nicht für eine Bemalung in Frage kommen. Wir sind der Meinung, dass es in der Stadt genügend Betonmauern und Brückenbauwerke gibt, die man optisch aufwerten könnte. Deswegen wollten wir mit dem Mural Art Weekend einen Akzent setzen und für Bewegung in diese Richtung sorgen.

Wie ist es denn zur Idee für das Mural Art Festival in Nürnberg gekommen?

Lorente: Wir haben bei NürnbergBad angefragt, ob wir die Mauer gestalten dürfen und sind auf offene Ohren gestoßen, weil auch die Anwohner den Blick auf die Betonfassade am Westbad nicht gut finden. Wir hatten im Vorfeld auch Ausschau nach anderen Orten gehalten.

Die Idee, ein Graffiti Festival in Nürnberg zu organisieren, hat uns schon länger gereizt - insbesondere da wir in anderen Städten (Ansbach, Mannheim) schon positive Erfahrungen in der Organisation sammeln konnten. Da wir im Rahmen des Fundraisings einige herbe Enttäuschungen hinnehmen mussten und das Budget nun spartanisch ausfiel, musste das Konzept auf ein Wochenende zurecht gestutzt werden. Leider konnten wir so keine Ausstellungen und Rahmenveranstaltungen mehr finanzieren.

Wie kam es zur Verbindung mit der Stadt Nürnberg und den Bürgermeister Horst Förther?

Lorente: Der Kontakt kam über den Veranstalter des Mural Art Weekends - NürnbergBad - zustande. Dem Anschein nach war Herr Förther begeistert von der Idee und bot uns seine Unterstützung in Form einer Schirmherrschaft an. Für eine Nürnberger Veranstaltung mit Graffiti-Background ist das sicherlich ein gutes Zeichen!

Nach welchen Kriterien habt ihr die beteiligten Künstler ausgewählt? Sind auch Künstler auf euch zugekommen, weil sie gerne dabei sein würden?

Lorente: Aufgrund unserer persönlichen Kontakte konnten wir Top-Künstler aus Europa dazu animieren, den Weg nach Nürnberg anzutreten. Und das, obwohl Sie nur für eine Aufwandsentschädigung anreisen. Wichtig war als Kriterium sicherlich auch eine gewisse Ausgewogenheit zwischen klassischen und futuristischen Buchstabengraffiti und den Vertretern unserer Zunft, die eher mit Figuren arbeiten. Natürlich gab es später auch Anfragen, die wir leider aber auf die nächste Aktion vertrösten mussten.

Auf welchen Künstler freust Du Dich am meisten? Warum?

Lorente: Ich speziell freue mich auf alle Künstler gleichermaßen, wobei ich mich insbesondere auf die Interaktion wirklich sehr verschiedener Styles freue. Highlights sind für mich ganz persönlich noch Serval, Wany und Erase & Arsek und natürlich auch auf die DJs!

Warum die Außenfassade des Freibades West?

Lorente: Der Anlass gerade diese Fassade zu gestalten, war der ausdrückliche Wunsch der Anwohner, die Betonfläche optisch zu entschärfen. Wem - außer eventuell dem Architekten - gefallen schon 250 qm Sichtbeton vorm Balkon? Bei einem richtigen "Festival" hätten wir weitere Flächen in Johannis integrieren wollen, z.B. die Gerätehäuser des Sportplatzes am Pegnitzufer.

Vielleicht noch eine kurze Zusammenfassung, wie es seit der Gründung vor zwei Jahren bei den Style Scouts läuft?

Lorente: Davon abgesehen, dass Workshops natürlich ein saisonales Geschäft sind, wollen wir nicht klagen. Wir freuen uns, dass unser qualitativer Ansatz großen Anklang findet. Den Großraum haben wir seit 2011 schon ordentlich mit Workshops bespielen dürfen. Ab Sommer werden wir auch ein Gastspiel am Bildungszentrum haben. Es lohnt sich mal ins Programm zu schauen!

Was ist mit den Style Scouts euer langfristiges Ziel?

Lorente: Schön wäre es mehr Input nach Nürnberg zu holen. Regelmäßigen Austausch mit internationalen Künstlern zu fördern. Ausstellungen und Freiflächen organisieren, den Dialog mit öffentlichen Stellen koordinieren, vielleicht sogar einen festen Anlaufpunkt für Graffiti in Nürnberg schaffen.

Ist schon eine Fortsetzung zum Mural Art Festival in Planung? Vielleicht auch außerhalb Nürnbergs?

Lorente: Eine Fortsetzung hängt sicherlich ganz stark von der Rezeption ab.

Da wir die Aktion aufgrund des Budgets quasi ehrenamtlich machen ist das auf Dauer - insbeondere im größeren Rahmen - nicht zu stemmen. Mal sehen ob die Stadt bzw. die öffentlichen Träger aber auch die lokale Szene das Engagement unterstützen und weiter führen wollen.

Wenn ihr die freie Wahl hättet, welche Stelle in Nürnberg bräuchte dringend etwas mehr Farbe?

Lorente: Ich denke es gibt da keine spezielle Stelle. Interessante Stellen wären die Stützmauern am Kanal, diverse Brückenbauwerke (z.B. am Wöhrder See). Insbesondere brachliegende Gebäude sollten für eine Umgestaltung freigegeben werden. Jeder, der eine freie Fläche hat, kann uns gerne Bescheid geben!

Bilderstrecke zum Thema

Graffiti und Streetart: Künstler führen durch Nürnberg

"Ein gutes Graffiti interagiert mit der Umgebung, während bei Streetart nicht die Technik, sondern die Idee am wichtigsten ist", erzählt uns der Tourguide Pablo Fontagnier aka Hombre (31). Zusammen mit seinem Kollegen Carlos Lorente aka Kid Crow (34) führt er uns zu den Nürnberger Sprayer-Hotspots. Die Touren sind übrigens komplett ausgebucht.


 

Interview: Björn Bischoff

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