Großer Andrang beim Fastenbrechen

14.6.2016, 08:00 Uhr

© Foto: Edgar Pfrogner

Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verzichten gläubige Moslems derzeit auf Essen und Trinken — und treffen sich allabendlich mit Einbruch der Dunkelheit zum Fastenbrechen in ihren Gemeinden. Ob der Platz in den Gotteshäusern auch für die vielen Flüchtlinge reichen würde, war im Vorfeld unklar. Doch eine Woche nach dem Start des Fastenmonats gibt Mostafa Eljojo von der Islamischen Gemeinde Nürnberg vorsichtig Entwarnung. Bislang komme die Gemeinde gut klar, sagt er. „Aber es kommen täglich mehr Menschen zu uns.“

Rund 300 Gläubige strömen derzeit regelmäßig in die Moschee an der Hessestraße, in den Vorjahren waren es lediglich 200. Damit der Platz auch für die Flüchtlinge reicht, hat die Gemeinde ortsansässige Gemeindemitglieder darum gebeten, zu Hause zu essen und erst zum Gebet zu erscheinen — die Moschee hat Platz für 600 Gläubige. Kommen mehr Menschen als gedacht, „fallen die Portionen eben etwas kleiner aus“, sagt Eljojo. Abweisen musste er jedenfalls noch niemanden.

Damit alle Platz finden, steht vor der Eyüp-Sultan-Moschee an der Kurfürstenstraße jetzt sogar ein Zelt. 200 Flüchtlinge pro Tag hat Vorstandsmitglied Yavuz Kizmaz dort gezählt, hinzu kommen rund 300 Gemeindemitglieder, die ebenfalls täglich verköstigt werden. Dafür hat die Gemeinde eigens einen türkischen Koch engagiert, der jeden Abend Suppe, Salat und ein Hauptgericht serviert. Bislang lasse sich der Andrang bewältigen, sagt Kizmaz. „Aber wenn die Zahlen noch einmal deutlich steigen, ist das für uns nur schwer zu schaffen.“

Sollte der Andrang größer werden, müsste auch an der Hessestraße ein Zelt aufgestellt werden. „Wir hoffen auf die Unterstützung der Stadt“, sagt Eljojo. Es wäre dann die einzige Lösung, um zu verhindern, dass mehr Menschen im Gebäude sitzen, als es die Flucht- und Rettungswege erlauben. Vor allem aber auch, um zu verhindern, dass sich bis nach draußen auf den Gehsteig Betende drängen und die Nachtruhe der Nachbarn stören.

Um solche Probleme zu vermeiden, wurden bereits im Vorfeld Gespräche mit der Stadt geführt, wie auch Christine Schüßler bestätigt. Die Leiterin des Bürgermeisteramts saß in den vergangenen Wochen bereits öfter mit der IGN und weiteren Nürnberger Moschee-Gemeinden wegen des Themas Ramadan zusammen. Nicht ohne Ergebnisse:  In den Notunterkünften, wo von insgesamt 1200 Bewohnern rund 60 Prozent Muslime sind, gibt es laut dem Bürgermeisteramt bislang keinerlei Probleme.

Weder was den Platz angeht, noch bei der Verpflegung. Zwar gibt es dort im Gegensatz zu regulären Unterkünften keine Gemeinschaftsküchen, in denen man sich auch nach Sonnenuntergang um 21.30 Uhr selbst etwas zubereiten kann. Dafür können sich muslimische Flüchtlinge bei der abendlichen Essensausgabe ein Lunchpaket abholen, um es später zu essen. Eine Methode, die sich bereits in der Vergangenheit bewährt hat. "Das haben wir auch so gehandhabt, als viele wegen der Teilnahme an Integrationskursen die Essensausgabe verpasst haben", sagt Christine Schüßler.

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