Dienstag, 12.11.2019

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Größte Rettungsaktion in der Tierheim-Geschichte

Hälfte der 92 Hundewelpen ist in einem gesundheitlich kritischen Zustand - 07.02.2012 18:54 Uhr

Diese Shih Tzu-Welpen aus Ungarn sind vermutlich erst vier bis fünf Wochen alt – sollten also eigentlich noch mindestens drei Wochen von der Mutter gesäugt werden. Nun werden sie im Tierheim aufgepäppelt und frühestens in einem Monat vermittelt. © Stefan Hippel


Eigentlich sind Kaukasische Hirtehunde unverwüstliche, robuste Hunde. Doch nun liegt der vielleicht acht Wochen alte Welpe apathisch in der Ecke seines Käfigs in der Krankenstation des Tierheims. „Ihn haben wir als erstes rausgeholt.

Er war mittendrin, in einem Käfig, der gerade mal so groß war wie er, umgeben von 91 hysterischen Hunden. Das war zu viel für ihn“, erzählt Tierheimleiterin Heike Weber. Dieser Moment, als sie den kleinen Rüden zitternd und mit eingekniffenem Schwanz auf der Rücksitzbank ihres Autos angesehen hat, lässt sie nur schwer los.

Am Montagabend um 23 Uhr beginnt die größte Rettungsaktion von Hundewelpen in der Geschichte des Tierheims. Heike Weber eilt nach dem Anruf mit mehreren Mitarbeitern zum beschlagnahmten Sprinter nach Erlangen. Um kurz nach Mitternacht steht sie vor dem Transporter.

Bilderstrecke zum Thema

Geschmuggelte Welpen aus Lastwagen befreit

Bei einer Verkehrskontrolle auf der A3 nahe Erlangen, am Parkplatz Weißer Graben, entdeckte die Polizei im Februar 2012 über 90 Welpen in einem Lkw. Der Fahrer wurde festgenommen, die Welpen ins Nürnberger Tierheim gebracht und versorgt.


Unzählige Gitterkäfige stapeln sich bis zur Decke des Sprinters – Möpse, Cockerspaniel, Dackel, Boxer, Französische Bulldoggen, Zwergpudel, Kaukasische Hirtehunde – die Welpen kläffen wild durcheinander, es stinkt bestialisch nach Kot und Urin, die großen Hunde hatten nur liegend in den engen Käfigen Platz. Am Ende zählt Weber 92 Hundewelpen von 13 verschiedenen Hunderassen. „Ich habe schon viel gesehen, aber das war ein Bild des Grauens.“

Der Transporter mit den Welpen war bereits 13 Stunden unterwegs, als er gestoppt wurde. Die Hunde hatten weder Wasser noch Futter in ihren Käfigen. Ziel sollte Holland sein – Tierhandlungen, die Hundewelpen verkaufen, schießen dort wie Pilze aus dem Boden. Vermutlich hätten einige der Welpen diese Tortur nicht überlebt.

Gestern Nachmittag zieht Weber eine erste Bilanz: Die Hälfte der Welpen ist deutlich jünger als acht Wochen, dürfte also nicht ohne Muttertier transportiert werden. 50 bis 60 Prozent der Hunde sind krank, haben blutigen Durchfall, Schnupfen und verschleimte Augen. Viele Welpen haben aufgeblähte Bäuche und eine schuppige Haut – ein untrügliches Zeichen für Wurmbefall. „Vermutlich wurden die Tiere weder geimpft noch entwurmt.

Viele Mitarbeiter hatten eigentlich frei, sind aber zur Unterstützung ins Tierheim geeilt. Ivana Baruch versorgt auf dem Bild einen Beagle-Welpen.


In einigen der mitgeführten Impfpässe wurde das Geburtsdatum zurückdatiert.“ Zudem müssten Hunde gegen Tollwut geimpft sein, wenn sie über die Grenze gebracht werden. Für diese Impfung müssen sie jedoch mindestens zwölf Wochen alt sein – vermutlich ist keiner dieser Welpen so alt.

Der Fahrer des Transports wurde in Deutschland bereits mehrmals von der Polizei mit Hundewelpen im Gepäck aufgehalten. Auch wenn er gegen das Tierschutzgesetz verstößt, begeht er lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Laut Polizeisprecherin Simone Wiesenberg kostet den Ungarn dieses Vergehen 5000 Euro. Am Nachmittag wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

Wenn nicht ausreichend Verstöße beim Transport nachgewiesen werden, kann der Fahrer sogar seinen Besitz, die Welpen, zurückfordern. Doch die Beweise im aktuellen Fall sind erdrückend. Weber schätzt, dass die Tiere einen Marktwert von 80000 bis 90000 Euro haben. Der Fahrer wird vermutlich schon bald mit der nächsten Lieferung Welpen durch Deutschland unterwegs sein.

Das Tierheim benötigt nun dringend Bettlaken, dünne Decken und Handtücher, die den Welpen als Unterlage dienen. Natürlich können Sie auch spenden: Konto 1120752, Sparkasse Nürnberg, BLZ 76050101, Stichwort „Welpen“. Bitte sehen Sie von Anrufen bezüglich dieser Welpen bis auf Weiteres ab. Sie können weder besichtigt noch reserviert werden. Das Tierheim gibt rechtzeitig bekannt, wenn die Welpen zur Vermittlung freigegeben werden.
 

Katrin Wiersch

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