Grundschule im Westen: Nürnbergs OB sucht das Gespräch mit dem Bezirk

12.4.2021, 05:51 Uhr
In die Jahre gekommen, aber immer noch ein Hingucker: das Jugendstilgebäude in Muggenhof, das Domizil des Zentrums für Hörgeschädigte.

In die Jahre gekommen, aber immer noch ein Hingucker: das Jugendstilgebäude in Muggenhof, das Domizil des Zentrums für Hörgeschädigte. © Eduard Weigert, NNZ

Die Zeit drängt. Davon zeugen auch die vielen Baustellen in Eberhardshof und Muggenhof. Überall schießen neue Wohngebäude in die Höhe. Der Westen wächst und die Einwohnerzahl steigt, schon länger geht das so. Die Folgen sind am Ende der Wandererstraße deutlich zu sehen, zumindest ohne Pandemie. Denn die Grundschule dort platzt aus allen Nähten.

Sechs statt vier Klassenzügen

Als die zweigeschossige Friedrich-Wanderer-Schule in den Sechzigern gebaut wird, ist dort Platz für vier Klassenzüge. Längst sind daraus sechs geworden. Möglich machen das Container und ein Anbau mit neuen Unterrichtsräumen, den die Schule 2019 in Betrieb genommen hat.

Doch auch die Zahl der benötigten Hortplätze steigt und steigt. Im Altbau am Wendehammer ist derzeit Platz für drei Hortgruppen, zwei weitere kommen in gemieteten Containern unter. Die aber müssen voraussichtlich 2023 weichen. Bis dahin will die Stadt für neue Räume sorgen.


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Im nördlichen Teil des Schulgrundstücks soll gebaut werden. In dem Gebäude plant die Stadt mit fünf Hortgruppen und zusätzlich vier Unterrichtsräumen für die Grundschule. Noch ein Zug. Die Klassen aber sollen irgendwann in eine Grundschule West umziehen, die noch gebaut werden muss. Erst dann soll der Hortbau abgeschlossen werden. Mit sechs Gruppen, in die auch die Kinder aus dem sanierungsbedürftige Altbau wechseln.

Kippt die Vereinbarung mit dem Bezirk?

Der Plan funktioniert nur, wenn im Westen eine neue Schule dazu kommt. Genau das aber bereitet den Anwohnern, dem Bürgerverein und den Sozialdemokraten Kopfzerbrechen. Nun hat auch die Stadtratsfraktion der Grünen einen Antrag gestellt. Die Stadt soll zum geplanten Neubau einer Grundschule auf dem Gelände der Paul-Ritter-Schule und über die Verhandlungen mit dem Bezirk Stellung beziehen, sagt Gabriele Klaßen. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen sorgt sich.

2018 hat die Stadt mit dem Bezirk eine Vereinbarung geschlossen. Doch jetzt hakt es. Eigentlich wollte der Bezirk sein Zentrum für Hörgeschädigte sanieren und dort auch eine Schule für die Stadt bauen. "Die Renovierung des Bestandsgebäudes hat sich als nicht machbar herausgestellt", weiß Klaßen. Das hat der Bezirk mitgeteilt. Zwar werde über eine Neuplanung nachgedacht, "konkrete Pläne liegen jedoch noch nicht vor", sagt sie. "Eine Verzögerung des Grundschul-Neubaus hätte aber schwerwiegende Folgen."

OB sucht Gespräch mit Präsident

Deshalb hat sich auch der Oberbürgermeister inzwischen eingeschaltet. Marcus König trifft sich demnächst mit Bezirkstagspräsident Armin Kroder um über die dringend benötigte Schule zu sprechen. "Wir haben uns darauf verlassen", sagt König mit Blick auf die Einrichtung. Platzt die Vereinbarung, "müssen wir uns auf die Suche nach einer neuen Lösung begeben".

Unterstützung erhält die Stadt von der Bezirkstagsfraktion der CSU. "Uns fällt seit geraumer Zeit auf, dass die Spitze des Bezirks die Maßnahme sehr schleifen lässt", sagt der Fraktionsvorsitzende Peter Daniel Forster. Kroder (Freie Wähler) sei in seiner früheren Funktion als Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses "kategorisch gegen das gemeinsame Projekt" gewesen.

Spielt der Bezirk auf Zeit?

Forster glaubt, dass "das Thema in die Länge gezogen wird, bis es so dringlich wird, dass entweder die Stadt aus dem gemeinsamen inklusiven Projekt aussteigen muss". Oder bis der Bezirk einen anderen Standort für das Zentrum für Hörgeschädigte findet.

Spielen hier bald Grundschüler und Schüler des Zentrums miteinander?

Spielen hier bald Grundschüler und Schüler des Zentrums miteinander? © Eduard Weigert, NNZ

Dabei sei die Idee, dass sich Schüler der neuen Grundschule und der Paul-Ritter-Schule unter anderem Pausenhof, Aula oder Mensa teilen, "innovativ und zukunftsweisend". Dazu sollte durch den Bau unter der Federführung des Bezirks "Kostenvorteile erzielt werden und Synergien entstehen", sagt SPD-Bezirksrätin Gisela Niclas. Auch sie sieht mit Sorge, dass für Generalsanierung und neue Schule die Zeit davonläuft.

Alternativer Standort für Zentrum

Allerdings hätten sich inzwischen auch die Rahmenbedingungen geändert, sagt Niclas. Die Schule müsste größer sein, während an der Paul-Ritter-Schule dank zusätzlicher Inklusion im Zentrum weniger Hörgeschädigte unterrichtet werden. Die Bezirkstags-SPD plädiert daher dafür, auch Alternativen zu prüfen, falls der ursprüngliche Plan nicht klappt. Das Zentrum könnte dann auf das Areal des Berufsbildungswerks Hören Sprache Lernen in der Pommernstraße in Eibach ziehen - und das Grundstück der Stadt für den Schulneubau überlassen werden, sagt Niclas.


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Die Stadt wiederum stimmt zunächst am kommenden Dienstag über den Hortneubau ab. Acht Millionen Euro soll der kosten, die Verwaltung rechnet mit Zuschüssen in Höhe von zwei Millionen. Schon im Juni könnte der Bau beginnen. Die Zeit drängt.

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