Entwicklung Marienberg

Grundstücke am Flughafen sind wieder frei: Stadt beendet Vorkaufsrecht

23.9.2021, 06:00 Uhr
 Demo der Bauern mit 25 Traktoren und 2 Pferdekutschen gegen die

 Demo der Bauern mit 25 Traktoren und 2 Pferdekutschen gegen die "Betonierung des Knoblauchslandes". © Roland Fengler

Als die Stadt vor vier Jahren ankündigte, das 61 Hektar große Areal in Flughafennähe zu bebauen, war der Aufschrei groß. Die Eigentümer und Pächter waren versunsichert: Wird enteignet? Entwertet? Die Gegen-Initiative gründete sich und zur Bürgerversammlung erschienen sogar Reiter mit Pferden – um auf die drohende Verdrängung auch der Reitställe dort aufmerksam zu machen.

Eine Stuttgarter Firma wurde mit Untersuchungen beauftragt, wie weit sich dieses Gebiet für eine umfassende Wohnbebauung überhaupt eigne. In der Zwischenzeit sicherte sich die Stadt das Vorkaufsrecht – "zur Sicherung der Ziele einer möglichen städtebaulichen Entwicklung im Areal", wie es in den Unterlagen heißt.

Viele waren verunsichert

Für viele Eigentümer begann damit eine unsichere Zeit. Der freie Verkauf war nun nicht mehr möglich und Banken wollten etwa bei Krediten die Grundstücke nicht mehr als Sicherheit anerkennen. Während sich die einen der Intitiative anschlossen und sich sehr sicher waren, ihr Land "nicht billig für den Gewinn der Stadt" hinzugeben, willigten andere in den Verkauf ein.

Mit Traktoren, Plakaten und Spruchbändern machten die Landwirte ihrem Ärger Luft. 

Mit Traktoren, Plakaten und Spruchbändern machten die Landwirte ihrem Ärger Luft.  © Roland Fengler

In keinem Fall, so betont Baureferent Daniel Ulrich, musste das Vorkaufsrecht ausgeübt werden. Die Stadt habe einige der wesentlichen, aus fachlicher Sicht auch tatsächlich bebaubaren Flächen erwerben können und sei nun somit vor Ort mit sehr guten Grundstücken vertreten.

Richtige Richtung

Die Tucher-Stiftung, vor Ort größter privater Besitzer von Flächen, habe sich geringfügig arrondiert, womit nun weniger Flächen zerklüftet sind.

Vor allem seitens der Landwirte gibt es Gegenwind bei der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Marienberg: „Entwicklung ist schon fein, doch zur SEM da sag ich NEIN!“ steht auf diesem Protestplakat am Rand von Marienberg- und Flughafenstraße geschrieben.

Vor allem seitens der Landwirte gibt es Gegenwind bei der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Marienberg: „Entwicklung ist schon fein, doch zur SEM da sag ich NEIN!“ steht auf diesem Protestplakat am Rand von Marienberg- und Flughafenstraße geschrieben. © Foto: Peter Romir

Dass nun das Vorkaufsrecht nach einem Antrag der CSU im April des Jahres aufgehoben wird, wertet der Fraktionsvorsitzende Andreas Krieglstein als Schritt in die richtige Richtung: "Ein wichtiges Signal für die Menschen vor Ort, das Hoffnung macht, Spekulationen und Verunsicherungen im Stadtteil zu beenden." Mit dem anstehenden Beschluss werde ein gutes Miteinander auf Augenhöhe wieder möglich.

 Wilhelm Schuh von der Initiative „Stoppt die SEM Marienberg“ kritisiert den aktuellen Stillstand.

 Wilhelm Schuh von der Initiative „Stoppt die SEM Marienberg“ kritisiert den aktuellen Stillstand. © Foto: Rurik Schnackig

Wilhelm Schuh von der Initiative "Stoppt die SEM Marienberg" ist zunächst froh, dass das Vorkaufsrecht vom Tisch kommt. "Nun kann wieder frei verkauft werden." Er wünscht sich nun Transparenz zu den Überlegungen, wie es im Gebiet weitergehen soll.

Ergebnisse stehen noch aus

Denn ob das Areal für Wohnen ein guter Standort ist, bleibt abzuwarten. Hier will Daniel Ulrich noch keine Prognose wagen. Noch nicht. "Wir sind in den letzten Zügen eines Berichts, der einerseits die Untersuchungsergebnisse zusammenfasst, und andererseits daraus stadträumliche Schlüsse zieht."
Innerhalb der nächsten sechs Monate will man dem Rat ein Konzept vorstellen können, wo man was machen kann. Und wie. Und ob überhaupt.

Verzögerungen führt der Baureferent vor allem darauf zurück, dass Grundstücksangelegenheiten immer bei echten Gesprächen geklärt werden sollen. "Und Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht." Per Mail gehe das nicht.

Bedarf bereits gedeckt?

Gerüchte, wonach die Stadt das Interesse verloren habe, weil der Wohnraumbedarf zwischenzeitlich gedeckt ist, kann Daniel Ulrich nicht bestätigen. Im Gegenteil: "Der Wohnraumbedarf ist unvermindert hoch – der demografische Wandel sorgt noch immer für Neubaubedarf." Zwar sei der Zuzug etwas kleiner geworden, aber längst nicht beendet.
Eine Fläche mit Potenzial und mit Schwächen – es bleibt spannend.

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