Grüne Hand in Eberhardshof: Roland Brücher ist EhrenWert

27.12.2013, 00:00 Uhr
Roland Brücher geht es nicht nur um die jährliche Ernte. Vor allem das Soziale liegt ihm am Herzen und der bewusste Umgang mit der Natur.

Roland Brücher geht es nicht nur um die jährliche Ernte. Vor allem das Soziale liegt ihm am Herzen und der bewusste Umgang mit der Natur. © Weigert

Vielleicht liegt es ja an seinem Heimatort. Aufgewachsen im Knoblauchsland, war Roland Brücher schon als Kind der Natur ganz nah. Landwirt ist er dennoch nicht geworden, auch kein leidenschaftlicher Gärtner, den es ständig in den Fingern juckt, in der Erde zu graben. Diese Nähe hat vielmehr seinen Blick geschärft — für das Zusammenspiel von Mensch und Natur. Für die Rolle, die der Mensch dabei einnimmt. „Deshalb geht es auch nicht in erster Linie darum, wie groß unsere Tomaten oder Gurken werden“, sagt Roland Brücher, wenn er über den mobilen Stadtgarten spricht.

Das Soziale sei ihm wichtig. Dass Menschen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu pflegen und wachsen zu lassen. Und das mitten in einem eher unansehnlichen Eck zwischen Bahngleis sowie Frankenschnellweg und dem ehemaligen Quelle-Areal. Seit Jahren engagiert sich Brücher bei dem Verein Bluepingu, der im November 2011 den ersten mobilen Stadtgarten Nürnbergs angestoßen hatte, um mehr Nachhaltigkeit in die Stadt zu bekommen. Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte, die damit in der Wandererstraße ihren Anfang nahm. Denn es gibt viele, die die 3500 Quadratmeter seitdem ab Frühjahr immer wieder aufs Neue ansteuern und das einstige Brachgelände mit neuem Leben füllen.

Wer mag, der kann hier kostenfrei Hand anlegen zwischen Kohlrabi und Kartoffeln, Schnittlauch und Bohnen. Freilich alles unter dem Etikett „Bio“, aber auch alte Sorten werden hier zu neuem Leben erweckt, während in zwei Stöcken Bienenvölker daheim sind und von einem Imker betreut werden. Der Verein stellt dabei alles von den Behältern über das Saatgut bis hin zu den Geräten. Möglich machen das all die Spender, über die sich auch Brücher freut. Glücklich ist er vor allem über die 20 Aktiven, die regelmäßig vor Ort sind, um zu pflegen und zu jäten, aber auch um zu gießen.

Zeitintensive Arbeit

Gerade während heißer Sommermonate ist das eine Arbeit, die vor allem viel zusätzliche Zeit frisst. Aber so mancher Anwohner sei froh über die Farbtupfer auf dem einstigen Parkplatz, wie Brücher erzählt. Und er ist stolz darauf, dass sein Verein und die ganzen fleißigen Hände einen Garten an einem wirklich ungewöhnlichen Platz in der Stadt geschaffen haben. Einen Euro pro Quadratmeter und pro Jahr zahlt der Verein dafür an die Quelle-Insolvenzverwaltung. „So viel hätten wir auch für eine städtische Immobilie bezahlt.“ Er kann gar nicht sagen, wie viel Zeit er in das ungewöhnliche Gärtchen an den Gleisen investiert.

„Wenn man etwas unentgeltlich macht, blickt man nicht mehr auf die Uhr“, sagt er und gibt zu, dass seine Selbstständigkeit als Mediengestalter es ihm leichter macht, sich zu engagieren. „Wenn ich mal etwas länger bei einer Führung durch den Garten brauche, ist das eben auch nicht so schlimm“, sagt er, der mit seiner Freundin in der Südstadt daheim ist und dort auf dem Balkon lediglich ein paar Tomaten zieht. Dennoch bleibt wenig Zeit fürs Joggen. Das Tauchen hat er inzwischen auch aufgegeben. Sein Engagement nimmt er ernst und will damit Denkanstöße geben. „Aber ich sage niemandem, wie er zu leben hat“, sagt er, der selbst auf eine bewusste Lebensweise achtet: Er fährt viel mit dem Rad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, achtet in der Regel auch bei Urlaubszielen darauf, dass es nicht immer die Fernreise ist und lässt die Finger von Fleisch aus der Massentierhaltung.

Ein radikaler Öko ist er dennoch nicht. „Ich habe einfach schon immer versucht, mich fair zu verhalten.“ Das bedeute, nicht immer nur auf den eigenen Vorteil zu blicken. Und auch mit Schwierigkeiten umgehen zu können. Auch dann, wenn sich etwa Schädlinge an den Rosen im Stadtgarten zu schaffen machen. Die Chemie-Keule lehnt er auch dann ab. „Wir Menschen müssen einfach lernen, dass wir nicht alles bestimmen können“, sagt er. Gestalten können sie freilich eine Menge — wie etwa die Oase mitten in Eberhardshof.
 

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