Die Stimme Frankens im Podcast

Günther Koch: "Ich war bewusst immer bei den Schwächeren"

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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3.11.2021, 17:08 Uhr

Seine Radioreportagen haben sich in das Gedächtnis der Fußballfans unauslöschlich eingebrannt. Der Autor Jürgen Roth hat ihm mit dem gerade erschienenen Buch, "Wir melden uns vom Abgrund" - Günther Koch, ein Leben als Fußballreporter, ein Denkmal gesetzt. Und doch gibt es viele Facetten im Leben des knapp 80-Jährigen, die vielen Menschen noch nicht kennen dürften.

Als Flüchtlingskind landete er mit seiner Mutter und zwei Geschwistern vom polnischen Posen über Berlin in Traunstein, wo er in einfachen Verhältnissen aufwächst. Diese Zeit prägt ihn für sein Leben.

"Ich war bewusst immer bei den Schwächeren", sagt er im Podcast "Horch amol". Kein Wunder, dass er sich in seiner Münchner Zeit zu den Bayern und nicht zu den Löwen hingezogen fühlte, denn der heutige Rekord-Fußballmeister war in den 1960er-Jahren der Underdog der Stadt.
Günther Koch ist aber seit Jahrzehnten ein "Clubberer" und aus seiner Liebe zum 1. FC Nürnberg hat er auch bei seinen Reportagen nie ein Hehl gemacht. Weniger bekannt ist, dass er seit 52 Jahren Mitglied der SPD ist und 2003 bei der Landtagswahl als Listenkandidat ein Rekordergebnis für die mittelfränkische SPD eingefahren hat.

Damals habe die CSU, ein "Berufsverbot" für ihn beim Bayerischen Rundfunk erwirkt, erregt sich Koch noch heute. Dank eines bundesweiten Aufschreis in den Medien sei dies nicht gelungen. Allerdings setzten "Beckstein und Söder über den Rundfunkrat durch, dass die Regularien beim Bayerischen Rundfunk geändert wurden und ich nach meiner Wahl vor der Entscheidung stand, entweder Landtagsabgeordneter zu werden oder weiter als Rundfunkreporter arbeiten zu dürfen", so Günther Koch. Es sei die schwerste Entscheidung seines Lebens gewesen, sagt er. Bis heute gehe ihm dieses Sache nach. Er vergisst aber nicht darauf hinzuweisen, dass er damals viel Unterstützung aus der SPD bekommen habe, vor allem aus der bayerischen SPD, "nicht aber aus Nürnberger SPD", schiebt Koch hinterher.

Denn auch bei den Sozialdemokraten hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Das gilt bis heute. "So eine Blamage wie am 15. März und der OB-Stichwahl hätte es nicht geben dürfen", macht er seinem Unmut über die Kommunalwahl 2020 in Nürnberg Luft. Die Auswahl der Kandidaten sei nur in den Hinterzimmern der SPD geschehen und "das darf so nicht laufen", gibt er zu Protokoll. "Die SPD ist die historisch wichtigste und größte Partei in Deutschland", lautet sein Credo. Drunter macht es ein Günther Koch nicht, egal ob in der Politik oder im Sport, so viel ist damit schon mal klar.

Und wenn´s von der Politik thematisch zurück zum Fußball schwappt, hört er sich kaum weniger kompromissbereit an. Mit Blick auf die erste Bundesliga und den europäischen Spitzenvereine sagt er: "Der Fußball ist kaputt, verrottet und zerstört", um gleich darauf ein Loblied auf die zweite Bundesliga anzustimmen: "Die zweite Liga ist so toll: Eine Sardinenbüchsenliga, mit allen namhaften Vereinen". Wenn wundert´s dass Günther Koch angesichts der bislang durchaus erfolgreichen Saison für den 1. FC Nürnberg dennoch sagt: "Erste Liga ja, aber nicht um jeden Preis."

Doch hören Sie selbst....

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