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Hallertor: Die Radler fühlen sich weggesperrt

Beliebte Route am Altstadtring ist unterbrochen — ADFC kritisiert Umleitung - 20.10.2015 11:07 Uhr

Das Umleitungskonzept am Hallertor sorgt für Zündstoff: In der Kritik steht auch das Verbot für Radfahrer zwischen Haller- und Westtor.

20.10.2015 © Horst Linke


Die ersten Brückenbauarbeiten sorgen seit Mitte September für eine langgezogene Engstelle ab dem Hallertor in Richtung Plärrer. Sie hat zu einigen einschneidenden Veränderungen geführt — vor allem für die Radfahrer. So ist der beliebte Radweg am Rand des Stadtgrabens zwischen Haller- und Westtor in beide Richtungen gesperrt, was Jens Ott, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), für überzogen hält.

„Irgendwelche Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten sind auf diesem Weg nicht erkennbar“, kritisiert Ott in seinem Sechs-Punkte-Papier an die Stadt. „Auch ein dauerhaft höheres Fußgängeraufkommen gegenüber dem früheren Zustand konnten wir nicht feststellen“, sagt der ADFC-Chef mit Blick auf die Umwandlung zum reinen Fußweg.

Vor Ort verursacht ein Schilderwald jedenfalls viel Stirnrunzeln. Stichproben des  Stadtanzeigers zeigten zudem, dass deutlich mehr Radfahrer den Weg illegal nutzen, als Fußgänger hier anutreffen sind. Da der Gehweg auf der anderen Straßenseite wegen des Brückenbaus komplett gesperrt ist, hatte der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) die Umwidmung veranlasst.

"Keine andere Lösung gegeben"

Bürgermeister und Sör-Werkleiter Christian Vogel verteidigt die Maßnahme mit dem Ziel, „dass für die Fußgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer zwischen West- und Hallertor eine barrierefreie Führung erhalten bleibt“. Da dies beim Kettensteg nicht der Fall ist und ein provorischer Steg aus umweltrechtlichen Gründen ausschied, habe es keine andere Lösung gegeben. Zumal durch Abspannmasten der VAG an fünf Stellen der Weg nur 1,60 Meter breit sei.

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Vogel verweist dabei auf den neuen Leitfaden der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen, der eine Mindestbreite von 2,50 Meter für kombinierte Zwei-Richtungsrad- und -gehwege anregt.

Der ADFC fordert trotzdem, dass der Radweg am Altstadtring zumindest so lange freigegeben wird, bis auch dort die Brückenbauarbeiten laufen. Im Gegensatz zu Sör sieht Ott mehrere Gefahrenherde an der ausgewiesenen Umleitungsroute für Radler über Max- und Unschlittplatz, die Sör insgesamt für zumutbar hält.

Temporäre Freigabe abgelehnt

Bei drei ADFC-Kritikpunkten verspricht Bürgermeister Vogel aber Entgegenkommen. Zum einen soll die Einfädelspur der beiden Linksabbiegerspuren am Hallertor verkürzt werden, um den Konfliktbereich am Hallertürlein zu entschärfen. Zum anderen will Sör den Gehweg auf der rechten Seite der Mohrengasse in Höhe des Spittlertorgrabens für Radler freigeben.

Zudem soll frühzeitig am Halltertürlein auf die Radweg-Umleitung hingewiesen werden. Eine temporäre Freigabe der Altstadtringstraße für den Radverkehr lehnt Vogel jedoch ab. Dies würde zu einer „Verunsicherung“ führen, was Sör unbedingt verhindern möchte.

Mit Blick auf die Sicherheitslage lehnt Sör auch eine grundsätzliche Veränderung des Verkehrskonzeptes ab. Ödp und Verkehrsclub Deutschland hatten vorgeschlagen, während der weiteren Bauzeit am Hallertor den Indivualverkehr komplett umzuleiten und die Straße allein von Radfahrern und öffentlichem Nahverkehr nutzen zu lassen.

Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mit etwa 35 000 Fahrzeugen pro Tag sei dies nicht möglich, heißt es in der Vorlage für den Verkehrsausschuss, der am Donnerstag, 22. Oktober, 9 Uhr, im großen Sitzungsaal des Rathauses das Thema behandelt.

Jo Seuß

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