Handwerker haben bei Uhlandschule wohl gepfuscht

29.5.2013, 06:57 Uhr
Schädliches Gas in hoher Konzentration wurde auf der Baustelle der Turnhalle der Uhlandschule gemessen: Laut Hochbauamt haben Handwerker beim Einbau der Schutzfolie für die Dämmplatten wohl nicht ordentlich gearbeitet.

© Harald Sippel Schädliches Gas in hoher Konzentration wurde auf der Baustelle der Turnhalle der Uhlandschule gemessen: Laut Hochbauamt haben Handwerker beim Einbau der Schutzfolie für die Dämmplatten wohl nicht ordentlich gearbeitet.

Konzentrationen von über 8000 Mikrogramm pro Kubikmeter des schädlichen Gases 2-Chlorpropan hat die Stadt (wie berichtet) auf der Baustelle der Dreifachturnhalle der Uhlandschule gemessen. Entwichen ist es aus Phenolharzplatten, die zur Bodendämmung eingebaut wurden.

Der Hersteller der Platten, die Firma Kingspan, hatte ebenfalls im Labor die Konzentration von 2-Chlorpropan auf der Baustelle in der Nürnberger Nordstadt messen lassen, war für eine Stellungnahme aber trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu erreichen. Umweltreferent Peter Pluschke erklärt jedoch, dass die Messwerte von Stadt und Kingspan nicht wesentlich von einander abweichen.

Dämmplatten von Kingspan haben auch in München für Ärger gesorgt. Dort dünstete 2-Chlorpropan, das laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ab einer Konzentration von 1300 Mikrogramm pro Kubikmeter die Gesundheit schädigen kann, in zwei Kindergärten und einer Schulmensa aus. In der Landeshauptstadt möchte man künftig auf Phenolharzplatten verzichten.

Sowohl für die Stadt Nürnberg wie auch für den Hersteller war es also von großer Bedeutung, im Fall der Uhlandschule die Verursacherfrage zu klären. „Es hat sich nun ergeben, dass es sich doch um einen Einbaufehler handelt“, sagt Petra Waldmann, stellvertretende Leiterin des Hochbauamtes. „Um sicherzugehen, dass baulich alles richtig gelaufen ist, haben wir einen Teil des Bodens der Turnhalle geöffnet.“ Dabei habe sich gezeigt, dass die Handwerker die Folie, die die Dämmplatten von unten gegen Feuchtigkeit schützen soll, nicht ordentlich eingebaut haben. „In der Produktbeschreibung für den Dämmstoff wird deutlich darauf hingewiesen, dass Nässe die Platten beschädigt“, fügt Waldmann hinzu.

Probleme bereits im Kindergarten

Die verantwortliche Firma Michel aus Wilburgstetten hatte bereits beim Umbau des städtischen Kindergartens in Boxdorf Phenolharzplatten verwendet. Auch dort war es bekanntlich zu massiven Problemen mit 2-Chlorpropan gekommen, auch dort lag die Ursache laut Bauverwaltung bei den Handwerkern, die das Material falsch einsetzten. „Wir haben die Firma aufgefordert, in der Schulturnhalle den Boden auf eigene Kosten wieder zu entfernen und einen neuen zu verlegen“, sagt Waldmann. Noch sei unklar, ob die Firma den Fehler einsieht oder ob die Stadt den Boden erst einmal auf eigene Kosten austauschen muss, um anschließend das Geld einzuklagen.

„Noch haben wir die Hoffnung, dass die Turnhalle ab September benutzt werden kann“, gibt sich Waldmann zurückhaltend. Sollte sich die Baufirma aber sträuben, müsste die Stadt die Maßnahme öffentlich ausschreiben. Und das könnte die Sache so sehr verzögern, dass die Turnhalle länger gesperrt bleiben muss.

Ob die Stadt Nürnberg auch künftig zulässt, dass Phenolharzplatten in öffentlichen Gebäuden verbaut werden, ist noch unklar. Ob ein „so empfindliches Material“ wirklich geeignet ist, werde intern angeregt diskutiert, heißt es in der Stadtverwaltung. Noch fehle aber auch der politische Rückhalt. Phenolharzplatten sind preisgünstiger als vergleichbarer Dämmstoff — dieses Argument steche auch bei politischen Interessenvertretern Bedenken wegen gesundheitlicher Folgen häufig aus, heißt es.

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