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Handys im Restaurant: So gehen Gastronomen damit um

Gebühren fürs Aufladen? Fränkische Köche halten Aktion für übertrieben - 09.09.2019 05:49 Uhr

Essen ist gerade in den sozialen Netzwerken ein Stück weit zur Selbstinszenierung geworden. Auch Gastronomen plagen sich damit herum. © Sophia Kembowski/dpa


Denn es wird laut telefoniert, werden Fotos gemacht, dort muss der Akku aufgeladen werden. Und so sorgte unlängst in München ein Gastronom für Schlagzeilen, weil er von seinen Gästen 50 Cent verlangt, wenn diese in seinem Café ihr Handy in einem kleinen Schließfach aufladen möchten. Bedenkt man, dass sich die Kosten für das Aufladen eines Handys – je nach Modell - pro Jahr im ein-Euro-Bereich abspielen, verwundert das breite sich echauffieren über diese Gebühr nicht.

Eine Gebühr, die Thomas Förster nie in den Sinn käme. "Erstens kostet das doch nichts, zum anderen verzehrt der Gast ja auch etwas", sagt der Inhaber des "Bratwurst Röslein". Auch er bietet seinen Gästen die Möglichkeit an, ihre Handys in einem Schließfach aufladen zu können — aber eben kostenlos. Die Nachfrage sei einfach da gewesen, wie er sagt. Doch die Handys an der Info aufzuladen, sei nicht praktikabel. "Wenn die weg sind, haben wir ein Problem", so Förster. Auch im "Café Dampfnudel-Bäck" in St. Johannis kann man sein Handy in einem Glaskasten aufladen, in der Bratwurstküche "Zum Gulden Stern" stehen dafür Holzboxen bereit. "Es ist der Lauf der Zeit und da muss man mitgehen. Und wenn man die Wünsche nicht erfüllt, suchen sich die Gäste eine andere Location", glaubt Förster.

"Man geht nicht in die Oper und steckt das Kabel in die Dose"

Beim bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA will man die Entscheidung grundsätzlich den Gastronomen überlassen. "Wenn im Ausnahmefall ein Gast um das Aufladen seines Handys bittet, wird kaum ein Wirt dafür etwas verlangen. Anders sieht es aus, wenn mehrere Gäste regelmäßig ihr Handy aufladen wollen", sagt DEHOGA-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert. Volle Dienstleistung könne es nicht immer zum Nulltarif geben.

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Im Zwei-Sterne-Restaurant "Essigbrätlein" von Andree Köthe und Yves Ollech wird dieser Service nur selten nachgefragt. "Wenn es nötig ist, dann lädt man das Handy eines Gastes schon mal im Office auf", sagt Köthe. Und das eben kostenlos. Auch bei Sterne-Koch Fabian Denninger spielt dies in seiner "Entenstuben" kaum eine Rolle. Aber man erfülle diesen Wunsch natürlich kostenlos. Dennoch: "Man geht ja auch nicht in die Oper und steckt sofort das Ladekabel in die Steckdose", wie er zu bedenken gibt. Grundsätzlich sieht er die Handy-Nutzung im Restaurant differenziert. "Wenn jemand das Essen fotografiert, ist das kein Problem. Telefoniert jemand lautstark oder stellt das Handy nicht leise, dann eben doch", so Denninger. Dann mache man den Gast höflich darauf aufmerksam und bitte ihn, das Handy leise zu stellen.

"Das lässt sich auch vernünftig klären"

Alleine ist er damit nicht: Eine Umfrage des Nachrichtendiensts Bloomberg aus dem Jahr 2016 bei 20 führenden Restaurants weltweit zeigte: Nachrichten schreiben und fotografieren geht für die meisten Küchenchefs und Restaurantleiter in Ordnung, telefonieren gefällt ihnen hingegen weniger. Für Andree Köthe vom "Essigbrätlein" zählt in solchen Situationen, sensibel vorzugehen.

 

"Das ist manchmal ein bisschen schwierig, wenn Gäste etwa aus einem anderen Kulturkreis stammen, die vielleicht einen ganz anderen Umgang mit dem Handy pflegen", so Köthe. Von einem Handy-Verbot, wie es manche Gastronomen praktizieren, etwa in Köln,hält er nichts. "Das lässt sich auch vernünftig klären."

"Dann ist das immer auch Werbung für uns"

Ähnlich sieht es Thomas Förster vom "Bratwurst Röslein". "Das muss man den Gästen schon selbst überlassen“, wie er sagt. "Zum anderen sind die sozialen Netzwerke für uns wichtig. Wenn die Leute Fotos posten, ist das immer auch Werbung für uns." Thomas Geppert vom DEHOGA betont, dass der Gastwirt das Hausrecht habe und frei entscheiden könne. Aber man habe die Problematik erkannt: Und so treibt der bayerische DEHOGA derzeit eine entsprechende Kampagne voran: Am "Mischtisch“, der bei teilnehmenden Gastronomen ein einheitliches Label hat, sollen Menschen zusammenkommen.

"Wenn Menschen alleine in ein Restaurant gehen, brauchen sie sich nicht mit ihrem Handy zu unterhalten", so Geppert. Auch gebe es Gastronome, die einen Korb auf den Tisch stellen, in dem die Smartphones gesammelt werden. Manche Gäste entwickeln daraus eine eigene Challenge: Wer als Erster zu seinem Smartphone greift, zahlt die nächste Runde. 

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