10°

Sonntag, 16.05.2021

|

zum Thema

Happy End nach Streit um Spenden für herzkranken Jungen?

Weil das Finanzamt nicht alles anerkennt, sollen Eltern Geld wieder zurückgeben - 23.04.2021 06:00 Uhr

Basti hat die Operation in den USA gut überstanden. Schwer krank ist der Bub aber noch immer.

22.04.2021


Rückblick: Im Sommer 2013 kommt Basti zur Welt – mit nur einem halben Herzen. Und nicht nur das: Zusätzlich kommt es auch noch zu Komplikationen. Vor drei Jahren dann schlagen die Ärzte Bastis Eltern eine experimentelle Behandlung vor – bei Spezialisten in den USA. Das Problem: Die Krankenkasse will dafür zunächst nicht aufkommen. Die Ärzte aber sind überzeugt: Der Eingriff muss so schnell wie möglich geschehen. Was tun?

Ein Verwandter der Familie organisiert zusammen mit der Kolpingfamilie Herz Jesu in Sulzbach-Rosenberg – dort wohnen Basti und seine Eltern – eine Spendenaktion. Der Vorteil der Kooperation: Anders als eine Privatperson kann die Kolpingfamilie als gemeinnütziger Verein Spendenbescheinigungen ausstellen. Spender können das, was sie geben, damit beim Finanzamt geltend machen. Knapp 600.000 Euro kommen zusammen – genug, um Spezialflug und die Therapie in Philadelphia zu bezahlen.

Die Familie reist in die USA. Anders als befürchtet, kann Basti nun doch mit einem viel günstigeren Linienflugzeug reisen. Und dann lenkt auch noch die Krankenkasse ein und kommt wider Erwarten doch für die Kosten auf.

Kolpingfamilie kann gar nicht anders

Nur: Bis dahin haben Bastis Eltern aus dem Spendentopf bereits 100.000 Euro erhalten. Gekostet hat sie die Erkrankung ihres Kindes mittlerweile aber weit mehr. Da ist der Verdienstausfall, weil man den kranken Sohn betreut, der Jobverlust, da sind die Fahrtkosten zu Ärzten, Handwerker, die man beauftragen muss, weil das Haus gerade noch im Rohbauzustand ist, der Vater jetzt aber beim besten Willen nicht auch noch auf der heimischen Baustelle arbeiten kann.


Stammzellspender werden beim Corona-Test: Idee sucht Nachahmer


"Wir wollen uns nicht bereichern", sagt Bastis Mama. Die Kolpingfamilie hatte geklagt und einen Teil des bereits ausgezahlten Geldes – rund 40.000 Euro – zurückgefordert. Das Landgericht Amberg gibt der Kolpingfamilie Recht. Bastis Eltern jedoch wehren sich gegen das Urteil. Nun also trifft man sich zum Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht in Nürnberg. Das Problem in dem Verfahren: Die Kolpingfamilie kann gar nicht anders. Die Spendengelder sind zweckgebunden geflossen – das Finanzamt jedoch hat (trotz großzügiger Prüfung) beim besten Willen nur 60.000 der 100.000 Euro als Mildtätigkeit anerkannt. Belässt es der Verein nun aber dabei und fordert das Geld nicht zurück, so riskiert er seine Gemeinnützigkeit.

Praktische Lösung

Ein Urteilsspruch? Unnötig. Die beiden Parteien werden sich im Berufungsverfahren auch so einig. Die Kolpingfamilie hat bereits vor dem Verhandlungstermin damit begonnen, einen Teil der Spender zu kontaktieren: Ob sie das bereits gegebene Geld nicht vielleicht schenken würden, anstatt es zu spenden? Steuerlich geltend machen kann man die Beträge dann zwar nicht – Basti und seiner Familie wäre damit aber sehr geholfen. 11.000 Euro sind so schon zusammengekommen. Jetzt will man noch mehr Spender erreichen. Die Hoffnung: Genug Menschen sollen ihre Spende nachträglich als Schenkung deklarieren. Ein ganzes Jahr lang nimmt sich die Kolpingfamilie dafür Zeit, bevor sie von den Eltern Geld zurückfordern würde.

Ebenfalls einig wird man sich bei den restlichen knapp 500.000 Euro, die bei dem Spendenaufruf zusammengekommen, aber nicht ausbezahlt worden sind. Bastis Eltern wünschen sich, dass das Geld für andere kranke Kinder ausgegeben wird – und die Kolpingfamilie nimmt von ihnen künftig gern Vorschläge entgegen. Und wie geht es Basti nach seiner OP? Schwer krank ist er noch immer. "Er ist so ein toller Kämpfer", sagt sein Papa.

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Nürnberg