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Heimatsuche für "Notfellchen": Hamsterhilfe rettet Nager-Leben

Organisation betreibt Pflegestellen und vermittelt die Tiere - 11.03.2019 12:37 Uhr

Lecker! Hamster Josef knabbert an einem Kolben. Doch nicht jedes Tier wird artgerecht gehalten. © F.: Manuela Prill; privat


Einen halben Quadratmeter Grundfläche sollte ein Zwerghamstergehege mindestens haben. Genug Platz für ein großes Laufrad, ein Mehrkammernhaus und andere Versteckmöglichkeiten, Sandbad, dazu Trink- und Futterschale. Ganz wichtig zudem: Die Bodenstreu muss gut 20 Zentimeter hoch aufgeschüttet werden – unerlässlich für die flinken Nager zum Tunnelgraben. Oft sieht ein Hamster-Zuhause aber so aus: viel zu kleiner Käfig mit Minilaufrad und nur wenig Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet. Manchmal finden sich Leitern und Kletterstangen, dabei klettern Hamster überhaupt nicht gerne. "Das ist ein Vorurteil", sagt Manuela Wimmer von der Hamsterhilfe Mittelfranken. "Klar, sie machen es, wenn der Käfig zu klein ist. Wo sollen sie sonst auch hin? Wenn aber die Fallhöhe zu hoch ist, kann das für die Tiere gefährlich sein."

Die 22-jährige Erlangerin hat die private Hamsterhilfe ins Leben gerufen. Mit 18 hatte sie ihren ersten eigenen Hamster – die Eltern waren vorher gegen ein Haustier – und beschäftigte sich intensiv mit artgerechter Haltung. Es dauert nicht lange, bis sie erste Pflegetiere aufnahm. "Aber ich konnte natürlich nicht alle behalten", erzählt Wimmer. Also nahm sie via Facebook Kontakt zu anderen Hamsterfans auf und fand Mitstreiterinnen.

Ein bundesweites Netzwerk

Celina Pelka, Manuela Wimmer und Lynn Abraham (von links) engagieren sich bei der Hamsterhilfe Mittelfranken. © F.: Manuela Prill; privat


Mit im Team sind Lynn Abraham (22) aus Tuchenbach, Celina Pelka (19) aus Feucht sowie drei weitere junge Frauen aus Nürnberg und Adelsdorf. Zusammen agieren sie seit gut einem halben Jahr offiziell als Hamsterhilfe Mittelfranken, nehmen Tiere in Pflege und vermitteln sie gegen Schutzgebühr – dank bundesweitem Netzwerk ähnlicher Initiativen – in ganz Deutschland.

Oft stoßen sie im Internet auf sogenannte "Notfellchen". Der Kleinanzeigenmarkt ist voll von Tieren, die abgegeben werden sollen. Die Hamsterhelferinnen versuchen herauszufinden, warum. Stecken Probleme bei der Haltung dahinter? Frust, weil das Tier nicht den Erwartungen entspricht? Hat es unfreiwillig Nachwuchs gegeben? Oder hat sich jemand selbst als Züchter versucht? "Hinter fast jeder Anzeige steckt ein Schicksal", beschreibt Manuela Wimmer, auf welche Realitäten sie dabei stoßen.

Nachtaktiv im Kinderzimmer

Geht es um Probleme bei der Haltung, versuchen sie und ihre Mitstreiterinnen durch Aufklärung zu helfen. Häufig sei einfach Unwissenheit über die artgerechte Unterbringung die Ursache. Etwa wenn Hamster, die von Natur aus Einzelgänger sind, zu zweit gehalten werden. "Wir hatten kürzlich einen Fall mit sechs Hamstern in einem Gehege, die hatten alle Bisswunden", berichtet Celina Pelka. Ein zu kleines Laufrad kann schnell zu schlimmen Haltungsschäden führen.

Allgemein bekannt ist eigentlich, dass die Nager nachtaktiv und scheu sind. Trotzdem stehen sie oft in Kinderzimmern und sollen tagsüber präsent und am besten noch ein knuddeliger Spielkamerad sein. Dafür sind Hamster aber überhaupt nicht geeignet. Werden sie zu leichtfertig gekauft? Das Team der "Hamsterhilfe Mittelfranken" glaubt schon. Sie würden sich wünschen, dass jeder, der einen Hamster haben möchte, sich im Vorfeld genau über seine Bedürfnisse informiert.

Auf ihrer Internetseite hat die Initiative ein Hamsterlexikon mit vielen Informationen zu Haltung Käfigausstattung und Futter zusammengestellt. Zudem sind Steckbriefe von aktuellen Abgabetieren zu finden.

Manuela Prill

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