Montag, 18.11.2019

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"Herz schlägt Hass": Pfeifkonzert gegen Pegida in Nürnberg

Redner mit Kritik an Stadt und OB: Rechte fühlen sich "wie in Wellness-Oase" - 22.07.2018 19:11 Uhr

Klare Worte und ein Mittelfinger: Die Pegida-Gegner fanden in Nürnberg deutliche Worte - und eine klare Symbolik. © Günter Distler


Birgit Mair ist noch immer fassungslos. "Am 30. Juni war Nürnberg eine Stadt der rechten Menschen und nicht die Stadt der Menschenrechte", klagt die Aktivistin vom Bündnis Nazistopp. Bei einer Demo waren mehr als 200 Rechtsextreme nahezu ungestört durch Nürnberg gezogen. "Die haben sich gefühlt wie in einer Wellness-Oase", sagt Mair. Lediglich am Rathenauplatz hatten rund 80 Gegendemonstranten versucht, die Rechtsradikalen in die Schranken zu weisen.

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Breiter Protest gegen Pegida-Demo in der Nürnberger Südstadt

Sie zogen vom Aufseßplatz über die Breitscheidstraße, die Pillenreuther Straße, Celtisstraße zum Südstadtpark und schließlich wieder zurück zum Aufseßplatz: Am Sonntag demonstrierten die Islamfeinde von Pegida, sahen sich dabei jedoch mit einer breiten Gegenbewegung konfrontiert, die deutlich in der Überzahl war.


"Was ist mit Oberbürgermeister Ulrich Maly? Was ist mit der Stadt der Menschenrechte?", fragt Mair. Sie kritisiert, dass das von Maly hochgelobte Bündnis "Nürnberg hält zusammen" in den vergangenen drei Jahren nur einen Bruchteil der Gegenkundgebungen mitorganisiert hätte. Sie fände es schön, wenn sich der OB auch mal bei den Protesten blicken ließe.

Gewerkschaftler: Seehofer muss zurücktreten

Auch in Richtung der rund 35 Pegidisten fand Mair klare Worte: "Ihr lügt, wenn ihr sagt, dass ihr nichts mit Neonazis zu tun habt." In ihren Reihen befänden sich Leute, die auch an der erwähnten Demo am 30. Juni teilgenommen hatten. Ein Pegida-Aktivist hatte sogar das Frontbanner getragen, das die Freilassung der verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck forderte. Umso wichtiger ist es laut Mair, Präsenz zu zeigen.

Gewerkschaftssekretär Frank Bess richtete den Blick auch nach München, wo am Sonntagnachmittag viele Tausende Menschen unter dem Motto "Ausgehetzt" gegen die Politik der CSU demonstrierten. Innenminister Horst Seehofer forderte er zum Rücktritt auf, nachdem dieser mit Blick auf das Schiff "Lifeline" die Rettung von Menschenleben kriminalisiert habe.

Die Reden der Pegida-Aktivisten Gernot Tegetmeyer und Michael Stürzenberger am Aufseßplatz gingen in einem Pfeifkonzert unter. Für Gelächter unter den laut Bündnis Nazistopp bis zu 300 Demonstranten sorgte Tegetmeyers Äußerung, bei Pegida noch nie jemanden gesehen zu haben, der Hass aussäe. "Nazis raus"-Rufe hallten später auch über den Karl-Bröger-Platz, wo die Pegidisten bei ihrem Spaziergang eine Zwischenkundgebung abhielten. Laut Polizei blieb es insgesamt friedlich.

Johannes Handl Lokalredaktion E-Mail

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