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Herzklopfen pur! Mit dem Lastenfahrrad durch Nürnberg

Jo Seuß testet das dreirädrige Gefährt und zieht ein Fazit - 21.05.2019 06:00 Uhr

NN-Redakteur Jo Seuß bei der ersten Fahrt mit dem dreirädrigen Lastenrad "Chike" von der gleichnamigen Kölner Firma, deren innovatives E-Cargobike 2018 auf den Markt kam. © Foto: Eduard Weigert


Ein bisschen Herzklopfen ist dabei, als ich das erste Mal auf dem "Chike" sitze, eher zurückhaltend in die Pedale trete und in die erste Kurve einbiege. Der Grund für meine Vorsicht liegt 20 Monate zurück. Weil ich damals in Kopenhagen dachte, man könne mit einem dreirädrigen "Christiania-Bike" ganz lässig links abbiegen, wäre ich bei meiner allerersten Lastenfahrradfahrt um ein Haar umgekippt. Ein kleiner Schock fürs Leben.

Um den endlich loszuwerden, habe ich mich bereit erklärt, einen Lastenfahrradtest zu machen. Der Avanti-Laden in der Parkstraße in Maxfeld gilt als gute Anlaufstelle dafür, denn der drahtige Inhaber Ralf Sander (55) ist ein erfahrener Velo-Experte. Das Christiania-Bike-Pendant von "Nihola" stellt er mir als Einsteigermodell vor, "das die meisten nach zwei Jahren verkaufen", wie er hinzufügt. Wegen des diffizilen Kurvenverhaltens. Weshalb er mir zu einem moderneren Gefährt rät – und zu einem Elektromotor.

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Obwohl ich mit den zweirädrigen Transporträdern von "muli" und "Babboe" ganz gut zurecht komme (sie fahren sich wie normale Fahrräder!), entscheide ich mich für das dreirädrige "Chike", das der Kölner Manuel Prager 2018 auf den Markt gebracht hat. Ein moderner Lastendrahtesel, den ich zuerst mit purer Ladefläche teste, auf der zwei Wasserkästen mit Gurten festgemacht sind. Und ich fliege nicht aus der Kurve! Denn die zwei "Chike"-Vorderräder haben eine Neigetechnik, dank der man sich in die Kurve legen kann und selbige elegant meistert.

Über den Dingen schweben

Aufatmen nach der ersten Runde. Dann wird die Ladefläche flugs mit drei Brettern und Bezug zur wetterfesten Kiste gemacht, die stolze 80 Liter fast, aber auch 73 Zentimeter breit ist. So mache ich mich auf den Weg und stelle schnell fest: Ein Lastenrad braucht so viel Platz auf der Straße, dass sich Autos schon hinten anstellen. Die Acht-Gang-Nabenschaltung kann man manuell oder per Automatik per Knopfdruck bedienen. Vor allem an Steigungen empfiehlt Ralf Sander (zurecht!) die händische Variante.

Anleitung muss sein: Fahrradhändler Ralf Sander (re.) erklärt hier Jo Seuß, was beim zweirädrigen Babboe-City-Lastenrad zu beachten ist. © Foto: Jo Seuß


Sein Tipp, beim E-Motor die höchste von drei Stufen zu wählen, entpuppt sich spätestens beim vollbeladenen Trip hoch zur Burg als goldrichtig. Kräftig treten muss man übrigens wie bei allen Pedelecs, doch der Ritt mit dem "Chike" macht Spaß. Durch den erhöhten Sitz schwebt man quasi über den Dingen und fühlt sich stets sicher. Auch weil die Scheibenbremsen kräftig und zugleich geschmeidig zupacken.

Durch den Bordcomputer an der Lenkstange ist man stets informiert, wie lange der Akku noch hält und wie schnell man gerade unterwegs ist. Wegen der vorgeschriebenen Drosselung auf Tempo 25 braucht man sich nicht groß bemühen, denn ab 27 hat man das Gefühl, gegen hundert Widerstände anzukämpfen.

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Einen Großeinkauf samt Wasserkiste, Säften, Sekt und Obst bekommt man locker in die Kiste. So ist das E-Lastenrad ein guter Beweis, dass es ökologische Alternativen für das Auto gibt. Mit Blick auf den raschen Wertverlust von Neuwagen klingt der Neupreis des "Chike" von rund 5500 Euro (inklusive der empfehlenswerten flexiblen Sattelstütze) gar nicht so hoch – zumal ja inzwischen auch Zuschüsse der Kommune winken.

Sinnvoll erscheint mir die Überlegung, ob man dieses hochwertige Transportrad wirklich allein braucht oder es sich lieber mit anderen zusammen anschafft (sofern man damit nicht den Nachwuchs täglich zum Kindergarten kutschiert – die Variante mit Kinderkabine kostet um die 6000 Euro). Eines wird einem nach drei Tagen nämlich klar: Das (Rad-)Wegenetz mit vielen schmalen Streifen ist in Nürnberg noch lange nicht auf breite Lastendrahtesel wie das "Chike" abgestimmt. Und viele Sperrpfosten gegen Autos und der Schilderwald bei Baustellen bremsen einen regelmäßig aus. Zurück auf die Straße, heißt es dann, wo Lkw knapp an einem vorbeizischen. Da kommt Herzklopfen auf.

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