Hommage an ein einzigartiges Kulturgut

12.9.2015, 13:35 Uhr

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Die 1956 in Nürnberg geborene, derzeit abwechselnd in Berlin und Oberitalien lebende Künstlerin Sabine Frank hat seit 1999 mehr als zwölfhundert „Porträts“ von Broten gemalt. Dabei handelte es sich ausschließlich um „handwerklich gefertigte Backwaren“, wie die Künstlerin versichert.

Nur ein einziges Mal sei sie in München auf einen „besonders gut kaschierten Laden“ einer der bekanntesten Bäckerei-Ketten „hereingefallen“. Die von ihr malerisch dokumentierten „richtigen“ Brote fand sie nicht nur überall in Deutschland, sondern auch in Italien, Frankreich, Luxemburg, Österreich, in der Schweiz und in Griechenland.

Wichtiges Nahrungsmittel

Um den dokumentarischen und kulturgeschichtlichen Ansatz ihrer Arbeit zu unterstreichen, malt Sabine Frank ihre Brot-Bilder stets auf sehr alte, vergilbte und oft auch beschädigte Drucksachen, handschriftliche Briefe und Verträge. Brote interessieren die Malerin nicht nur als ein wichtiges traditionelles Nahrungsmittel, dessen Qualität durch maschinelle Massenproduktion und die allgemeinen Markt-Gesetze bedroht ist. Ebenso wichtig erscheint ihr der permanente Hinweis auf das Kulturgut Brot, dem in vielen Ländern seit jeher auch eine spirituelle und symbolische Bedeutung zugesprochen wird.

So wird etwa in mittelalterlichen religiösen Texten Christus oftmals als „Brot des Lebens“ bezeichnet. Die eucharistische Gabe Brot steht im Mittelpunkt der christlichen Abendmahlsfeier. Zu den Opfergaben im antiken salomonischen Tempel in Jerusalem gehörten zwölf Schaubrote. In der Verbindung mit Salz ist das Brot in Griechenland und in vielen Ländern des Vorderen Orients bis heute ein Sinnbild der (Gast-)Freundschaft.

Neben dem Brot hat Sabine Frank in den vergangenen Jahren auch noch diversen anderen (für sie wichtigen) Nahrungs- und Genussmitteln malerische Denkmäler gesetzt. Sie schuf wunderbar schlichte Bilder von Milch in irdenen Krügen, von altmodischem Weihnachtsgebäck, von Gläsern und Karaffen, in denen purpurner Wein funkelt, von rotbackigen Äpfeln und von kristallklarem Wasser.

Vorwurf: „Elitär“

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„Das waren alles einmal ganz einfache, ganz alltägliche, fast selbstverständlichen Dinge, die heute offenbar zunehmend Luxus werden“, meint die Künstlerin. In München sei sie von Vertretern der Back-Industrie als „elitär“ bezeichnet worden: „Die Großunternehmer haben mir erklärt, dass nur sie auf lange Frist das tägliche Brot der normalen, nicht besonders wohlhabenden oder privilegierten Leute sichern.“

Sabine Frank begann ihre Brote zu malen, als vor 16 Jahren ihre Münchner Lieblings-Bäckerei wegen Nachwuchsmangels geschlossen wurde. Mittlerweile ist die gesamte Serie für sie eine Art langsamer, melancholisch-nostalgischer Abschied von einem Stück gewachsener Volks-Kultur und auch ein Abschied von dem sozialen Ziel der „Lebensqualität für alle“, das zumindest in den reichen europäischen Ländern zeitweilig greifbar nahe schien.

Galerie Atzenhofer, Maxplatz 46a: Brot-Porträts von Sabine Frank. Bis 10. Oktober, Do.–So. 13–18 Uhr.

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