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Hummelsteiner Park: Totholz als "Hotspot der Biodiversität"

Umbaumaßnahmen in der Grünanlage im Nürnberger Süden dienen dem Baumschutz - 17.04.2021 20:01 Uhr

Ein Bauzaun zieht sich momentan um einen Teil des Hummelsteiner Parks. Er ist aus Schutz- und Sicherheitsgründen aufgestellt worden und wird dort auch bleiben.

14.04.2021 © Michael Matejka


Der Hummelsteiner Park im Nürnberger Süden gehört zu den beliebtesten Grünflächen mitten in der Stadt: Biergarten, Spielplatz, das Hummelsteiner Schloss mit dem ehemaligen Schlossgraben, ein Heckengarten, naturbelassene Fläche und ein sehr alter Baumbestand – zwischen Langobarden- und Normannenstraße ist für jeden Parkbesucher auf der Suche nach Naherholung etwas dabei. Nicht umsonst wird er von vielen als der schönste Park Nürnbergs bezeichnet. Aktuell erreichen die Redaktion aber immer wieder Fragen: Was macht der Bauzaun mitten im Park? Warum sind dort Bänke und Sitzgelegenheiten verschwunden und bleiben teilweise Baumstümpfe stehen? Dass das nichts mit unzureichender Pflege, sondern – im Gegenteil – unter anderem dem Naturschutz dient, erklärt André Winkel, Sprecher beim städtischen Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör).

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Schutz der alten Eichen

Ein hoher Bauzaun zieht sich aktuell durch einen Teil des Parks und teilt den Zugang zu rund 20 der alten Eichen im Hummelsteiner Park ab. Manchen Parkbesucher stört der Anblick des Zauns, der dort seit letztem Herbst steht – er erfüllt aber einen wichtigen Zweck: "In diesem Bereich stehen einige Eichen, die etwa 180 bis 200 Jahre alt sind", erklärt Winkel.

Ein kleines Meer an Blausternen blühte in diesem Frühjahr im eingezäunten Bereich rund um die schützenswerten Alteichen im Hummelsteiner Park.

15.04.2021 © Servicebetrieb Öffentlicher Raum


"Sie sind nicht im allerbesten Zustand und müssen deshalb geschützt werden". Daher bliebe dieser Teil des Parks auch weiterhin abgetrennt, bis im Oktober dann schließlich die Umbaumaßnahmen beginnen: Der Bauzaun werde dann parallel zum Weg durch einen etwa 1,15 Meter hohen Stabgitterzaun ersetzt, beschreibt der Sör-Sprecher die geplanten Maßnahmen. "Durch diese Höhe bleibt der Blick auf die Grünfläche möglich, stellt aber gleichzeitig eine Barriere dar".

Einzäunung aus Sicherheitsgründen

Denn die Einzäunung dient zum einen dem Baum- zum anderen dem Schutz der Parkbesucher: "Die alten Bäume haben einen gewissen Totholz-Anteil und da kann auch mal ein Ast abbrechen und herunterfallen – es geht also auch um den Sicherheitsaspekt", so Winkel. Die Bäume wiederum werden "in Ruhe gelassen" – besonders alte Bäume nämlich können oft mit dem Druck von oben, der beim Begehen ihrer unterirdischen Wurzeln entsteht, nicht gut umgehen. Zu deren Schutz werde daher jedes Register gezogen. Und auch im Volkspark am Dutzendteich sei diese Methode bereits zum Einsatz gekommen, dort aber aufgrund der anderen Umgebung mit anderen Zäunen, wie Winkel erklärt.

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Neue Sitzgelegenheiten werden geprüft

Das Ziel sei, dort Ende des Jahres Frühjahrsblüher-Flächen anzulegen, auch Farne sollen hinzukommen – "für eine naturbelassene Fläche, die man aber eben nicht mehr begehen kann", fasst Winkel zusammen. Für all diejenigen, die die Sitzbänke und Tische vermissen, kündigt der Sör-Sprecher an, dass mit dem zuständigen Bezirk derzeit geprüft werde, ob in diesem Umfeld Tisch-Bank-Kombinationen aufgestellt werden können, um den Parkbesuchern eine Gelegenheit zum Verweilen geben zu können. Besonders der in der Nähe gelegene Bereich zwischen Gehweg und Sperberschule sei dafür ins Auge gefasst worden.

Biotop-Fläche mitten im Park

Die Erhaltung der alten Bäume habe auch deshalb hohe Priorität, weil sie wichtige Biotope für Vögel, Fledermäuse und Insekten darstellen. Aus diesem Grund hat Sör in diesem Bereich zum Beispiel auch Totholz, alte Baumstämme von bereits abgestorbenen Eichen dort hingelegt – diese können dort verrotten. "Wir betonen in diesem Abschnitt den Biotop-Charakter", so Winkel. "Die Bepflanzung dort wird Ende des Jahres auch noch um die Pflanzung von Frühjahrsblühern ergänzt. Aber etwas, das man bereits in diesem Jahr beobachten konnte: Wenn man Bereiche abtrennt und für den Menschen nicht zugänglich macht, können sich dort auch auf natürliche Weise wieder Frühblüher entwickeln". Sichtbar wurde das zum Beispiel durch zahlreiche Blausterne in den diesjährigen Frühjahrsmonaten.

Totholz als "Hotspot der Biodiversität"

Dass Baumstümpfe stehen bleiben, könne durchaus einmal sein, so Winkel. Wenn bei Pflegemaßnahmen im Herbst abgestorbene Bäume gefällt werden, werden die Baumstämme manchmal erst später entfernt. "Im Alteichenbereich aber, bleiben zum Beispiel auch die Baumstämme bereits abgestorbener Eichen stehen. Sie stellen ebenfalls sehr wertvolle Quartiere für Insektenarten, Vögel und Fledermäuse dar. Besonders alte Eichen sind ein Hotspot der Biodiversität." Auch alte Totholzbäume werden also dort bleiben – unter regelmäßiger Prüfung ihrer Standsicherheit. Früher habe man solche Bäume einfach gefällt und entfernt – heute ginge man damit anders um, so Winkel. "Wir akzeptieren nun auch alte, abgestorbene Bäume und wissen darum, wie wertvoll diese als Biotop in einer Fläche sind". Beim Besuch eines Parks freut man sich über den Anblick einer gepflegten Anlage, dass Totholz aber ein wichtiger Lebensraum ist und zu dem Gesamtpaket "Natur" gehört, darf nicht vergessen werden. Zur Information der Bürgerinnen und Bürger ist zudem noch ein Plakat mit einer Erklärung für die Gründe des Bauzauns geplant.


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Katja Kiesel Volontärin Lokalredaktion E-Mail

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