Ikea in Nürnberg: Bund Naturschutz schaltet sich ein

2.5.2017, 05:44 Uhr
Die Pläne des schwedischen Möbelriesen sind weit fortgeschritten. So - oder so ähnlich - soll die neue Filiale an der Regensburger Straße aussehen.

Die Pläne des schwedischen Möbelriesen sind weit fortgeschritten. So - oder so ähnlich - soll die neue Filiale an der Regensburger Straße aussehen. © Ikea

Die für das Möbelhaus Ikea vorgesehene Fläche an der Regensburger Straße sei trotz ihrer bevorzugten Lage an einer Einfallstraße mit nahezu ungehindertem Autobahnanschluss im Moment aus Sicht des Bund Naturschutz "zumindest im östlichen Teilbereich gewerblich nur ungenügend genutzt", heißt es in der Stellungnahme. Gewerbe mit hoher, Pkw-gebundener Kundenfrequenz seien hier deshalb bevorzugt anzusiedeln, findet der BN, und lehnt den Neubau des Möbelriesen an diesem Standort deshalb nicht grundsätzlich ab.

"Die erhebliche Erhöhung des Verkehrsaufkommens bedingt aber eine kritische Betrachtung der Maßnahme", so der BN weiter. Dazu käme die erhebliche Konkurrenzwirkung für den innerstädtischen Handel, da sich das Angebotssortiment von Ikea bei weitem nicht auf Möbel beschränke. "Eine Unterversorgung mit Einrichtungshäusern im Ballungsraum kann der Bund Naturschutz zudem nicht erkennen. Es ist daher von einer Verlagerung des Verkehrs und des Kaufverhaltens auszugehen."

Des Weiteren sehen die Naturschützer bei den Planungen weitere "drastische nachteilige Folgen in vielen Bereichen". Die landesplanerische Einschätzung, das Bauvorhaben beinhalte keinen erheblichen Eingriff in Umweltschutzgüter, sei laut BN falsch und stehe daher eindeutig im Widerspruch zum Umweltbericht. Hier werde beim Schutzgut "Pflanzen, biologische Vielfalt und Tiere" noch von erheblichen Auswirkungen gesprochen, so der BN.

Querung schwer möglich

Die Regensburger Straße verläuft zwischen der Autobahn und dem geplanten Einrichtungshaus zudem fast vollständig im Reichswald. Eine Querung der Regensburger Straße vom südlichen Radweg in den ausgedehnten Reichswald im Norden ist bereits heute nur extrem schwer möglich. "Hier spielen nicht nur die hohe Geschwindigkeit und Kfz-Menge eine Rolle. Fehlende Anknüpfungspunkte im Wegesystem und mangelnde Querungshilfen reduzieren den Radweg nahezu auf eine reine Verbindungsfunktion Langwasser/Altenfurt/Fischbach-Zentrum", so der Verein.

Wenn sich das Verkehrsaufkommen durch das neue Möbelhaus weiter erhöht, müsse die "Durchgängigkeit der Regensburger Straße deshalb für den Rad- und Fußverkehr verbessert werden". Der BN schlägt dafür drei Maßnahmen vor.

Zum einen fordert er den Bau einer Fuß- und Radwegeverbindung von der Einmündung Breslauer Straße nach Osten, die an das Forstwegesystem anknüpft, das in Fischbach etwa auf Höhe der Straße "Am Hartgraben" endet. Direkt an der Ampel Breslauer Straße fehle östlich ein Stück Weg bis zur Einmündung des Forstweges. Dies könnte ohne Waldverlust realisiert werden, glaubt der Verein.

Zum anderen hält er eine zusätzliche Querung auf Höhe der Freileitungstrasse westlich der Einmündung Breslauer Straße über einen Fußgänger- und Radfahrertunnel für sinnvoll. So würde eine "wichtige Direktverbindung Richtung Holzweiher und Schmausenbuck geschaffen". Eine zusätzliche Querungsmöglichkeit sollte auf Höhe des Möbelhauses über einen Fußgänger- und Radfahrertunnel realisiert werden, der an das vorhandene Forstwegesystem in Richtung Russenwiese anknüpft.

Bessere ÖPNV-Verbindung

Die breite Angebotspalette von Ikea spricht laut Bund Naturschutz außerdem gezielt auch Kunden an, die beim Einkauf nicht zwingend auf ein Auto angewiesen sind. Aber die mögliche ÖPNV-Anbindung des Einrichtungshauses über eine Verlängerung der Buslinie 44 ist laut BN ungenügend, da "diese wegen der Randlage im städtischen Liniensystem nicht optimal vernetzt ist".

Die Naturschützer gehen daher davon aus, dass ein ÖPNV-gebundener Innenstadthandel in diesem Fall weitgehend durch Autos ersetzt würde. "Das ist abzulehnen und das Sortiment entsprechend zu beschränken", findet der BN und nennt als mögliche Lösung dieses Problems etwa die Einrichtung einer "Carsharing-Station speziell für sperrige Güter" auf dem Areal.

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