12°

Mittwoch, 16.10.2019

|

Im braven Mögeldorf geht’s herzlich zu

Persönlicher Blick der NZ-Redakteure auf unser Nürnberg - 18.09.2019 13:07 Uhr

Idyllisch im Grünen: Das Langseebad ist ein beliebter Rückzugsort an heißen Tagen. © Harald Sippel


Dieser Stadtteil ist wie ein Lackmus-Test dafür, wie bürgerlich jemand tickt. In jungen Jahren im hippen Multi-Kulti-Gostenhof wohnen, die Südstadt für die niedrigen Mieten loben und später, wenn das Kind eingeschult wird, rechtzeitig in den braven Osten der Stadt ziehen – in Nürnberg ist das eine recht häufige Umzugskarriere, jedenfalls wenn man es sich leisten kann und noch ein Plätzchen findet.

In Mögeldorf, vor allem um den Schmausenbuck herum und in der Villenkolonie Ebensee, sind die Mieten mit am höchsten in der Stadt. Hier ein Eigenheim zu besitzen, löst staunende Anerkennung aus, manchmal auch Neid. Als Nachbarn hat man Andreas Köpke, den Torwarttrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Als wir vor acht Jahren herzogen vom quirligen Nordostbahnhof, bestätigten sich alle Vorurteile. Die Bürgersteige wurden bei Anbruch der Dämmerung hochgeklappt, im Hallenbad des Post SV beäugten die vielen rüstigen Rentner ganz genau, wohin man sein Handtuch hängt, aus dem Burschenschaftshaus der Teutonia waren patriotische Gesänge zu hören.

Langseebad und Pegnitztal-Ost um die Ecke

Geändert hat sich daran nichts, aber ich habe die Vorteile zu schätzen gelernt: eine Sprengelschule, in der der Nachwuchs bestens situierter Eltern und die Kinder aus der WBG-Siedlung zusammen lernen, nämlich Töchter und Söhne von Verkäufern und Schneiderinnen. Das Lernniveau ist gut, alle Kinder sprechen Deutsch, die Eltern sind fast schon zu ehrgeizig.

Das Langseebad bietet Rückzug an heißen Tagen, es gibt mehrere Kitas und Sportvereine, viele Supermärkte und vor allem: das idyllische Pegnitztal-Ost, das im Dezember vergangenen Jahres zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Ein Paradies, in dem alte Bäume im Wind rauschen, Frösche quaken, Schafe Brennnesseln fressen, Kinder Weinbergschnecken und Schmetterlinge sehen und Steinchen in die Pegnitz werfen.

In den letzten Jahren sind immer mehr Familien nach Mögeldorf gezogen, der junge Stadtteil Rehhof schmiegt sich in stadtauswärtiger Richtung ganz eng an, das noch im Bau befindliche Quartier Langseestraße wird knapp 100 Wohnungen beisteuern – entstanden auf einer Wiese, auf der früher ein Zirkuszelt stand, um Schulkindern Jonglieren und Selbstbewusstsein beizubringen.

An jedem schönen Wochenende wird gegrillt

Nicht nur in Mögeldorf entsteht Neubau auf engem Restraum, mit fantasiearmer Architektur und einem handtuchgroßen Garten. Vor der Haustür steht oft ein schwarzer SUV, an jedem schönen Wochenende wird der Grill angeschmissen. Manche mögen darin eine Vorstadthölle sehen, deren Bewohner die Protagonisten einer Fernsehserie über das Spießerleben sein könnten. Das aber sagen wohl nur die, die nicht wissen, wie wohltuend die freundliche Nachbarschaft ist und wie herzlich der Umgang miteinander.

Kürzlich saß ich mit dem Nachbarn zusammen, er kommt aus einem kleinen Ort in Niederbayern. "Hier ist es wie im Dorf", sagte er. Was für ein Kompliment.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg