Im Wöhrder See wachsen die Algen ungestört

29.6.2011, 20:04 Uhr
Stopp am Fuß des Norikus: Das Wasserwirtschaftsamt informierte die radelnden Bürger.

© Karlheinz Daut Stopp am Fuß des Norikus: Das Wasserwirtschaftsamt informierte die radelnden Bürger.

An sechs Stationen berichteten Fachleute von der Arbeit mit dem Wasser in der Stadt. „Wir versuchen in Nürnberg, den Zugang zum Wasser zu erleichtern und es besser erlebbar zu machen“, begrüßt Umweltreferent Peter Pluschke die Bürger. Die haben sich am U-Bahnhof Wöhrder Wiese versammelt und betrachten das Werk der Biber, die sich dort an der Pegnitz angesiedelt haben.

Eigentlich ein Erfolg, denn die Nager waren in Deutschland schon ausgestorben, wie Horst Schwemmer, „Biber-Manager“ vom Bund Naturschutz, erzählt. In der Stadt müssten dem Tier dennoch Grenzen gesetzt werden. „Wir hoffen, dass der Biber die Botschaft ,Zähne weg!‘ versteht“, witzelt Schwemmer. Die Radler schmunzeln, schwingen sich auf ihre Drahtesel und fahren über die Wöhrder Wiese Richtung Norikus.

Dort sollte eigentlich die nagelneue Mähkuh zum Ernten der Algen vorfahren — „aber der See hat uns einen Streich gespielt“, erzählt Ulrich Fitzthum vom Staatlichen Wasserwirtschaftsamt. Der Wasserpegel sei zu niedrig — damit ist das Dilemma des Wöhrder Sees schon auf den Punkt gebracht: Durch Ablagerungen hat das Gewässer teilweise nur noch eine Tiefe von 80 Zentimetern. Die Sonne scheint bis zum Grund und die Algen wuchern ungebremst.

Die Zahl der Vorschläge aus der Bevölkerung für die nötige Sanierung des Sees sei enorm, erzählt Umweltreferent Pluschke und erläutert einige Ansätze. Die sollten sowohl der Umwelt als auch den Menschen zugutekommen. Dass es da nicht zu hitzigen Diskussionen kommt, ist eher dem Thema als dem Wesen der Mobilen Bürgerversammlung geschuldet.

„Es wurde schon heftig gestritten“, erinnert sich Ulrich Maly an vorherige Veranstaltungen, die sich zum Beispiel mit verschiedenen Stadtteilen befassten. Vor knapp zehn Jahren dienten die „offenen Gesprächsforen“, wie Maly sie nennt, noch dazu, den damals unbekannten Bürgermeisterkandidaten an den Mann zu bringen.

Was mit durchschnittlich 15 engagierten und diskussionsfreudigen Teilnehmern begann, machte Maly nach seiner Wahl zum jährlichen Brauch. Zwischen vier und sechs Mal touren er, fachkundige Gäste und im Schnitt zwischen 80 und 120 Bürger mittlerweile durch die Stadt. Trotz teilweise heftiger Debatten „sind wir aber selten unversöhnlich auseinandergegangen“, so der Bürgermeister. Das liege vor allem an der lockeren Atmosphäre. Wenn der Bürgermeister hemdsärmlig und in Jeans aufs Fahrrad steige, begegneten ihm die Bürger ohne Hemmungen und brächten auch persönliche Anliegen vor.

Das Tolle an den Mobilen Bürgerversammlungen sei schließlich, „dass man da hinkommt, wo man sonst nicht hinkommt“, schwärmt Anja Feiner, die seit dem vergangenen Jahr keinen der informativen Ausflüge verpasst hat. Heute öffnen sich die sonst fest verschlossenen Tore des Wasserwerks Erlenstegen für sie. Hier gibt es dann auch ein Paar Schluck klaren Wassers direkt aus dem Grund für alle Radler.

Dann werden die Schatten allmählich länger, die Hitze flaut ab und die Gruppe radelt zurück in Richtung Erfahrungsfeld der Sinne, wo die Reise mit einer kleinen Präsentation des Leiters Claus Haupt endet. Und wenn alles nach Plan verlief, dann nehmen die Bürger einen schönen Eindruck von der Ästhetik der Natur und dem Funktionieren der Demokratie mit nach Hause.
 

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