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«Immer stolz auf das Erreichte sein»

Markus Biegler über die Zukunft der Sportart Flag-Football in Nürnberg - 21.04.2007

Wie beim richtigen Football bespricht sich Markus Biegler (Mitte) mit seinen Mannschaftskollegen vor dem nächsten Spielzug auch im Flag-Football. © privat


NZ: Erkläre dem interessierten Laien doch bitte kurz einmal die Grundregeln des Flag-Football.

Markus Biegler: Flag-Football ist die kontaktarme Variante des American Football; statt Helm und Shoulderpads haben die Spieler einen Gürtel, an dem zwei abreißbare Fähnchen, die so genannten «Flags» befestigt sind. Diese lösen sich vom Gürtel, sobald ein Gegenspieler daran zieht. Ist dies geschehen, gilt der ballführende Spieler als «getackelt» und der Spielzug ist damit beendet. Die Regeln gleichen denen des American Footballs. Neben der Variante 5-5, welche international gespielt wird, gibt es noch 7-7 und 9-9. 9-9 ist die Semi-Kontakt-Variante, die von der Spielanlage dem American Football am ähnlichsten ist, da mit einer 3-Mann-Line gespielt wird und Blocken erlaubt ist.

NZ: Wenn man früher aktiv Football gespielt hat, immerhin eine der härtesten Sportarten der Welt, kommt man sich da als Flag-Footballer nicht etwas vor wie im Kindergarten?

Biegler: Wir spielen schon seit dem Winter 1983 Flag-Football. Zum damaligen Zeitpunkt haben sich einige aktive Spieler der Nürnberg Rams in der Off-Season getroffen und auf der Wörder Wiese sonntags ab 14.00 Uhr - ob Regen, Schnee oder Eis - Flag-Football nach «unseren eigenen Regeln» gespielt. Dieses Überbrücken der spielfreien Zeit haben wir beibehalten und haben uns auch nach dem Ende unserer aktiven American-Football-Karriere weiterhin getroffen. Wir sind deshalb in das kontaktarme Flag-Football über die Semi-Kontakt-Variante hineingewachsen. Natürlich ist American Football wesentlich härter, aber beim American Football ist man im Gegensatz zum Flag-Football auch gut geschützt.

NZ: Als Bayerischer Meister und Dritter der deutschen Meisterschaft seid ihr ja zurzeit ziemlich erfolgreich. Gibt Flag-Football auch sportlich so viel her, dass man darauf stolz sein kann?

Biegler: Man sollte immer stolz auf das sein, was man tut und erreicht, solange man immer alles und manchmal noch ein wenig mehr gibt. Sicher sind die Titel im Flag-Football nicht mit den entsprechenden Titeln im American Football zu vergleichen. Für die Deutsche Meisterschaft im Indoor-Flag-Football haben wir uns über die Bayerische Meisterschaft qualifiziert, zu der lediglich sieben Mannschaften angetreten sind.

NZ: Das Training in einer richtigen Football-Mannschaft ist bekanntermaßen sehr hart. Wie muss man sich die Vorbereitung auf ein Flag-Turnier vorstellen?

Biegler: Nachdem sich einige Spieler schon seit über 20 Jahren kennen und miteinander spielen, beschränkt sich die Vorbereitung - auch aus Zeitgründen - meistens auf eine Trainingseinheit vor einem Turnier sowie auf das gegenseitige Abstimmen am Turniertag.

NZ: Bei den Noris Rams in der 1. Bundesliga war es kein Problem, Nachwuchs zu rekrutieren. Gilt das auch im Flag-Football, oder interessiert sich die Jugend eindeutig mehr für die härtere Variante?

Biegler: Das Durchschnittsalter unserer Mannschaft bei der Bayerischen Indoor-Flag-Football-Meisterschaft lag bei 38 Jahren. Gleichwohl gibt es bei Jugendlichen Interesse für unsere Sportart. Üblicherweise sollte man mit Flag-Football als unter 10-Jähriger beginnen, um die Bewegungsabläufe zu trainieren und das Spielverständnis zu entwickeln und dann als Jugendlicher zum American Football wechseln. Aber wenn ein Jugendlicher vor die Wahl gestellt wird, ob er Flag-Football oder American Football spielen möchte, wird er sich wohl für American Football entscheiden. Natürlich können beide Sportarten nebeneinander ausgeübt werden.

NZ: Die Hoch-Zeit von Football in Nürnberg ist eindeutig vorbei. Könnt ihr als Flag-Footballer überhaupt noch öffentliches Interesse für die Ausübung eurer Sportart mobilisieren, oder ist es doch eher ein «einsamer» Sport?

Biegler: Es ist eher ein einsamer Sport, den man sicherlich nicht deshalb betreibt, weil einem 3000 Fans zusehen, wie in den Glanzzeiten der Nürnberg Rams beim TSV 1846 oder im «alten Stadion». Aber es macht Spaß und das ist die Hauptsache.

NZ: Die Football-Anhänger in der Region erinnern sich gerne an die Bundesliga-Mannschaft der Noris Rams. Gibt es irgendwelche Bestrebungen, diese wieder aus der Versenkung zurückzuholen und eventuell sogar an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen?

Biegler: Bestrebungen, in Nürnberg wieder eine neue American Football-Mannschaft zu formen und in die oberste Spielklasse zu führen, hat es immer gegeben und wird es wohl auch in Zukunft weiter geben. Voraussetzungen dafür sind jedoch eine ausreichende Zahl von aktiven Mitgliedern, eine umfassende und solide Jugendarbeit, ausreichende finanzielle Mittel, die auch durch Sponsoren abgedeckt werden müssen, vernünftige Trainingsmöglichkeiten - auch im Winter -, eine große Zahl ehrenamtlicher Helfer sowie jede Menge Engagement und Geduld. Wir ehemaligen Rams würden uns natürlich besonders freuen, wenn es die Mannschaft irgendwann einmal wieder gäbe. Bis es dann vielleicht soweit ist, drücke ich den Franken Timberwolves in der Regionalliga Süd die Daumen und wünsche ihnen auch in diesem Jahr eine erfolgreiche Saison. Fragen: Thomas Siermann 

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