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In die Jahre gekommen: Alter Kanal verfällt zusehends

Den Behörden fehle das Bewusstsein für den Wert des Kanals - 31.08.2015 07:44 Uhr

Der Alte Kanal zwischen Finkenbrunn und Königshof ist eine der schönen Stellen der alten Wasserstraße. © Werner Schories


Nördlich von Wendelstein (Landkreis Roth) gibt es ihn nur noch als grell-grünen Pflanzenteppich – dort überziehen inzwischen kilometerlang Wasserlinsen den Alten Kanal und bedrohen das ökologische Gleichgewicht.

Andernorts verrotten Schleusentore, werden eingestürzte Ufermauern nur provisorisch repariert. Der „Ludwig-Donau-Main-Kanal“, mit dem sich König Ludwig I. den Traum von einer durchgehenden Schiffsverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer erfüllte, ist vielerorts auf seinem 130 Kilometer langen Weg durch Franken und die Oberpfalz sanierungsbedürftig.

Das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg formuliert es in einer Informationsbroschüre so: Das Denkmal aus der Frühzeit deutscher Industrialisierung sei „mit romantischer Patina überzogen“. Manfred Kimmig hält das für eine grobe Beschönigung. Der 71 Jahre alte frühere Betreuer des Kanalmuseums in Burgthann (Landkreis Nürnberger Land) und einer der besten Kenner des König-Ludwig-Kanals hält die 1846 in Betrieb genommen Wasserstraße schlicht und einfach für vernachlässigt.

Eher eine Last

Bei den Behörden fehle das Bewusstsein für den Wert des denkmalgeschützten Kanals. Das Hauptproblem sei dabei das „Behörden-Wirrwarr“, ist der frühere Museums-Chef überzeugt: „Für den Alten Kanal sind vier Wasserwirtschaftsämter in drei Regierungsbezirken zuständig.“ Das eine oder andere Amt sehe die historische Wasserstraße „eher als Last denn als ehrenvolle Aufgabe“.

Vor allem beim Wasserwirtschaftsamt Nürnberg hat er den Eindruck, „dass man dort zwar die Verkehrssicherungspflicht ernst nimmt, indem man Büsche zurückschneidet und kleinere Reparaturen durchführt. Das Bauwerk als Ganzes wird aber vernachlässigt.“ Als Beispiel verweist er auf einen Kanal-Abschnitt bei Dörlbach (Landkreis Nürnberger Land): Dort, wo der Kanal durch einen scharfen Landschaftseinschnitt geführt wird, verfallen die Uferwände; statt sie ordentlich zu reparieren, würden sie provisorisch mit Schotter aufgefüllt.

Auch Sicherheitstore an einer alten Kanalschleuse bei Berg (Landkreis Neumarkt) verrotteten seit Jahren, beklagt Kimmig. Zudem müssten etliche Schleusenkammern saniert werden. Unverständlich ist für ihn auch der Abriss von Schleusenstegen. „Wanderer sind jetzt zu großen Umwegen gezwungen.“ Der stellvertretende Behördenleiter Klaus Winkelmair hält Kimmigs Vorwürfe für überzogen: „Natürlich steht ein so schönes Baudenkmal wie der König-Ludwig-Kanal bei uns im Brennpunkt“, beteuert er. Aber es gebe finanzielle Grenzen. Nicht alles Wünschenswerte sei gleich umsetzbar.

Aus dem Schatten in den Fokus

Der für Erhaltungsarbeiten im mittelfränkischen Kanalabschnitt zuständige Behördenmitarbeiter Ulrich Schmidt präsentiert eine lange Liste mit Instandsetzungsarbeiten seit dem Jahr 2005. Die meisten seien wenig spektakulär, aber wasserbautechnisch oft von großer Bedeutung, macht er klar. Winkelmair räumt ein: „Der Kanal hat in früheren Jahren zeitweilig ein Schattendasein geführt. Seit einigen Jahren ist er aber wieder in den Fokus gerückt.“

Auch beim bayerischen Umweltministerium habe man die Bedeutung der einst 171 Kilometer langen historischen Wasserstraße längst erkannt – und Geld dafür zur Verfügung gestellt. Allein die Sanierung des Dörlbacher Einschnitts, wo ein Erdrutsch den Treidelpfad verschüttet hatte, kostete rund 3,5 Millionen Euro.

Winkelmair hofft, in den kommenden Jahren wieder die eine oder andere Schleuse sanieren zu können. „Früher hatten wir schnell mal einen Bauhof-Trupp mit Steinen und ein Paar Säcken Zement raus zur kaputten Schleusenkammer geschickt“, berichtet Schmidt. Inzwischen aber hätten Sparmaßnahmen auch die Bauhöfe der Wasserwirtschaftsämter getroffen. Heute erledigten Privatfirmen die Arbeiten. Das gehe nicht ohne aufwendige Ausschreibung und enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz.

Nicht nur Kimmig, sondern auch andere Kanalfreunde träumen seit Jahren davon, wenigstens einen kleinen Teil des Alten Kanals zu reaktivieren. So könnten beispielsweise bei Schwarzenbach (Landkreis Nürnberger Land) zwei oder drei alte Schleusen wiederhergestellt werden, um mit dem dort ankernden Museumsschiff „Elfriede“ längere Kanalfahrten als heute anbieten zu können.

Auch für Kanuten sollte der Kanal attraktiver gemacht werden. Kimmig hat auch schon oft im Kanal gebadet: „Das Wasser ist absolut sauber – und viel besser als die Chlorbrühe der städtischen Freibäder.“ 

Klaus Tscharnke, dpa

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