Montag, 24.02.2020

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Insekten-WG bereichert Erfahrungsfeld der Sinne

Groß und Klein basteln eine Unterkunft für Wildbienen & Co. - 20.08.2017 20:19 Uhr

Wir bauen ein Insektenhotel: Die neunjährige Adana (vorne) bohrt Löcher in ein Holzstück, auch die siebenjährige Jamila hilft eifrig mit. Kursleiterin Annett Langer (links) informiert die jungen Besucher, was man beim Bau eines Insektenhotels alles beachten muss. © Foto: Michael Matejka


Annett Langer und Uli Pilzecker stehen an ihren Werkbänken für Holz und Ton und informieren über Wohnvorlieben von Sechsfüßern. Es brummt: Bohrmaschinen surren im Wechseltakt. Das lockt Kinder an, die ihre Eltern hinter sich herziehen. Dann und wann summt eine Biene vorbei. Die Mädchen und Jungen gehen auf Tuchfühlung mit Material und Insektenkunde. Befüllen schließlich das Hotel in der Hoffnung, bald schon Insekten damit anzulocken.

Wie tief muss man bohren?

Die siebenjährige Jamila und die neunjährige Adana sind zwei der vorbeikommenden Besucher. Die Mädchen interessieren sich für praktische Dinge: Wie tief man beim Holz bohren muss und welche Bienen reingehen. Eifrig haben sie mitgeformt und mitgebaut. Im großen Insektenhotel befinden sich bereits mehrere Wohneinheiten. Kinder stapeln röhrenartige Zweige, herz- und käseförmige Tonstücke sowie durchlöcherte Holzblöcke behutsam übereinander.

Es ist noch Luft nach oben, im Haus wie beim Anbieten von Lebensraum für Insekten. In zugepflasterten Städten finden sie kaum Unterschlupf, moderne Gärten sind oft zu aufgeräumt, geeignete Rückzugsorte fehlen. Bienen sind ebenso vom Aussterben bedroht, wobei Honigbienen auch zu den Nutztieren zählen und im Kollektiv leben. Anders die Wildbienen. Sie leben einzeln und haben andere Nistplatzanforderungen, suchen sich in der Natur gerne Röhren und Löcher, in alten Bäumen beispielsweise.

Insektenhotels bringen Nutzen für die Tiere, da sie ihnen einen Nistplatz und eine Bleibe für den Winter bieten. Nicht nur, denn für Kinder machen sie die Natur aus nächster Nähe erfahrbar. Obstbauern profitieren auch, denn ein Mehrinsektenhaus bewirkt eine höhere Bestäubungsleistung. Ein Insektenhotel richtet sich an Fluginsekten — der guten Nachbarschaft wegen. Bodeninsekten brauchen keine Hotels, sie finden ihren Unterschlupf anderswo. Mit etwas Holzwolle könnte man beispielsweise auch einen "Ohrenbeißer" ins Hotel bitten. Doch Bodeninsekten wie er sind Allesfresser und würden die Larven von Wildbienen futtern. Im Haus selbst hat jedes Fluginsekt seine eigene Röhre, was als Abstand ausreicht.

Schmirgeln und sägen

Ob man sich für ein fertiges Insektenhaus zum Kauf entscheidet oder selbst Hand anlegt: Beides kann infrage kommen und muss nicht teuer sein. Wenn sich in gekauften Häusern keine Bewohner einfinden wollen, ist Nachbessern angesagt. Das richtige Material ist wichtig und dessen saubere Verarbeitung. Hierbei sind Feinheiten wie abgerundete Kanten wichtig. Also Hände weg von der Gartenschere, diese würde Schilfhalme bloß quetschen, so dass die Halmenden splittern. Wildbienen, die rückwärts reinschlüpfen, würden sich ihre Flügel verletzen und solch ein Domizil meiden.

Deshalb schmirgeln und sägen die Kinder auf der Holzbank ihre Teilwohnbereiche eifrig um die Wette. Ebenso leitet Uli Pilzecker die Kinder hinter ihrer Tonwerkbank zum aufmerksamen Versäubern der Kanten an. Ziegel mit Löchern bewirken zunächst nichts, erst, wenn sie mit Halmen oder Bambusröhren bestückt sind, bekommen sie Wohnwert.

Der sechsjährige Robin war mit Holz und Ton fleißig. Und er will’s wissen: Nächstes Jahr will er wiederkommen, um zu schauen, ob eine Biene seine Wohneinheiten bezogen hat. Deshalb markiert er seine Werkstücke. Er ist der Erste, der ans Markieren dachte. Seiner Mutter, gefällt das: "Weil’s bleibt. Man kann wiederkommen und schauen, ob schon Insekten eingezogen sind."

Auch für den Standort gibt es einen Tipp: Insekten lieben die Sonne. An seiner Rückfront soll ein Insektenhotel stets verschlossen sein. An der Frontseite muss ständig ein feinmaschiges Gitter angebracht sein, um die Nachwuchsstätten der Insekten sicher zu gestalten. Sonst mutiert ein Insektenhaus rasch zum Selbstbedienungsrestaurant für Vögel. Ein kleiner Dachvorsprung macht Regen und Nässe vorsorglich den Garaus.

Für einen Insektenhotelier gibt’s allerdings keine Einzugsgarantien. Man kann die Insekten einladen, nicht zwangsansiedeln. Etwas nachhelfen ist selbstverständlich erlaubt, indem man mit einem passenden Ambiente lockt. Das kann ein wildbienenfreundlich gestalteter Garten mit heimischen und zu unterschiedlichen Zeiten blühenden Wildpflanzen sein. Auch Blumenkästen und Hecken machen eine Umgebung für Insekten interessant. Das alles sind Faktoren, die einen Einzug begünstigen. Platz anbieten reicht übrigens aus, Verpflegung ist nicht nötig.

Bis Saisonende zu besichtigen

Derzeit überlegen die Macher noch, ob sie das Insektenhotel über Winter stehen lassen oder einlagern. Eins steht schon jetzt fest: Das Haus kommt im nächsten Jahr wieder zurück. In solch einem Insektenhaus kann für viele was drin sein: Naturerlebnis, Zeitvertreib, praktischer Nutzen. Wer ausschwärmen und das aus nächster Nähe begutachten mag, für den gibt es gute Nachrichten: Das Insektenhotel kann bis Saisonende am 10. September besichtigt werden.

DIANA SCHMID

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