Inzidenzwerte in Nürnbergs Stadtteilen: Stadt nennt neue Details

20.5.2021, 17:27 Uhr
Viele Menschen, die auf engem Raum leben: Auch im Stadtteil Steinbühl - hier die Gabelsbergerstraße - sind die Infektionszahlen besonders hoch.

Viele Menschen, die auf engem Raum leben: Auch im Stadtteil Steinbühl - hier die Gabelsbergerstraße - sind die Infektionszahlen besonders hoch. © Ralf Rödel, NNZ

Seit Mittwoch sind auf der Homepage der Stadt www.nuernberg.de zwei Grafiken zu sehen. Die eine bildet in farblichen Abstufungen den Prozentsatz der positiv getesteten Personen in einem Stadtteil ab. Die andere veranschaulicht die Anzahl der positiv getesteten Personen in einem Stadtteil.

Südwesten und Südstadt

Leicht zu erkennen ist, dass die Viertel, in denen besonders viele Menschen positiv auf Sars-Cov-2 getestet wurden, vor allem im dicht bebauten Südwesten Nürnbergs und der Südstadt liegen. Diese Stadtteile gehören zum Sozialraumtyp "sozial angespannte Quartiere". Das sind etwa Gostenhof, St. Leonhard/Schweinau, die komplette Südstadt, Langwasser, die Rangierbahnhof-Siedlung, das Viertel am Rennweg, Nordostbahnhof und die Teile von St. Johannis, die sich westlich des Klinikums befinden. Laut Statistikamt leben in diesem Typ beinahe die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg und Fürth.

Eine Faustformel

In Nürnberg wohnen nach Angaben des Gesundheitsamts 37 Prozent der Bevölkerung in "sozial angespannten Quartieren", sie vereinen aber mehr als die Hälfte der Infektionen auf sich. Die Faustformel "sozial angespannte Quartiere ist gleich mehr Infektionen" ist zutreffend. "Es gibt kaum Ausreißer", bedauert Wolf Schäfer. Eine unterschiedliche Betroffenheit ist aber gegeben, betont Sozialreferentin Elisabeth Ries. So habe Eberhardshof einen Prozentsatz von 1,8 Infizierten, während das direkt angrenzende Muggenhof 3,7 aufweist. "Weil es in diesem Viertel noch mehr Armut gibt", erklärt Ries.

"Diese Zahlen sollen nicht bedeuten, dass es Stadtteile gibt, in die man aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht hingehen sollte", betont Britta Walthelm. Denn die Menschen seien mobil und im ganzen Stadtgebiet unterwegs. Die Zahlen bilden auch nur die Infektionsfälle ab, sie analysieren nicht die Ansteckungswege. Daher gebe es auch keine speziellen Beschränkungen, die nur die Bewohner der Viertel mit hohem Infektions-Prozentsatz treffen würden.


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Allein schon aus rechtlichen Gründen sei es unmöglich, zum Beispiel die Steinbühler (hier sind 3,3 Prozent der Menschen an Covid-19 erkrankt) mit einer Ausgangssperre zu belegen, in Erlenstegen (0,6 Prozent) aber den Schülern Präsenzunterricht zu ermöglichen. "Die Corona-Maßnahmen gelten immer für eine Gesamtstadt." Zulässig sei höchstens die Schließung einer Einrichtung, wenn es dort einen Ausbruch gibt. Die Öffnung einer Einrichtung dagegen ist nicht erlaubt, wenn der Inzidenzwert der Gesamtstadt zu hoch ist.

Anders als etwa Köln weist Nürnberg nicht die markanteren Inzidenzwerte der Stadtteile aus, sondern rechnet die Ansteckungsfälle in Prozentzahlen um. In Köln hatte der soziale Brennpunkt Chorweiler eine Sieben-Tages-Inzidenz von 543, in der Stadt insgesamt betrug der Wert 188 – auch anhand solcher Zahlen trieb Köln seine zusätzlichen Impfaktionen voran. Man habe sich gegen die Inzidenzzahl entschieden, erklärt Walthelm, "weil wir in Nürnberg oft kleine Stadtteile mit wenig Einwohnern haben, da würden einige wenige Infizierte mehr ins Gewicht fallen".

Inzidenzen seien oftmals "irreführend". Dies zeigt sich im statistischen Bezirk Beuthener Straße. In der Grafik ist er dunkelrot gefärbt, in der Tabelle weist er einen Prozentsatz von 13,9 Infizierten aus – der Spitzenwert im Stadtgebiet. Bei 230 Menschen, die in den Grundig-Türmen untergebracht sind, treiben 32 Infizierte den Wert in die Höhe.