"KommVorZone" in der Südstadt

Jedermann-Spielwiese bietet weiter Kultur von allen für alle

Isabel Lauer
Isabel Lauer

Lokalredaktion Nürnberg

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11.10.2021, 20:55 Uhr
Irgendwas zwischen Wohnzimmer, Garten, Konzertbühne, Spielwiese und Kulturladen: Im Juni und Juli gastierte das städtische Amt für Kultur und Freizeit mit einer Plattform im Annapark.

Irgendwas zwischen Wohnzimmer, Garten, Konzertbühne, Spielwiese und Kulturladen: Im Juni und Juli gastierte das städtische Amt für Kultur und Freizeit mit einer Plattform im Annapark. © Wendelin Reichl, Stadt Nürnberg

Manche Nachbarn wird es freuen, andere zumindest nicht stören: Das Kulturprogramm "KommVorZone" soll im Jahr 2022 im Annapark wiederholt werden. Das hat der Kulturausschuss des Stadtrats beschlossen.

Erbe der Kulturhauptstadt-Bewerbung

Die Aktion, die im Namen mit dem Begriff "Komfort" spielt und zum "Hervorkommen" locken sollte, war nicht nur aus der Not der Pandemie geboren, die Kulturveranstaltungen auch im Sommer 2021 wieder in kleinere Formate zwang. Sie entstand gewissermaßen noch im Auftrag der Kulturhauptstadt-Bewerbung. Zu ihren Zielen gehörte, die Nürnberger Südstadt und bislang weniger berücksichtigte Publikumsschichten zu aktivieren. Auch die Kulturläden wollen mehr Jüngere ansprechen.

Es ist nicht so, dass der Standort keine Kulturveranstaltung kennen würde. Seit 1992 ist im Annapark – bis Corona kam – das jährliche Südstadtfest verankert. Aber: "Ein solches Format wie die KommVorZone war in der Südstadt unbekannt", stellt Annekatrin Fries, die Leiterin des zuständigen Amts für Kultur und Freizeit, fest. Wie in einem Freiluft-Kreativsalon konnte sich im Juni und Juli jeder, der wollte, rund um eine gezimmerte Bühne auf der Grünfläche kostenfrei treffen, unterhalten lassen oder verwirklichen.

110 Veranstaltungen mit 70 Partnern gaben jungen Kulturmachern aller Sparten Auftrittsmöglichkeiten. Ehrenamtliche steuerten das Programm zusammen mit dem Kulturladen Südpunkt. Diese Beteiligung von der Basis habe Menschen zusammengebracht, die sonst nichts miteinander zu tun hätten, sagt Fries. "Das hat ein riesiges Stück Vertrauensaufbau-Arbeit für die Kultur geleistet." Bis auf einen Brief habe es keine Anwohnerbeschwerden gegeben, Vandalismus sei nicht vorgekommen.

So kamen dann Begegnungen zustande wie die zwischen dem Rapper Vuka und dem Oberbürgermeister – ersterer, im schwarzen T-Shirt mit dem Schriftzug "AnnaPark", postete auf seiner Facebookseite im Anschluss an sein politisches "Speed-Dating" Fotos mit dem OB und schrieb darunter "@marcuskoenignbg #ehrenmann".


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Für die Fortsetzung 2022 hat sich das Kulturamt jetzt vom Kulturausschuss 20.600 Euro städtische Mittel im Haushalt reservieren lassen. Der größte Teil der insgesamt veranschlagten 87.000 Euro soll durch Einsparungen an anderer Stelle und Fördergelder zusammenkommen. Noch zu verbessern sein werde in der zweiten Auflage der Dialog zwischen den Generationen, merkt Amtsleiterin Annekatrin Fries an. Jugendliche und Ältere gleichermaßen zu erreichen, habe sich als schwierig erwiesen. "Aber es hat sich jetzt rumgesprochen. Und wir möchten das Projekt weiterentwickeln und evaluieren."

Die Kulturstadträte zeigten sich angetan. Ein Format wie dieses leiste "tiefe politische Arbeit", sagte Marion Grether (CSU). "Da geht es nicht um einen netten Kultursommer, sondern um echte Partizipation und darum, Konfliktpotenzial zu entschärfen." SPD-Kultursprecher Michael Ziegler sprach von einem "geliebten Projekt". "Soziokulturelle Freiräume ohne Konsumzwang sind das, was es in Nürnberg absolut braucht", ergänzte Ernesto Buholzer Sepúlveda von der Politbande.

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