Kälte und Schimmel: Neuselsbrunner Demo gegen die Stadt

16.1.2019, 20:49 Uhr

© Foto: Eduard Weigert

An den Wänden der Wohnungen laufe das Wasser wie ein Bach herunter, überall bilde sich der Schimmel. Seitdem im November und Dezember vergangenen Jahres die Außenfassaden der fünf Hochhäuser abgenommen worden waren, stehen die Gebäude ohne Dämmung nach außen da. Hinzu kommen weitere finanzielle Sorgen. Mittlerweile rechnen die Anwohner mit gut 50.000 Euro, die pro Partei für die Sanierung fällig werden.

Rund 120 Anwohner haben sich versammelt, um ihrem Ärger in Form der Demo Luft zu machen. Der Zug führt nicht zufällig vom städtischen Baureferat zum Rathaus. Denn neben der Wut auf die Hausverwaltung Vonovia Immobilien Treuhand, die laut Anwohnern eigenmächtig eine "sinnlose Maßnahme" in Auftrag gegeben hat, bekommt auch die Stadtspitze Vorwürfe zu hören.

So ist Demo-Initiator Frank Rupprecht davon überzeugt, die Stadt habe vorschnell Beschlüsse erlassen. "Als entschieden wurde, dass die Fassaden wegmüssen, war überhaupt noch kein Gutachten fertig. Es gab lediglich die Info des Labors, dass ein Teil der Fassade im Test gebrannt hat. Aber die befeuern halt so lange, bis alles in Flammen aufgeht." Ein von den Anwälten der Anwohner beauftragter Gutachter sei überdies zu einem anderen Ergebnis gekommen. "Der hat die Fassaden als ,brandschutztechnisch wenig kritisch‘ eingestuft", weiß Rupprecht.

Seitens der Stadt betonten Baureferat wie auch Oberbürgermeister Ulrich Maly bereits mehrfach, dass man jederzeit wieder so handeln würde. Laut Baureferent Daniel Ulrich liege zudem mittlerweile ein weiteres Gutachten vor, das die Notwendigkeit der Maßnahme bestätige.

Die Bewohner wollen davon nichts hören. "Wir lassen uns das von Stadt und Vonovia nicht gefallen", ruft Rupprecht ins Megafon – und erntet dafür tosenden Applaus.

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