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Sonntag, 23.02.2020

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Kampf gegen Klischees: Nürnbergerin moderiert bei Sport1

Ex-Fußballerin ist Ko-Moderatorin beim "Fantalk" zur Champions League - 22.02.2019 13:32 Uhr

Gastro-Kind: Valentina Maceri mit Vater Ugo in dessen Lokal. © Michael Matejka


Ihr langer brauner Pferdeschwanz sitzt wie der Schwung ihrer Augenbrauen. Valentina Maceri ist dezent, aber perfekt geschminkt. Ihre braunen Augen leuchten, ihre Nägel sind rot lackiert. Wer die zierliche 25-Jährige an einem Tisch im Lokal "Da Ugo" ihrer Eltern sitzen sieht, würde ihr nicht als Erstes den Begriff "Ex-Fußballerin" zuordnen. Und genau damit ist man schon mittendrin in Maceris Lieblingsthema: Klischees. "Die Leute stecken einen viel zu schnell in Schubladen", findet sie.

Genau aus diesen wieder herauszuklettern, liebt die 25-Jährige. Und zwar schon immer. Anstatt mit anderen Mädchen Puppen zu kämmen, bolzte sie lieber mit ihrem Cousin auf der Straße. "Sich bei den Jungs durchsetzen" war früh ihr Ziel. Nicht zur Freude ihrer Eltern: "Fußball spielen macht krumme Beine", versuchte ihr Vater Ugo sie bei der Eitelkeit zu packen. Ein Sporttrainer, der ihr Talent beim Kicken auf dem Schulhof erkannte, überzeugte ihn dann davon, dass die Frauenmannschaft des Sportvereins eine gute Idee wäre.

Vom Post-SV ging es für Maceri zum 1. FC Nürnberg und nach dem Abi zum FC Bardolino Verona und damit zur Champions League. Rote Fingernägel hatte sie damals schon gerne. "Hannah Montana des Fußballs" nannte sie einer scherzhaft. "Aber auf dem Platz selber war ich niemals Hannah Montana", sagt Maceri lachend. Eher eine "Maschiaccia" - so nennt man auf Italienisch burschikose Mädchen.

Heute hat sie das aktive Spiel hinter sich gelassen. Weil sie später einmal nicht "mit nichts dastehen" wollte, wie einige ihrer Fußball-Kolleginnen. Stattdessen kommentiert sie jetzt lieber das Spiel der anderen. Nach Celia Sasic hat der Sender Sport 1 sie als Ko-Moderatorin zum "Fantalk", der die Champions League begleitet, geholt.

Sie ist das Bindeglied zwischen den Fans, die sich über die sozialen Medien dazuschalten, und Experten wie Mario Basler. Letzterer staunte, als sie in einer Sendung ein paar Tricks mit dem Ball zeigte, ihn locker oben hielt. Genau das ist es, was Maceri reizt. Der "Wow-Effekt" wie sie es nennt, wenn ihr Gegenüber erkennt: "Die sieht nicht nur gut aus, die versteht, wovon sie redet." Ihr Ziel ist hoch gehängt: "Den Zuschauern soll auch mein Name einfallen, wenn sie an Frauen im Fußball-Business denken", sagt sie.

Bolzen statt Puppen kämmen

Für ihren Traum legt sie sich ins Zeug: Sie studiert angewandte Medien, trainiert sich das fränkische, rollende "R" ab - und steckt bei den ersten Moderatonsjobs harsche Kritik weg. Die Nehmerqualitäten aus dem Fußball und die Coolness, die sie als Gastronomie-Kind beim Kellnern mitbekam, kann sie hier gebrauchen. "Es waren auch richtige Hass-Botschaften dabei", erzählt sie. Bei einem Mann wären die Kommentare nicht so krass ausgefallen, glaubt sie. Sich mit Jammern aufzuhalten, ist aber ebenso wenig ihr Ding wie Puppen kämmen: "Lieber abliefern und die Arbeit für sich sprechen lassen."

Ihre Weiblichkeit in der Männerdomäne verstecken will die 25-Jährige nicht. "Die Leute sollten Eitelkeit nicht mit Oberflächlichkeit verwechseln", sagt sie. So zielstrebig wie bei Sport und Karriere ist sie auch bei ihrem Aussehen: Sie joggt, macht Fitness und ernährt sich überwiegend vegan. In Berlin, wo Maceri seit drei Jahren wohnt, kein Problem. Nach Nürnberg kommt sie immer gerne. Zur "Famiglia", das Wort hat sie sich auf ihr Handgelenk tätowieren lassen. Denn ihre Familie ist der gebürtigen Italienerin das Wichtigste. Wenigstens ein Klischee, das sie erfüllt...

ANETTE RÖCKL

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