Kapelle auf dem Johannisfriedhof: Sanierung dauert länger

14.10.2018, 05:18 Uhr
Den Holzaltar im Blick: In kleinen Gruppen wurden die Besucher bei der Baustellenbesichtigung in die Holzschuherkapelle geführt. Sie lauschen den Worten von Julia Reeckmann (li.). Die Grablegung von Adam Kraft (hinten links im Bild) wird derzeit ausgebaut, drei Figuren wurden bereits abtransportiert. Das kleine Bauwerk im östlichen Bereich des Johannisfriedhofs befand sich ursprünglich außerhalb des Gottesackers. Die Angehörigen der zahllosen Pesttoten sollten hier der Verstorbenen gedenken können. Um 1523 erwarb die Patrizierfamilie Holzschuher das Gebäude, 1925 kaufte es die Stadt.

Den Holzaltar im Blick: In kleinen Gruppen wurden die Besucher bei der Baustellenbesichtigung in die Holzschuherkapelle geführt. Sie lauschen den Worten von Julia Reeckmann (li.). Die Grablegung von Adam Kraft (hinten links im Bild) wird derzeit ausgebaut, drei Figuren wurden bereits abtransportiert. Das kleine Bauwerk im östlichen Bereich des Johannisfriedhofs befand sich ursprünglich außerhalb des Gottesackers. Die Angehörigen der zahllosen Pesttoten sollten hier der Verstorbenen gedenken können. Um 1523 erwarb die Patrizierfamilie Holzschuher das Gebäude, 1925 kaufte es die Stadt. © Edgar Pfrogner

"Ich möchte die Grablegungsgruppe von Adam Kraft sehen", erzählt Johanna Hartmann aus Höfles. Sie ist nicht die einzige. Rund 60 Menschen drängen sich vor der kleinen Kapelle auf dem Johannisfriedhof. Sie werden grüppchenweise hereingelassen. Innen ist es eng. Sachen stehen herum, es herrscht Baustellenatmosphäre. Der große Holzaltar ist verhüllt. Die Figurengruppe des Bildhauers Adam Kraft von 1508 wird derzeit abgebaut, drei Figuren fehlen bereits. Nach Abschluss der Salzreduzierungs- und Restaurationsarbeiten im Frühjahr 2019, sobald die Nachttemperaturen dauerhaft über fünf Grad Celsius liegen, kehrt diese wieder an ihren angestammten Platz zurück, informiertJulia Reeckmann vom Hochbauamt der Stadt.

Grund für die Verschiebung im Terminplan ist der Salzgehalt im Sandstein der berühmten Grablegungsfigurengruppe und anderen Holzeinbauten. Da sich Anfang des Jahres aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse die Restaurierung des Gewölbes verzögert hat, konnten erst mit Verspätung weitere Untersuchungen an der Figurengruppe durchgeführt werden. Lange Zeit war es unklar, ob die Restaurierung von Krafts Grablegung vor Ort oder in einer Werkstatt stattfindet. Zudem wird derzeit ein im Zuge der Arbeiten entdeckter Hausschwammbefall an der Empore behoben. Und so konnte bislang auch noch kein abschließendes Klimakonzept in puncto Temperatur und Luftfeuchtigkeit erstellt werden, damit diese Probleme künftig nicht mehr auftauchen.

Kleinod mit Anziehungskraft

"Wir sind schon sehr enttäuscht, da wir diesen Monat eigentlich Führungen anbieten wollten, um den Menschen die Schätze und Kulturgüter dieser Kapelle zu zeigen", sagt Sven Heublein, Vorsitzender des Bürgervereins St. Johannis. Das muss jetzt warten, voraussichtlich im späten Frühjahr 2019 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Sie kosten die Stadt Nürnberg, die das Bauwerk im Jahr 1925 erworben hat, rund 485 000 Euro. In die Sanierung und Restaurierung sind auch die Friedhofsverwaltung St. Johannis und der Bürgerverein eingebunden.

Diesen Monat stehen mit Blick auf das große Jubiläumsjahr die wichtigsten Termine an. Nachdem sich die Kapelleneinweihung lediglich als eine Baustellenbesichtigung entpuppt hat, liegt nun das Augenmerk auf den Festgottesdienst zum 500-jährigen Jubiläum am Donnerstag, 18. Oktober, um 11 Uhr mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der St.-Johannis Kirche. Am gleichen Tag wird im Offenen Büro, Lorenzer Straße 30, die Ausstellung "Kunst - Geschichte - Gedenken: Nürnberger Epitaphien" eröffnet, die dort bis zum 17. November zu sehen ist (eine Auswahl weiterer Termine auf Seite 34). "Wir hoffen, dass die verschiedenen Veranstaltungen zeigen, welche Bedeutung die Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus haben", ergänzt Heublein. Er verweist dabei auf die Einzigartigkeit der Epitaphienkultur, die seiner Meinung auch bei der Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt nicht genügend Beachtung findet.

Sowieso hätte er sich im Zuge des Jubiläumsjahres der beiden historischen Friedhöfe seitens der Stadt eine zentrale Veranstaltung gewünscht. Nun kommen mehrere Initiativen zum Zug, "aber die große Klammer fehlt", bemängelt Heublein.

Keine Kommentare