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Kaufvertrag für Quelle-Areal steht kurz vor dem Abschluss

Investor hat bereits genaue Pläne für die 6,8 Hektar große Fläche - 23.02.2014 13:00 Uhr

Bis 2017 will der Immobilienentwickler Sonae Sierra die wichtigsten Umbauarbeiten im ehemaligen Quelle-Versandzentrum erledigt haben.

22.02.2014 © Horst Linke


„Wir sind guter Dinge, dass wir im Verlauf der nächsten drei Monate den Kaufvertrag für das Gelände vollziehen“, sagt Thomas Binder, Chef von Sonae Sierra Deutschland.

Der Kaufvertrag für das 6,8 Hektar große Areal mit dem 256.000 Quadratmeter großen ehemaligen Quelle-Versandzentrum wurde schon im vergangenen September notariell geschlossen. Er enthält allerdings aufschiebende Bedingungen, so dass er noch nicht vollzogen wurde.

Im Immobilienbereich ein normaler Vorgang, denn immerhin soll der Kaufpreis bei 25 Millionen Euro liegen. Laut Binder müssen für den Vollzug noch kleinere Finanzierungsfragen geklärt werden, und die Verhandlungen über den Verkauf der Flächen, die für Wohnungen vorgesehen sind, sind ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Ab der zweiten Etage sollen Büros und Wohnungen in das ehemalige Versandzentrum eingebaut werden: Während Sonae Sierra die Flächen für die Büros selbst vermarkten will, sollen die Flächen für Wohnungen an einen Investor verkauft werden. Laut Binder gibt es dafür mehrere Interessenten aus Bayern. Geplant ist der Einbau von 300 bis 400 Wohnungen in das Versandzentrum, auch Studentenwohnungen.

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Quelle: Ein Rundgang durch die ehemalige "Versandmaschine"

Ein Rundgang durch das zweitgrößte leerstehende Gebäude Deutschlands im Dezember 2012.


Um Licht in die 45 bis 60 Meter breiten Geschosse zu bekommen, müssen Höfe in die einzelnen Etagen geschnitten werden. Obwohl das Quelle-Versandzentrum unter Denkmalschutz steht, hat das Baureferat diesen Einbau von Lichthöfen genehmigt. Sobald der Kaufvertrag für die Wohnungsflächen unterzeichnet ist, wird der Kaufvertrag für das ganze Quelle-Gelände von Sonae Sierra „scharf gestellt“, und die Quelle hat einen neuen Eigentümer, kündigt Binder an.

Flächennutzung steht bereits fest

Dagegen sind immerhin 30 Randgrundstücke auf dem ehemaligen Quelle-Areal, die derzeit vor allem als Parkplätze genutzt werden, verkauft. Auf einer Fläche von 3,4 Hektar soll Geschosswohnungsbau mit 300 bis 400 Wohneinheiten entstehen. Auch dieser Vertrag kann natürlich erst vollzogen werden, wenn Sonae Sierra endgültig Eigentümer des ganzen Geländes ist.

Die Verhandlungen für den Kaufvertrag sind allerdings abgeschlossen. Dem Vernehmen nach soll die Fürther Baufirma Georg Schenk der Käufer sein. Aktuell laufen Verhandlungen mit der Stadt Nürnberg, die ein 0,8 Hektar großes Gelände, südöstlich an das Versandzentrum angrenzend, für einen Park erwerben will. „Wir halten uns bei der Entwicklung des Geländes strikt an den städtebaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb der Stadt“, stellt Binder fest. Das bedeutet, dass die Einzelhandelsfläche auch künftig bei 18.851 Quadratmetern liegt, das steht auch im Vorbescheid. So groß war die Verkaufsfläche des früheren Quelle-Warenhauses.

Im Groben sind auch die Nutzungen geklärt. Die einzelnen Gebäudeabschnitte haben zwischen fünf und sieben Geschosse. Das Untergeschoss soll komplett dem Parken vorbehalten bleiben. Geplant sind 2000 Stellplätze. Im Erdgeschoss ist Einkaufen geplant und in der ersten Etage Gastronomie auf 3500 Quadratmetern sowie ein 5000 Quadratmeter großes Fitnesscenter.

1500 Quadratmeter bleiben Dienstleistern vorbehalten. Insgesamt 256.000 Quadratmeter Nutzfläche hat das ehemalige Versandzentrum: Nach dem Einbau der Lichthöfe bleiben zwischen 170.000 und 180.000 Quadratmeter an Nutzfläche übrig. Davon sind jeweils 30.000 Quadratmeter für Wohnen und Büros vorgesehen.

Keine Hochschul-Nutzung mehr geplant

Die eindrucksvolle Kantine, die unter Denkmalschutz steht, wird einer Büronutzung zugeführt, so die Planung. In dem Bereich, der für Büroflächen vorgesehen ist, könnte auch der Konzertsaal, über dessen Platzierung so heftig diskutiert wird, integriert werden. „Platz dafür ist da“, sagt Binder.

Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus: Im Sommer will Sonae Sierra den Bauantrag einreichen. Mit seiner Genehmigung wird bis Sommer 2015 gerechnet. „Wir gehen dann von einer Bauzeit von 20 Monaten aus“, sagt der Geschäftsführer. Im Frühjahr 2017 könnten dann alle Rohbauarbeiten abgeschlossen sein, so dass sukzessive die neuen Nutzer einziehen können. „Wir werden in Bauabschnitten vorgehen“, sagt Binder. Bis maximal 2017 gelten auch die Verträge der derzeitigen Mieter.

Die Bauvoranfrage für eine Hochschulnutzung im Quelle-Areal wurde zurückgezogen, nachdem der Freistaat signalisiert hatte, wissenschaftliche Einrichtungen auf dem AEG-Areal anzusiedeln. Derzeit gibt es, so Binder, auch keine konkreten Anfragen für den Einzug eines technischen Gymnasiums oder für ein Hotel. Überlegungen gibt es, in das ehemalige Heizhaus eine Kindertagesstätte einzurichten. Das Baureferat hält das grundsätzlich für möglich.

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Was von Quelle übrig blieb

Im Oktober 2009 kündigte der Insolvenzverwalter von Quelle die Abwicklung des Versandhauses an. Zurück blieben leere Kaufhäuser, riesige Versandzentralen und verlassene Büros. Der Fotograf Stefan Koch hat für sein Projekt "Meine Quelle-Geschichte" die brachliegenden Gebäude und die ehemaligen Mitarbeiter fotografiert.


Nach der Quelle-Insolvenz kaufte die holländische Valbonne Real Estate das Areal, musste dann aber im August 2011 selber Insolvenz anmelden. Derzeit verfügt ein Insolvenzverwalter über das Areal. Der Antrag auf Vorbescheid dient dazu, einzelne Fragen eines anschließenden Baugenehmigungsverfahrens bereits frühzeitig und mit maßvollem Aufwand abschließend zu klären. Wenn der Antrag auf Vorbescheid mit dem Bauantrag inhaltlich identisch ist, dann geht das Genehmigungsverfahren schnell.

Sonae Sierra wollte vor wenigen Jahren zwei Großprojekte im Einzelhandel in Fürth umsetzen und scheiterte. Binder ärgert das noch heute: „Bei der Neuen Mitte hat einer von acht Grundstückseigentümern nicht verkauft, und beim City Center war es ein Gesellschafter, der nicht verkauft hat. 350 andere hätten verkauft.“ Da Einstimmigkeit in beiden Fällen nötig gewesen sei, konnte Sonae Sierra die Projekte nicht umsetzen.

André Fischer (Nürnberger Zeitung)

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